Kirchen in der Pfalz wollen enger zusammenwachsen

Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad (links) und der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann

© Pfälzische Landeskirche/Landry

Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad (links) und der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann am 24. Januar 2021 bei einem ökumenischen Gottesdienst im Speyerer Dom zur diesjährigen Gebetswoche.

Kirchen in der Pfalz wollen enger zusammenwachsen
Protestanten und Katholiken in der Pfalz und Saarpfalz sind schon lange geschwisterlich verbunden. Mit einer neuen ökumenischen Initiative wollen die beiden Kirchen nun noch enger kooperieren. Hintergrund sind Mitgliederschwund und Spardruck.

Vor dem Hintergrund des Mitgliederschwunds und geringerer personeller und finanzieller Ressourcen arbeiten die Evangelische Kirche der Pfalz und das Bistum Speyer intensiver ökumenisch zusammen. Grundlage ist ein Arbeitspapier, das der Landeskirchenrat der Landeskirche und der Allgemeine Geistliche Rat des Bistums beschlossen haben. Mit dem Projekt "Zusammen_wachsen - miteinander auf dem Weg - gemeinsam Christus bezeugen - vereint den Menschen dienen" wollen evangelische und katholische Christen in der Pfalz und Saarpfalz auch ein Glaubenszeugnis in der Gesellschaft geben.

Alle kirchlichen Handlungsfelder sollen demnach in einem zeitlich nicht begrenzten Prozess für eine engere Zusammenarbeit in den Blick genommen werden, informieren Ökumenedezernent Manfred Sutter und Generalvikar Andreas Sturm. Untersucht werde, wo zukünftig gemeinsam, arbeitsteilig oder stellvertretend gearbeitet werden könne. "Denkverbote darf es dabei nicht geben", versichert Sturm. Die Kirchen wollten weiter handlungsfähig und möglichst in der Fläche mit ihren Angeboten präsent bleiben.

Um Synergieeffekte zu nutzen und Doppelstrukturen abzubauen, haben Bistum und Landeskirche bereits die Zusammenlegung ihrer beiden Bibliotheken in Speyer beschlossen - möglicherweise am bisherigen Ort der Bibliothek und Medienzentrale der Landeskirche. Engere Verzahnungen sind etwa in der Klinikseelsorge, in der Kirchenverwaltung, der Kirchenmusik und bei den gesamtkirchlichen Diensten angedacht. Auch die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas sollen, wo es möglich ist, zusammen auf dem Sozialmarkt agieren. Gemeinsame Trägerschaften von diakonischen oder karitativen Einrichtungen seien allerdings rechtlich schwierig, betont Sutter, der auch Diakoniedezernent ist.

Identität wahren - Differenzen überwinden

Bei allen Veränderungen müssten kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchten, sagt Sutter. Gerade in Corona-Zeiten müssten die Kirchen vielmehr enger "an einem Strang ziehen, auch im Kampf um gute Fachkräfte", ergänzt Sturm.

Zunächst sollen die Dezernate und Hauptabteilungen sowie übergemeindlichen Dienste beider Kirchen Vorschläge für vorrangige gemeinsame Projekte unterbreiten. Ziel sei es dabei, "möglichst viele Menschen mitzunehmen und keine Ökumene von oben" zu verordnen, sagt Sturm. Danach erstellt eine Steuerungsgruppe einen Aktions- und Zeitplan. Über dessen Umsetzung soll nach zwei bis drei Jahren ein Zwischenbericht informieren.

Beide Kirchen müssten ihre eigene konfessionelle Identität wahren und die jeweilige Haushaltshoheit beachten, machen Sturm und Sutter deutlich. Dennoch müsse man weiter daran arbeiten, Differenzen im Kirchen-, Amts- und Sakramentsverständnis zu überwinden. Ihn schmerze es persönlich sehr, dass er nicht gemeinsam mit evangelischen Christen das Abendmahl feiern könne, sagt Generalvikar Sturm. "Aber wir können etwas machen und bleiben an dem Thema dran", versichert er.

Mitmachaktion "Trendsetter Weltretter"

Bei ihrem vertieften Ökumeneprozess wollen Landeskirche und Bistum weiter mit anderen Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Region Südwest etwa beim Klimaschutz zusammenarbeiten. Der vor sechs Jahren von beiden Kirchen veröffentlichte ökumenische Leitfaden habe viele Impulse für das Miteinander geliefert, sagt Generalvikar Sturm. Das neue Arbeitspapier zeige nun: "Es geht weiter, wir setzen uns neue Ziele."

So ist die Artenvielfalt das Thema der diesjährigen ökumenischen Mitmachaktion "Trendsetter Weltretter" für einen nachhaltigen Lebensstil. Die Aktion finde vom 5. September bis 4. Oktober zum vierten Mal statt, teilten die Evangelische Kirche der Pfalz und das Bistum Speyer als Initiatoren in Speyer mit. Weitere Träger sind die ACK der Region Südwest und die Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz in Mainz.

Die Aktion unter dem Motto "Natürlich vielfältig" lade dazu ein, die Vielfalt der Natur und neue Sichtweisen darauf zu entdecken, teilten Sibylle Wiesemann und Steffen Glombitza, die Umweltbeauftragten der Landeskirche und des Bistums Speyer, mit. Interessierte erführen anhand alltagstauglicher Impulse, wie sie zum Schutz der Artenvielfalt beitragen könnten.

Kartoffel-Aktion zum Thema Artenvielfalt

Während der vier Wochen gehe die Aktion mit täglichen Impulsen auf die Themen Naturerfahrung, Wildnis, Garten und politische Anregungen ein, heißt es. Interessierte erhielten Informationen, Bilder und Aufgaben per E-Mail, über Facebook sowie die Internetseite zur Aktion. "Trendsetter Weltretter" beginne mit einer Auftakt-Veranstaltung und ende mit einem ökumenischen Gottesdienst.

Parallel dazu bietet "Trendsetter Weltretter" den Angaben zufolge Ausflüge und Einblicke in die Natur mit lokalen Partnern in der Pfalz und Saarpfalz an. Ein digitaler Workshop zum Thema "Artenvielfalt mit Kita-Kindern erleben und fördern" gebe am 10. März von 14 bis 16 Uhr den Auftakt für weitere Veranstaltungen. Themen der vergangenen Jahre waren Konsum (2018), Mobilität (2019) und Ernährung (2020).

Zur Einstimmung auf die Aktion beteiligt sich "Trendsetter Weltretter" an der Kartoffelaktion "Zusammen wachsen lassen". Sie ist eine Gemeinschaftsaktion der pfälzischen Landeskirche, der Evangelischen Landeskirche Baden sowie der Bistümer Speyer und Rottenburg-Stuttgart und der Erzbistümer Freiburg und Köln. Dabei sind Einzelpersonen, Kirchengemeinden sowie Kinder- und Jugendgruppen eingeladen, seltene Kartoffelarten anzubauen, beispielsweise im Pflanzkübel vor dem Haus, im Eimer auf dem Balkon oder im Gartenbeet. Dazu verschenken die pfälzische Landeskirche und das Bistum Speyer Sets mit jeweils fünf seltenen Kartoffelsorten. Begleitet wird die Aktion durch monatlich per E-Mail versendete "Kartoffelbriefe" mit Tipps zum Anbau und spirituellen Impulsen.