"Geschlossen wegen der Olympischen Spiele" – dieses Schild kann man zurzeit an vielen Geschäften in Mailand finden. Insbesondere das Zentrum der norditalienischen Stadt ist abgeriegelt: "Milano blindata" titeln die größten Tageszeitungen Italiens wie beispielsweise La Repubblica.
Auch wenn Marco Barbieri, Generalsekretär des Untermehrverbands "Confcommercio" betont, dass diese Maßnahmen angesichts der außergewöhnlichen Situation notwendig seien, sind Touristen und Einwohner verärgert, denn sie müssen Schließung einiger U-Bahn-Stationen, Geschäfte und Restaurants, Durchfahrtsverbote und Umleitungen der öffentlichen Verkehrsmittel hinnehmen.
"Am 6. Februar waren sogar einige Schulen geschlossen", berichtet Giulio. Der 68-Jährige arbeitet ehrenamtlich in einer Schule und ist entrüstet. Das ist allerdings nicht die einzige Entscheidung der Sicherheitskräfte zum Thema Olympia, berichtet Milano Today. Es wurde auch ein Überflugverbot für den Luftraum über Mailand und in Assago und Rho in der Nähe der olympischen Austragungsorte für Privatflugzeuge und Drohnen sowie die Schließung der Flughäfen Linate und Bresso für Drohnen und Privatflugzeuge vom 4. bis 7. Februar beschlossen. Schließlich wurden vom 6. bis 22. Februar fünf rote Zonen eingerichtet (drei in Mailand in den Gebieten Sempione, Villaggio Olimpico und Arena Santa Giulia, zwei in Rho und Assago).
Nach ihrem Volontariat in der Pressestelle der Aktion Mensch arbeitete Alexandra Barone als freie Redakteurin für Radio- und Print-Medien und als Kreativautorin für die Unternehmensberatung Deloitte. Aus Rom berichtete sie als Auslandskorrespondentin für Associated Press und für verschiedene deutsche Radiosender. Seit Januar 2024 ist sie als Redakteurin vom Dienst für evangelisch.de tätig.
"Wo soll das hinführen?", fragt Giulio sich. "Womöglich schließen sie auch bald die Krankenhäuser, weil irgendwelche hohen Tiere zu irgendeiner Feier rund um die Olympischen Spiele nach Mailand kommen wollen." Giulios Ärger stößt bei Maria auf Unverständnis: "Die Olympischen Winterspiele bringen Bewegung, es kommen interessante Leute in die Stadt, es gibt viele Veranstaltungen, bei denen man neue Kulturen kennenlernen kann", sagt sie. Das einzige störende seien die vielen Demonstrationen und die große Anzahl von Sicherheitskräften. Über 6.000 sollen es sein, darunter auch Mitglieder der US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement).
Protest gegen Trumps ICE
Bereits am 24. Januar startete die Petition "Verweigerung der Einreise für Mitglieder des ICE für Mailand Cortina 2026", die am 28. Januar mehr als 15.000 Unterschriften gesammelt hat. "Ihre Anwesenheit (ICE) könnte die universellen Werte gefährden, die die Olympischen Spiele verkörpern sollten", erklären die Initiatoren.
Nur eine Woche später, am 31. Januar, demonstrierte die Mitte-Links-Koalition zusammen mit Gewerkschaften und Verbänden auf der Piazza XXV Aprile gegen die Einreise der ICE-Beamten. Für die am Protest beteiligten Parteien Partito Democratico, die Fünf-Sterne-Bewegung, Italia Viva und Rifondazione Comunista ist klar: "Die Olympischen Spiele müssen für Menschenrechte stehen und nicht für Sicherheitsmodelle, die als unvereinbar mit der europäischen demokratischen Tradition angesehen werden." Ihre Aufgabe soll allerdings nur der Schutz ihrer Landsleute sein, berichtet der Fernsehsender tg24 von Sky.
Besonderer Schutz für queere Athlet:innen
Auch für die LGBTQ+-Sportler:innen, die während der Winterspiele in Italien anwesend sind, gibt es eine Form des Schutzes, berichtet die Zeitung Il fatto Qutidiano. Die Dating-App Grindr gab bekannt, dass sie die Geolokalisierungsfunktion in den Olympischen Dörfern in Mailand, Livigno und Cortina deaktivieren wird, da die Entfernungsdaten dazu verwendet werden könnten, den Standort einer Person zu ermitteln, "deren Präsenz in der App etwas über ihre Identität verrät, was in mehr als 60 Ländern nach wie vor strafbar ist", heißt es.
In der deutschen Berichterstattung eher als kleine Randerscheinung erwähnt, stört einige Menschen in Italien auch die Beteiligung Israels an den Olympischen Spielen. "Es ist Italien, das die Emotionen des Sports mit Respekt betrachtet, aber auch mit der Ernüchterung und Kritik, die die moderne Zeit mit sich bringt. Es ist das Italien, das jenseits des Überbaus des Wettkampfsports die dramatische Realität der Kriegsgebiete nicht vergisst, die Schmerzensschreie der Verwundeten hört, weiterhin die Toten zählt und sich mit dem Drama der unterdrückten Völker auseinandersetzt. Und deshalb fordert es universellen Frieden, Gerechtigkeit, Transparenz und die Achtung der Menschenrechte", heißt es in einem Kommentar im Il Fatto Quotidiano.
Weitere Demonstrationen sind gegen die Umweltschäden, die unter anderem der Bau der Bob-Bahn entfacht hat und die immer stärker werdende soziale Ungerechtigkeit und Wohnungsnot. Die vielen Demonstrationen sind vor allem Regierungschefin Giorgia Melonie ein Dorn im Auge, die die Demonstrierenden als "Feinde" bezeichnete. "Tausende und Abertausende Italiener arbeiten in diesen Stunden daran, dass während der Olympischen Spiele alles funktioniert", so Meloni. Viele von ihnen seien als Freiwillige unterwegs, "weil sie möchten, dass ihre Nation einen guten Eindruck macht, bewundert und respektiert wird".
Apropos Organisation: davon ist Rennrodlerin Anna Berreiter nicht sonderlich begeistert. Die Rennrodlerin soll sich über "chaotische Zustände" beschwert haben - viele Busse aus der offiziellen Olympia-App seien zum Transport der Athleten nicht gekommen und Fahrer an Wartenden vorbeigefahren, Focus berichtete.
Die XXV. Olympischen Winterspiele finden vom 6. bis zum 22. Februar 2026 in Mailand und Cortina d‘Ampezzo statt. Insgesamt werden die Wettkämpfe an sechs verschiedenen Orten ausgetragen, die sich über den italienischen Teil der Ostalpen verteilen.


