EKD-Synode: Parlament sucht neue Gesichter

Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer

© epd-bild/EKN/Jonathan Haase

Das Amt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war Irmgard Schwaetzers zweite Karriere. Als FDP-Politikerin hatte sie sich unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) einen Namen gemacht.

EKD-Synode: Parlament sucht neue Gesichter
Im Mai kommt die neue Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen. Inhaltlich wird sie der Umgang mit dem Mitgliederverlust prägen. Zuerst steht sie aber vor personellen Weichenstellungen.
28.04.2021
Corinna Buschow
epd

Es wird ein digitales Kennenlernen für die neuen Kirchenparlamentarier. Anfang Mai konstituiert sich die inzwischen 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die 128 Synodalen, darunter viele Neue in dem Gremium, können wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant in Bonn tagen, sondern nur per Videokonferenz. Erprobt darin ist das Kirchenparlament schon seit seiner Tagung im vergangenen November, die letzte der alten Synode, bei der sich die Teilnehmer kannten. In der neuen Zusammensetzung ist die Herausforderung größer, zumal wichtige inhaltliche und Personalentscheidungen anstehen, über die man auch in der Kirchenpolitik gern am Rande eines Tagungssaals verhandelt.

Die obersten Parlamente der EKD konstituieren sich zu Beginn einer sechsjährigen Amtszeit neu. Im Mittelpunkt der digitalen Tagung vom 6. bis 8. Mai steht die Neuwahl des Präsidiums der EKD-Synode.

Zum Auftakt muss die Synode das siebenköpfige Präsidium neu wählen. Spannend wird dabei, wen das Kirchenparlament an die Spitze wählt Die derzeitige Präses Irmgard Schwaetzer, die frühere FDP-Bundesministerin, scheidet aus. Auch vor ihr übernahmen oft Politiker das Amt, das neben der oder dem EKD-Ratsvorsitzenden die evangelische Kirche nach außen repräsentiert.

Auch Spitzenposten neu besetzen

In der aktuellen Synode haben erneut die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, die schon einmal Präses war, und der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Hermann Gröhe (CDU) einen Platz. Neu in der Synode sind der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Stefan Ruppert und der Linken-Bundestagsabgeordnete Friedrich Straetmanns. Sie alle wurden vom Rat der EKD in die Synode berufen. Die frühere FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg zieht als gewählte Synodale der Berliner Landeskirche in das Gremium ein.

Wer leitet die Evangelische Kirche in Deutschland?

Die nächste spannende Personalie steht für die Synode auf der Tagung im Herbst an. Dann muss ein neuer Rat der EKD gewählt werden, und auch dort geht es um den Spitzenposten. Der aktuelle Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof in Bayern, hat bereits angekündigt, nicht wieder zu kandidieren.

Bisher keine Favoritenrolle

Eine klare Favoritenrolle wird derzeit noch keinem Bischof oder einer Bischöfin zugeschrieben. Stellvertretende Ratsvorsitzende ist die westfälische Präses Annette Kurschus, die im November von ihrer Landeskirche für eine weitere Amtszeit bestätigt wurde. Mit ihren Bemühungen um die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Kirche hat sich außerdem die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs profiliert, die ebenfalls bereits dem EKD-Rat angehört und im Juni für weitere zehn Jahre als Bischöfin in der Hansestadt wiedergewählt werden könnte.

Seit der letzten Ratswahl 2015 sind aber auch neue Gesichter in Bischofsämter gekommen, die in den Rat und damit auch für den Vorsitz gewählt werden könnten, etwa der Bischof der mitteldeutschen Kirche, Friedrich Kramer, Nordkirchen-Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, der Berliner Bischof Christian Stäblein und der rheinische Präses Thorsten Latzel. Auch die Landeskirchen der Pfalz, in Bremen, Oldenburg, Sachsen und Kurhessen-Waldeck sowie die reformierte Kirche haben seitdem neue leitende Geistliche gewählt. Der Rat der EKD hat 15 Mitglieder, ein Sitz ist für den oder die Synodenpräses reserviert. Neben Theologen sind zudem Laien Mitglieder.

Priorität liegt beim Sparen

Inhaltlich wird es für die neue Synode in der bevorstehenden sechsjährigen Wahlperiode darum gehen, die Beschlüsse zur Zukunftsstrategie umzusetzen, die die Kirchenparlamentarier der Vorgängersynode verabschiedet haben. Angesichts des Mitgliederverlusts will sich die evangelische Kirche inhaltlich fokussieren und teilweise neu orientieren. Vor allem muss sie aber auch sparen. Die Synode beschloss im November, dass der Haushalt der EKD im Jahr 2030 17 Millionen Euro weniger Ausgaben umfassen soll gegenüber dem von 2019.

Die Synode hat maßgeblichen Einfluss darauf, wo der Rotstift angesetzt wird. Sie beschließt den Haushalt der EKD in der Regel auf der Novembertagung. Bei der konstituierenden Sitzung dürfte es also noch nicht ans Eingemachte gehen. Dort steht nach Angaben der EKD erst einmal auch das auf der Tagesordnung, was die Form des Treffens prägen wird: Es soll einen Austausch über digitale geistliche Formate und die Erfahrungen damit in der Pandemie geben.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik mit rund 20,7 Millionen Protestanten. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit 128 Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus 15 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Ratsvorsitzender ist bis November noch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Die EKD wurde 1945 als Zusammenschluss lutherischer, reformierter und unierter Landeskirchen ins Leben gerufen. Die einzelnen Landeskirchen sind selbstständig, die EKD koordiniert jedoch das einheitliche Handeln. Ihre Aufgaben liegen vor allem bei Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche und bei den Beziehungen zu den Partnerkirchen im Ausland. Zudem ist die EKD zuständig für die Herausgabe der Lutherbibel und des Gesangbuchs. Sie veröffentlicht regelmäßig Denkschriften zu ethischen, sozialen, politischen und theologischen Themen.

Die Teilung Deutschlands hatte 1969 auch für die evangelische Kirche eine organisatorische Trennung zur Folge. Nach der politischen Wiedervereinigung schlossen sich 1991 die evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland wieder zusammen. Anfang 2007 wurde eine Strukturreform wirksam, die auf eine enge Verzahnung der Organe und Dienststellen von EKD und konfessionellen Zusammenschlüssen der Lutheraner und Unierten abzielt. Seit 2009 tagen daher EKD-Synode, die lutherische Generalsynode und die Vollkonferenz der unierten Kirchen zeitlich und personell verzahnt am gleichen Ort.

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