Spiritus

Spiritus: geistvoll in die Woche

Camping ist kein Urlaub, aber...

Camping ist kein Urlaub, aber...
Camping spaltet die Gemüter, die einen wollen nur so Urlaub machen, die anderen wollen es am liebsten nie ausprobieren. Das führt allerdings, sofern es sich bei dieser Kombination um zwei Ehepartner*innen handelt, jährlich zu Diskussionen..

...nun haben wir es endlich mal als Familie ausprobiert! Warum, wenn doch 50% in dieser Ehe dieser Urlaubsform skeptisch gegenübersteht? Zum einen haben wir seit 1 1/2 Jahren eine kleine Tochter, die am liebsten den ganzen Tag draußen ist und zum anderen gibt uns zu bedenken, dass der Tourismus schätzungsweise für 5% der globalen Emission verantwortlich ist und so massiv zum Klimawandel beiträgt. Da wollen wir ungern fliegen oder gar auf einem Kreuzfahrtschiff anheuern, zumindest nicht, ohne alle Urlaubsformen ausprobiert zu haben – Bewahre die Schöpfung!

Überzeugungsarbeit wurde mit romantischen Videos zum #Vanlife geleistet, auch die Möglichkeit überall hinfahren zu können reizte die "Miesepeter-Hälfte", so dass wir uns nach ein paar Monaten der Überzeugungsarbeit endlich für eine Woche ein Wohnmobil gemietet haben.

Wir wollen die Sache an dieser Stelle abkürzen und zerstören im Folgenden die Vanlife-Mystik:

  • "Es ist sooooo romantisch jeden Morgen an einer anderen Stelle aufzuwachen" Sicher, nur bist Du mit so einem Riesenauto an besondere Stell-, bzw. Campingplätze gebunden, d.h. Du hast meistens die weiße Wand deines Nachbarn vor der Nase. Mal mit blauen, mal mit roten Strichen, die die Windschnittigkeit der Fahrzeuge betonen soll.
  • "Du bist so flexibel und spontan in deiner Reiseroute und kannst jeder Zeit weiterziehen" Machste aber nicht unbedingt, weil es ein Riesenaufwand ist, das rollende Haus wieder fahrbereit zu machen. Stühle, Tisch, Kinderwagen, Fährräder und ggf. der Gasgrill müssen eingepackt werden, im Inneren muss alles fahrtauglich verstaut werden und vergesst nicht die Toilette zu reinigen.
  • "Ihr lernt so viele unterschiedliche Menschen kennen" sooo unterschiedlich sind die Camper*innen jetzt nicht und nach drei Begegnungen musst Du mehr auch nicht kennenlernen. Ich glaube, fast 50% haben einen Hund dabei, die Menschen aus den neuen Bundesländern findet man immer komisch (dabei fahren die gar kein Trabbi-Wohnmobil) und Menschen mit Migrationshintergrund sind auch eher Fehlanzeige. Am Abend trinken fast alle Gruppen Alkohol und sind laut oder Seniorenehepaare, die hoffen, noch ein paar Nordseeinseln abklappern zu können.
  • "Camping ist preiswert und somit familienfreundlich" es hat sich inzwischen wohl rumgesprochen, dass das absoluter quatsch ist, das war mit die teuerste Woche Urlaub, die ich verlebt habe. So ein Gefährt in der Mietung kostet ca. 1000€ in der Woche, da ist kein Treibstoff enthalten und auch keine Stellplatzmiete. Achja und vergesst nicht, Frühstück, Halbpension oder gar Allinklusiv sind auch im Preis nicht inbegriffen.

Die Vanlife-Mystik ist in aller Munde, gerade die Coronapandemie hat dies noch befeuert: Die Freiheitsliebe ist während des Lockdowns gestiegen und zurück zum Wesentlichen ist angesagt. Alles ehrenwert, doch Urlaub war das für uns nicht!

Der interessantere Gedanke, der uns in den Sinn kam war, sollten wir nicht generell so versuchen zu leben, also unser ganzes Wohnen minimieren? Wir kamen mit dem wenigen Platz spielendleicht zu recht, auch die Gemeinschaftsduschen machten uns nichts aus und als Familie waren wir enger zusammen, als in unserer großen Wohnung. Camping als eine Dauerlösung, das finde ich zur Bewahrung der Schöpfung einen interessanten Denkanstoß.

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