Das Wunder des Aschekreuzes

Das Wunder des Aschekreuzes
Der Fasching ist vorbei. Jetzt beginnt die Fastenzeit. Gott sei Dank. Vierzig Tage dauert sie. Und vielleicht kommen ja auch ein paar Engel vorbei.

Kalendarisch ist heute Rosenmontag. Doch es ist Krieg in der Ukraine. Krieg! Undenkbar, noch einmal Närrin zu sein kurz vor der Fastenzeit, mich noch einmal zu verkleiden, noch einmal eine andere zu sein und zu feiern wie früher im Rheinland, in meiner Jugend. Und so zu tun, als gäbe es kein Morgen. Nichts außer mir und Karneval. Keinen Aschermittwoch. Keine Fastenzeit. Keine Bußzeit. Keine Leidenszeit. Und auch keinen Tod.

Es ist Krieg. Und ich will nicht feiern.

Aber auch deswegen: Es gäbe kein Innehalten. Keine Pause. Und keine Demut. Kein Sich-Besinnen, Vergewissern. Und keinen Gedanken daran, dass morgen heute längst gestern ist. Dass wir vergänglich sind.

Es gäbe keine Unterbrechung des auf Eile bedachten Lebens, bei dem es nur um die Gegenwart geht, in der das Ich im Mittelpunkt steht. Und nicht das Du. In der es aufs Ansehen ankommt und den Erfolg. In der der Schein mehr bedeutet als das Sein. Und das vermeintlich Wertvolle mehr als das Herz. Es gäbe keine Gewissheit, dass das Alte vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Und keine Hoffnung auf Veränderung. Keine Aussicht auf Umkehr, auf eine Rückkehr zu Gott. Und keinen Glauben an die Auferstehung, an den Beginn eines ewigen Lebens bei Gott.

Ohne Aschermittwoch gäbe es auch kein Aschekreuz. Und damit keine Spur von dem, auf den es ankommt. Kein not-wendendes, heil-bringendes Zeichen. Nichts Sichtbares, Spürbares für Gottes Gegenwart auch und gerade in den Tiefen unseres Lebens. Wenn wir fehlen. Und versagen. Wenn wir enttäuschen, uns und andere. Und scheitern. Wenn wir schuldig werden. Und klagen. Über andere. Und uns.

Ich erinnere mich gut an das erste Aschekreuz, das ein Priester auf meine Stirn zeichnete. Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, dabei ist es Jahre her. Es war befreiend, erlösend. Es war wie ein Sakrament, ein Sakrament der Versöhnung. Ich weiß noch, dass ich das Kreuz immer wieder betastete, im Spiegel besah. Und mir wünschte, dass es vierzig Tage sichtbar bliebe, Tag und Nacht.

Vierzig Tage und vierzig Nächte war Jesus in der Wüste. Er hatte gefastet und den Versuchungen des Teufels widerstanden. Der Geist hatte Jesus eigens in die Wüste geleitet, damit er vom Teufel verführt werde (Mt 4,1-11). Als der Teufel zu Jesus sprach, wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird, antwortete Jesus: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Es gab noch andere Versuchungen, der Teufel zitierte sogar Psalmworte, um Jesus zu imponieren. Doch vergebens. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm. Danach begann Jesu Wirken.

Ich liebe diesen Bibelbezug, weil er der Fastenzeit ihren eigentlichen Sinn gibt: dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

Vierzig Tage will ich auf Gottes Wort hören, auch wenn ich nicht glaube, dass ich es schaffe. Aber vielleicht schickt Gott ja ein paar Engel, die mir helfen. Denn eines weiß ich ganz gewiss: Bei meiner Umkehr, meiner Rückkehr, kommt Gott mir entgegen. Er vergisst mich nicht. Daran wird mich das Aschekreuz erinnern.

Auch, wenn es längst verschwunden ist.

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