Der Erfolg kommt überraschend. Die kanadische TV-Serie und das Buch "Heated Rivalry" (leidenschaftliche Rivalität) über die beiden queeren Eishockey-Spieler Ilya und Shane haben weltweit ein enormes Echo ausgelöst. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani empfahl den Bewohner:innen der Stadt während des jüngsten Schneesturms, das Buch über die queere Romanze zu lesen. Auch die Verantwortlichen der Olympischen Winterspiele sind begeistert. Sie luden die Hauptdarsteller der TV-Serie ein, die olympische Fackel zu tragen. Am 6. Februar feiert "Heated Rivalry" die Deutschland-Premiere.
Es freut mich, wenn eine queere Liebesgeschichte so viele Menschen berührt. Die in der TV-Serie angesprochenen Themen sollen in der einen oder anderen Form auch von der evangelischen Kirche aufgegriffen werden. Eine Auseinandersetzung kann den Verantwortlichen in der Kirche helfen, um Menschen in ihren jeweiligen Lebensrealitäten zu erreichen. Ich konnte als Journalist alle Folgen von "Heated Rivalry" vorab sehen. Mich haben dabei folgende Aspekte angesprochen:
Politisches Signal
Die Serie ist angesichts der Queer-Feindlichkeit in vielen Ländern ein starkes Signal. Es ist positiv, dass eine queere Geschichte so viele Menschen weltweit begeistert. Denn wir erleben derzeit bei queeren Rechten dramatische Rückschritte. So hat eine Umfrage der queeren Organisation "Human Rights Campaign" in den USA ergeben, dass dort immer mehr queere Menschen ihre Identität verstecken. Dies hat mit der queer-feindlichen Politik von US-Präsident Donald Trump zu tun.
Noch viel schlimmer als in den USA geht es "Queers" in anderen Ländern. Bei "Heated Rivalry" stammt der Eishockey-Spieler Ilya aus Russland. Die Serie macht in verschiedenen Szenen deutlich, dass es für queere Menschen in Russland unmöglich ist, sich zu outen und sich zu ihrer Identität zu bekennen. Angesichts der massiven Queer-Feindlichkeit darf die evangelische Kirche nicht untätig sein. Sie muss weiterhin konsequent alle Formen der Diskriminierung innerhalb der Kirche abbauen. Denn queere Rechte sind Menschenrechte.
Gegen toxische Männlichkeit
Viele Menschen berührt, wie sich bei "Heated Rivalry" toxische Männlichkeit in zärtliche Liebe verwandelt. Denn die beiden Eishockey-Spieler Ilya und Shane sind im Sport erbitterte Rivalen. Sie sind auf der Eisfläche beinhart und gehen an ihre Grenzen. Die jungen Männer sind stark und kontrolliert. Sie unterdrücken ihre Gefühle und setzen alles daran, um zu gewinnen. Eine solche toxische Männlichkeit führt dazu, dass sich im Spitzensport nur wenig queere Menschen outen. Queer-feindliche und schwulenfeindliche Parolen sind im Sport leider weit verbreitet.
Doch die TV-Serie macht deutlich, dass sich auch harte Männer ändern können. Die Eishockey-Spieler Ilya und Shane haben neben der in der Öffentlichkeit zur Schau gestellten Rivalität noch eine andere Seite: Sie haben miteinander Sex. Um ihre Karriere nicht zu gefährden, treffen sie sich heimlich. Ihre Dates sind anfangs triebhaft und körperlich orientiert. Doch im Laufe der Zeit lassen die beiden Männer immer mehr Gefühle und Zärtlichkeiten zu. Die Zuseher:innen können mitverfolgen, wie aus den harten Männern ein fürsorgliches Liebespaar wird.
Die verletzliche Seite zulassen
Bei "Heated Rivalry" ist viel schwuler Sex zu sehen. Überraschend ist, dass davon viele heterosexuelle Frauen begeistert sind. Warum ist das so? In den sozialen Medien betonen heterosexuelle Frauen, dass sie die Serie mögen, weil die Liebe der beiden Männer und die Sexualität auf Augenhöhe dargestellt werden. Es gibt keine patriarchalen Strukturen wie in vielen heterosexuellen Beziehungen und TV-Romanzen, wo ein Mann eine Frau erobert oder wo sich die Frau unterordnen soll. Bei "Heated Rivalry" gehen Ilya und Shane respektvoll miteinander um.
Auch beim Sex wird immer über Grenzen und Wünsche gesprochen. Den Männern ist es wichtig, dass auch der Partner befriedigt wird und sich wohlfühlt. Zwar hat der aus Russland stammende Ilya eine raue Seite. Doch er wird im Laufe der Serie immer sanfter. Er kann bei Shane seine verletzliche Seite zulassen. Er weint, lässt sich von Shane in den Arm nehmen und trösten. Diese Verwandlung berührt. Es ist schön, wenn Männer toxisches Verhalten ablegen.
Problematisches Körperbild
Alles andere als begeistert bin ich vom Körperbild, das durch die Serie vermittelt wird. Es sind immer nur durchtrainierte und normschöne Menschen zu sehen. In der Serie wird neben Ilya und Shane auch noch die Entwicklung eines anderen queeren Paars gezeigt. Auch diese Männer entsprechen den derzeitigen gesellschaftlichen Schönheitsidealen. Alle schwulen und bisexuellen Darsteller sind immer schlank, sportlich und haben ein makelloses Aussehen. In diesem Aspekt ist die Serie ein Rückschritt. Viele Menschen tauschen sich in den sozialen Medien darüber aus, wie viel jemand trainieren muss, um solche Muskeln zu bekommen, und wie die entsprechende Hautpflege aussehen soll.
Im Internet wird teilweise mehr über das Aussehen der Schauspieler als über die queere Handlung diskutiert. Der Schauspieler Hudson Williams, der Shane spielt, sagt, dass er für die nächste Staffel entsprechend trainieren und mehr Muskeln aufbauen möchte. Hier geht für mich die Serie in eine falsche Richtung.
Neben dem makellosen Aussehen sind Ilya und Shane als Profisportler unglaublich reich. Sie können sich tolle Autos, Luxusurlaube und traumhafte Wohnungen leisten. Es handelt sich um ein Liebesmärchen in der Welt der Superreichen, die mit der Realität queerer Menschen wenig zu tun hat. Ich frage mich, ob die Serie auch ohne die Aspekte Schönheit und Reichtum so erfolgreich wäre.
Viel Diskussionsstoff
Trotzdem hat "Heated Rivalry" (zu sehen ab dem 6. Februar beim Streaming-Dienst HBO Max) viel Diskussionsstoff zu bieten. Denn es werden einige wichtige Themen behandelt: Warum streben so viele Menschen ein Luxusleben an? In welche Menschen verlieben wir uns? Wie sehr spielen beim Verlieben ein makelloses Aussehen und Geld eine Rolle? Wie leben wir unsere Beziehungen? Sind diese von Liebe und Verbundenheit geprägt? Geht es uns mehr um äußere oder innere Werte? Wie achten wir bei der Sexualität auf das Wohlergehen und die Befriedigung der Partner:innen?
Nicht vergessen werden darf der Bereich toxische Männlichkeit. Die Serie lädt Männer dazu ein, ihre Männerbilder zu hinterfragen. Das sind Themen, die auch die evangelische Kirche aufgreifen kann, um Menschen zu erreichen. Spannend wäre auch eine Auseinandersetzung darüber, warum Religion und Fragen nach der Transzendenz in dieser und in vielen anderen populären TV-Serien keine Rolle spielen.


