"Jüdinnen und Juden fühlen sich oftmals alleingelassen"

Demonstration zur Solidarität mit Israel

©Michael Kappeler/dpa

Teilnehmer an einer Demonstration zur Solidarität mit Israel stehen mit der Flagge Israels vor dem Brandenburger Tor. Die Demonstranten bekundeten ihre Verbundenheit mit Israel im aktuellen Konflikt mit den Palästinensern.

"Jüdinnen und Juden fühlen sich oftmals alleingelassen"
Organisationen, Politiker und Kirchenvertreter demonstrieren in Berlin
Bei einer Kundgebung von jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen in Berlin haben zahlreiche Bundespolitiker die Solidarität mit Israel betont. Die Initiatoren kritisierten, Betroffenheit über Antisemitismus reiche nicht aus.

Etwa 1.000 Menschen haben am Donnerstagabend in Berlin für Solidarität mit Israel und gegen Antisemitismus demonstriert. An einer Kundgebung am Brandenburger Tor nahmen zahlreiche Bundes- und Landespolitiker teil, darunter Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, FDP-Chef Christian Lindner, Linksfraktions-Vorsitzender Dietmar Bartsch, der Grünen-Politiker Cem Özdemir und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Unter den Teilnehmer:innen waren auch Vertreter der Kirchen wie die Pröpstin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christina-Maria Bammel, und die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein.

Dazu aufgerufen hatte ein Bündnis aus über 35 jüdischen und nichtjüdischen Organisationen, darunter die jüdisch-deutsche Werteinitiative, der DGB, die Kurdische Gemeinde Deutschland, das American Jewish Commitee (AJC) und die Jungen Liberalen. Die Initiatoren verurteilten die Angriffe der radikal-islamistischen Hamas auf Israel und äußerten ihre Sorge über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland.

"Betroffenheit reicht nicht"

Jüdinnen und Juden fühlten sich oftmals alleingelassen, sagte der Vorsitzende der Werteinitiative, Elio Adler: "Auch weil Betroffenheit nicht reicht." Er kritisierte, rechte und islamistische Strukturen würden oft zu lange ignoriert und nicht entschlossen genug bekämpft. Was dringend gebraucht werde, seien Konzepte, Handlungen, konkrete Politik.

Vizekanzler Scholz betonte, wer jüdisches Leben in Deutschland angreife, greife die Identität der deutschen Gesellschaft "und damit uns alle an". CDU-Generalsekretär Ziemiak sagte, die deutsche Bevölkerung stehe an der Seite Israels. "Wir dürfen aber auch nicht die Augen vor der Gegenwart verschließen", sagte er. Immer öfter zeige sich der "antisemitische Wolf im Schafspelz der Israel-Kritik".

FDP-Chef Lindner forderte einen "360-Grad-Kampf" gegen Antisemitismus jeglicher Coleur. Linken-Fraktionschef  Bartsch betonte, beim Kampf gegen Antisemitismus "müssen wir alle auch vor der eigenen Haustür kehren". Der Grünen-Politiker Cem Özdemir warnte davor, die Konfliktlinien entlang der Religionen zu ziehen.

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