Hessen-nassauische Kirche beginnt Sparprozess 2030

Einsparungen bei der EKHN  beschlossen.

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Vor dem Hintergrund anhaltender Einnahmeverluste in Folge des Mitgliederschwunds und der Corona-Krise beschloss die Synode, Einsparungen bei der Erhöhung der Besoldung für Pfarrpersonal und Kirchenbeamte.

Hessen-nassauische Kirche beginnt Sparprozess 2030
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Aus für zwei Tagungshäuser, Bangen um das Bibelmuseum, zwei Feierstunden und eine Reihe von Personalentscheidungen: Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat am Samstag ihre erste Online-Tagung beendet. 

Zum Abschluss ihrer viertägigen Beratungen in Frankfurt am Main hat die hessen-nassauische Kirchensynode den Haushalt für 2021 verabschiedet. Er sieht Gesamtaufwendungen der EKHN in Höhe von rund 703 Millionen Euro (2020: 690 Millionen Euro) vor. Für die Arbeit auf Gemeinde- und Dekanatsebene sind mehr als 337 Millionen Euro eingeplant. Rund 48 Millionen Euro an Eigenmitteln sind unter anderem für die Arbeit in Kindertagesstätten vorgesehen. Den größten Einzelposten bilden die Personalkosten mit über 320 Millionen Euro.

Vor dem Hintergrund anhaltender Einnahmeverluste in Folge des Mitgliederschwunds und der Corona-Krise beschloss die Synode, bei den rund 1.600 Pfarrer:innen sowie den Kirchenbeamt:innen die Erhöhung der Bundesbesoldung um 1,4 Prozent ab dem 1. April kommenden Jahres auszusetzen. Eine Corona-Sonderzahlung für das Pfarrpersonal und die Kirchenbeamten wurde ebenfalls ausgeschlossen.

Die 140 Delegierten des Kirchenparlaments fassten auch erste Beschlüsse innerhalb ihres Konsolidierungsprojekts "ekhn2030". So soll das Tagungshaus "Jugendburg Hohensolms" bei Wetzlar verkauft werden, wenn sich bis Ende 2022 kein Kooperationspartner für den Weiterbetrieb findet. Das Tagungszentrum "Kloster Höchst" im Odenwald soll zwar im Besitz der Kirche bleiben, aber spätestens Ende 2023 den Tagungsbetrieb einstellen und anderweitig genutzt werden.

Das Frankfurter Bibelhaus Erlebnis-Museum darf hingegen weiter auf sein Fortbestehen hoffen. Die Synode stimmte einem Kompromissvorschlag der Kirchenleitung zu, wonach die Kirche einen Zuschuss von jährlich 300.000 Euro ab 2025 gewährt, wenn die Frankfurter Bibelgesellschaft bis 2024 ein neues Konzept mit zusätzlichen Finanzquellen vorlegt. 

Wichtige gesellschaftspolitische Signale

Die Synode sendete aber auch wichtige gesellschaftspolitische Signale aus. So votierte sie etwa einstimmig für ein Gesetz zur Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Danach müssen Pfarrer:innen sowie Mitarbeiter:innen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, erweiterte Führungszeugnisse vorlegen und sich zur Vorbeugung regelmäßig schulen lassen. Damit sollen Gewalt und Strukturen, die Gewalt ermöglichen, frühzeitig erkannt werden. Für Verdachtsfälle ist eine Meldepflicht vorgesehen. 

Außerdem beschloss die Synode den Beitritt der EKHN zur "Initiative Lieferkettengesetz". Mit dem Gesetz, das die Bundesregierung noch in dieser Legislaturperiode verabschieden will, sollen größere deutsche Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden verpflichtet werden, ihren menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Wertschöpfungskette gerecht zu werden.

Auf der Tagung fielen auch mehrere Personalentscheidungen. So wurde der Propst für Oberhessen, Matthias Schmidt (56), mit großer Mehrheit für weitere sechs Jahre wiedergewählt. Seine dritte Amtszeit beginnt am 1. März 2022. Die Wiesbadener Verwaltungsrichterin Jutta Schild wurde zur neuen stellvertretende Vorsitzenden des Kirchlichen Verfassungs- und Verwaltungsgerichts gewählt, und Christian M. Beck wurde als Leiter des Rechnungsprüfungsamts der Kirche bestätigt.

Wahlen für die EKD-Synode

In die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland wurden als Theologen gewählt: die Frankfurter Gefängnispfarrerin Lotte Jung, der Groß-Gerauer Ökumenepfarrer Wolfgang Prawitz (Groß-Gerau) und die Professorin für Seelsorge am Theologischen Seminar Herborn, Angela Rinn. Als Gemeindeglieder vertreten die EKHN auf EKD-Ebene künftig die Studentin Lisa Menzel (Mühlheim/Main), der Jungunternehmer Niklas-Alexander Krakau (Frankfurt), der Geschäftsführer der Darmstädter Schader-Stiftung, Alexander Gemeinhardt, und die Physikerin Susanne Koch (Laubach).

Die Synode erinnerte schließlich in digitalen Feierstunden auch an zwei prägende Ereignisse der EKHN-Geschichte: an die Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst vor 50 Jahren und daran, dass die EKHN vor 50 Jahren als erste evangelische Landeskirche 100.000 DM in den Sonderfonds des Weltkirchenrats zur Bekämpfung des Rassismus gezahlt hatte. Mit dem Geld wurden eine Reihe von Befreiungsbewegungen vornehmlich in Afrika unterstützt, was in der Synode höchst umstritten war.  

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