Wie kommt man heute über den Glauben ins Gespräch, wenn es innerhalb der Gemeinde fast nur noch um Kosten und Strukturreform geht? Ab April startet eine neue Plattform, die Menschen in Gemeinden genau das liefert, was sie brauchen: konkrete Angebote zur Glaubensvermittlung. Auf der Seite "Ateliers des Glaubens" bündelt midi, die Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie, rund 40 Angebote, mit denen Interessierte in Gemeinden oder im Freundeskreis Gespräche über den Glauben anstoßen können. Von klassischen Glaubenskursen bis zu ungewöhnlichen Formaten wie den Küchengesprächen oder dem Whisky-Tasting mit Bibelbezug, digital oder analog - das Angebot bildet einen modernen Bedarf ausgewogen ab.
Svenja Neumann von midi hat die "Ateliers des Glaubens" mitentwickelt. Sie ist Referentin für Evangelisation und missionale Bildung sowie Pfarrerin in Hessen. Sie freut sich, wenn die neue Seite am 27. April online gehen wird. Dann werden neben bekannten Formaten wie Alpha (Glaubenskurse), Emmaus (Bibelkurse), Stufen des Lebens (Glauben) oder SPUR8 (Glauben) auch bewusst niedrigschwellige Angebote zu finden sein wie zum Beispiel das auf einen Abend reduzierte biblische Whisky-Tasting.
"Wir wollten auch Angebote aufnehmen, die keine klassischen Glaubenskurse sind", sagt Svenja Neumann. "Denn alles, womit Menschen über den Glauben ins Gespräch kommen, ist gut." Auch Familien mit kleinen Kindern sind bedacht. Für sie gibt es das Familien-Wimmel-Glauben-Entdecken-Buch der Kirche Kunterbunt. "Die Idee dahinter ist, dass Familien sich noch mal privat treffen und miteinander Glauben teilen", so Svenja Neumann.
Wie die Suche funktioniert
Damit jeder das richtige Angebot findet, ist die Suche über ein Filtersystem möglich. "Wir haben im Moment fast 40 verschiedene Angebote. Man sucht zum Beispiel danach, wie lang ein Kurs sein soll oder ob es vielleicht doch nur ein einmaliges Angebot sein soll. Wie lange soll zum Beispiel der Abend überhaupt dauern? Wie viele Mitarbeitende braucht man?" All diese Kriterien stünden zur Auswahl, erzählt die Pfarrerin. "Es gibt immer einen Link, unter dem man dann das Material findet. Das kann ein Buch sein oder Material zum Download, weitere Links oder Leitfäden."
Viele Kurse seien so konzipiert, dass auch Menschen ohne Erfahrung sie durchführen können. Das gelte etwa für den weltweit verbreiteten Alpha-Kurs, der Basisfragen zum Glauben beinhaltet. Svenja Neumann sagt, dass jeder so einen Kurs durchführen kann. "Das ist wirklich ganz leicht. Da kann man an der Online-Schulung teilnehmen und kauft das Material in deren Shop. Dann kann man loslegen."
Noch einfacher sind die Küchengespräche: "Das ist ein Glaubenskurs mit minimalen Aufwand. Den habe ich gerade mit einem Kollegen entwickelt. Wir haben das Format bewusst einfach gehalten, weil wir auch Angebote mit geringem Aufwand anbieten wollen", berichtet Svenja Neumann.
Das Konzept der Küchengespräche ist schnell erklärt: vier Abende, ein kleines Heft mit 16 Seiten und eine Tischgemeinschaft. "Es ist für kleinere Gruppen gedacht. Man deckt den Tisch, Brot, Butter, Wasser, beginnt mit einem Ankommen, hört einen kurzen Impuls, tauscht Erfahrungen aus, liest einen Bibeltext, teilt Resonanzen, verbindet das mit dem eigenen Leben und schließt mit einem Gebet oder Segen. Insgesamt dauert das höchstens 75 Minuten." Zu den Küchengesprächen werden zum Beispiel Freunde oder Nachbarn eingeladen.
Niedrigschwellige Angebote
Noch weniger Vorbereitung braucht die Glaubens-App von Justus Geilhufe aus Sachsen: "Da schaut man sich Videos an, die er aufgenommen hat und kommt hinterher miteinander ins Gespräch. Es sind acht Abende. Im Vorfeld schaut man sich die Videos zu Hause an, wann immer man Zeit hat. Danach trifft man sich für eine Stunde, nicht länger." Das Angebot wurde mit der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens entwickelt.
Andere Formate auf der Seite "Ateliers des Glaubens", die unter anderen von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt wird, setzen auf bekannte Medien wie die TV-Serie "The Chosen". "Da steht Jesus voll im Mittelpunkt", so Svenja Neumann. "Man schaut sich gemeinsam eine Folge an und danach kommt man über die Themen der Folge ins Gespräch." Zu jeder Episode existieren passende Gesprächsimpulse.
Die meisten Angebote sind für "analoge" Treffen vor Ort gedacht. "Es gibt aber auch digitale Angebote, beziehungsweise Angebote, die sowohl digital als auch analog funktionieren", so die Referentin. Besonders gut digital lässt sich zum Beispiel das Format LUV umsetzen. "Das ist ein Angebot für Menschen, die mit dem christlichen Glauben noch gar nichts zu tun hatten. Dort schaut man danach, wo es Spuren Gottes im eigenen Leben geben könnte." Der Workshop umfasst sechs bis sieben Einheiten von jeweils etwa zwei Stunden und arbeitet stark mit Bildern und ästhetischen Zugängen.
Nicht alles in den "Ateliers des Glaubens" ist kostenlos. Vieles sei ohne Kosten zum Download verfügbar, so die Referentin, Bücher müssen dagegen angeschafft werden. "Die Seite ist für alle Kursanbietende gedacht - in der Gemeinde, im Freundeskreis oder auch in einer Einrichtung", sagt Svenja Neumann. Aber auch, wer selbst nach Glaubensimpulsen sucht, kann dort fündig werden, indirekt zumindest: "Wir werden Buchvorschläge haben, Links zu Podcasts und zu guten Einstiegsangeboten über den christlichen Glauben."
Auslöser für diese Initiative sei ein spürbarer Wandel in den Gemeinden gewesen, so Svenja Neumann. Der Wunsch, Glaubensfragen wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen, sei ausschlaggebend gewesen. "Es scheint in vielen Gemeinden eine Sehnsucht zu geben, wieder stärker inhaltlich zu arbeiten und nicht nur über Strukturen, Gebäude oder Finanzen zu sprechen. Diese Sehnsucht ist gewachsen."


