Spiritus

Spiritus: geistvoll in die Woche

2020 = übles Weihnachten

2020 = übles Weihnachten
Es gibt so Momente im Kirchenjahr, die erfüllen mich mit einer Art "Stolz“ Christin zu sein, vielleicht ist "Stolz“ nicht das richtige Wort, vielleicht passt "Zufriedenheit“ oder "Identifikation“ besser.

Weihnachten ist jedenfalls ein solcher Moment, weil ich finde, nur Kirche kann Weihnachten. Klar schmücken manche Innenstädte toll und auch die Dekoration in Privatwohnungen hilft dem Weihnachtsfeeling, aber niemand kann es m.E. so toll, wie eben die Kirche: Die Lieder klingen auf der gewaltigen Orgel mit Gemeindegesang am besten, bzw. am vertrautesten. Kein Weihnachtsbaum im ganzen Dorf ist so imposant wie der in der Kirche und nirgendwo kommen am Heiligen Abend so viele Menschen zusammen, wie im Gottesdienst. Auch das Glockengeläut nach dem Gottesdienst, während mensch durch die Kälte nach Hause läuft, ist Weihnachten. Schnee könnte der Kirche noch Konkurrenz machen, aber wie es aussieht, hat der Mensch in unseren Breitengraden schon dafür gesorgt, dass es keinen Schnee mehr gibt. Deshalb gibt es nichts anders, was Himmel und Erde für mich so sichtbar verbinden kann wie die weihnachtlichen Rituale der Kirche.

Das meinte ich Eingangs also mit "Stolz." Das ist ein Tag im Jahr, welcher für mich der Kirche gehört, sie macht es eben am besten. Seit Jahren pöbeln die Medien im Nachgang, wie oll die Predigten waren, aber letztlich kommen doch viele Menschen jedes Jahr wieder. Es ist eben mehr: An Weihnachten spürt mensch, wie kraftvoll Evangelium, Tradition und Christentum sein kann und ich bin an dem Tag immer "stolz" dazuzugehören. Teil von etwas zu sein, das nicht einfach nur glitzert, sondern es in mir funkeln lässt.

Dann aber kam das Jahr 2020 und damit auch Corona. An so vielen Orten wurden Präsenzgottesdienste abgesagt, auch in meiner Gemeinde. Da, wo sie stattfanden, waren sie nicht das, was traditionell bekannt ist. Und auch wenn viele gesagt haben, wir werden einen anderen Weg finden, blablabla, haben wir das für mich nicht. Auch ich habe Onlineangebote produziert, aber zu jeder Zeit in dem Wissen, es sind Notlösungen. Es ist nicht das Weihnachten, das mich "stolz" macht, mich aufrichtet und mich dann wieder 364 Tage lang trägt.

Es gab tolle digitale Angebote und merkwürdige, gar keine Frage. Aber für mich blieben es in jedem Fall Notlösungen. Denn auch wenn ich Schnee im Fernsehen sehe, fühle ich nicht, dass es schneit. Das ist bei anderen Menschen anders, aber für mich ist das so. Weihnachten ist deshalb in diesem Jahr für mich ausgefallen, irgendwie zumindest. Es hat geglitzert, aber in mir hat es nicht gefunkelt. Und das ist scheiße. Ich kann damit leben, ich werde mich aufs nächste Jahr freuen, aber dieses Jahr wird mir keiner wiedergeben können.

Mir fehlte das gewaltige Happening, an dem die Kraft und Größe des Christentums und der Kirche zum Ausdruck kommen. Außerdem fehlte mir das Gefühl, Teil davon zu sein. Das kann man nicht einfach schönreden oder wegwischen. Corona hat mir Weihnachten geklaut.

 

 

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