Nach zehn Jahren Bauzeit durch die Bonner Orgelbaufirma Klais (eine längere Pause wegen Geldmangels inbegriffen) wurde sie nun endlich vollständig eröffnet: die neue „Hyper-Orgel“ der Musikhochschule Würzburg. Ein Teil war schon lange in Betrieb, doch für die letzten Register hatte das Geld gefehlt, da es in die Renovierung des großen Saals floss, der die Orgel beherbergt.
Mit einer klassischen Dorfkirchenorgel hat dieses Wunderwerk der Technik nicht mehr allzu viel zu tun. Gut, es gibt einen Spieltisch (riesig), Pfeifen (sehr viele) und das Ding funktioniert mit Luft. Da hört es aber auch schon auf. Denn: Diese Orgel ist vollständig elektronisch gesteuert. Über eine MIDI-Schnittstelle können Computer angeschlossen werden. Sie kann von nahezu beliebigen Spieltischen mit entsprechendem Anschluss gespielt werden, sogar übers Internet. Praktisch für eine Musikhochschule: So können hochkarätige Dozent:innen und Künstler:innen ohne teure und beschwerliche Anreise Kurse geben. Sie bleiben einfach daheim und spielen von dort aus. Zur Eröffnung am 30. Januar spielten mehrere Künstler von verschiedenen Orten übers Internet, unter anderem Hans-Bernhard Ruß von der Augustinerkirche aus.
Genauso können aber auch mehrere Studierende an verschiedenen Spieltischen sitzen und gemeinsam musizieren, bis zu fünf sind gleichzeitig möglich. Die in der Hochschule sind sogar mit einer speziellen Anschlagtechnik versehen, sodass sich der Klang der Orgel verändert, je nachdem, wie stark man auf die Tasten haut. Proportionaltraktur nennt sich das. Fühlt sich an wie eine klassische mechanische Orgel, wird aber über spezielle Proportionalmagnete gewährleistet, die weltweit nur bei einer einzigen Firma in Italien erhältlich sind.
Da alles elektronisch gesteuert ist, ist es auch möglich, den Klang verschiedenster Orgeln von der Frühzeit bis zur Moderne nachzubilden – ein Traum für die Ausbildung an einer Musikhochschule. Ungefähr 30 verschiedene Klangstile sind möglich, darunter der Klang der Orgel, die Johann Friedrich Wender im Jahre 1703 in Arnstadt vollendete und an der ein gewisser Johann Sebastian Bach seine erste Organistenstelle antrat.
Etwa 20 „Hyper-Orgeln“ gibt es weltweit, die mehr oder weniger miteinander vernetzt werden können. Die in Würzburg ist aber nun wirklich auf dem allerneuesten technischen Stand. Vielleicht gibt es in naher Zukunft hier weltweit vernetzte Konzerte verschiedener Künstler:innen? Eine spannende Sache.
Bleibt zu hoffen, dass von dieser Orgel aus nun eine Schar hervorragend ausgebildeter Organist:innen in unsere Kirchen landauf, landab strömt. Und dass sie von den Möglichkeiten, die die jeweiligen Orgeln dort bieten, nicht allzu enttäuscht sind.


