Erzwungener Rücktritt

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Foto: Kerstin Söderblom

Erzwungener Rücktritt
Die Theologin Mpho Tutu-van Furth ist einem Amtsenthebensverfahren der Anglikanischen Kirche in Südafrika zuvorgekommen und hat ihr Priesteramt zurückgegeben.

Vor einigen Monaten habe ich von der Heirat von Mpho Tutu, der Tochter des ehemaligen Erzbischofs von Kapstadt Desmond Tutu, und ihrer langjährigen Partnerin Marceline van Furth berichtet. Die kirchenrechtlichen Konsequenzen haben nicht lange auf sich warten lassen. Raphael Hess, Bischof der Diözese von Saldana Bay der Anglikanischen Kirche von Südafrika, wurde angewiesen, Mpho Tutu-van Furth ihre Priesterlizenz zu entziehen. Denn die Anglikanische Kirche von Südafrika erkennt die Homoehe nicht an.

Mpho Tutu-van Furth ist ihrer Kirche nun zuvorgekommen und hat im Mai 2016 ihr Priesteramt in der anglikanischen Kirche Südafrikas zurückgegeben. Mit ihrem Rückzug komme sie einem Rausschmiss zuvor. 

Die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren ist in Südafrika seit 2006 zwar legal. Allerdings ist sie das für die Anglikanische Kirche in Südafrika nicht. Gleichgeschlechtliche Ehen werden nicht akzeptiert. Das Thema der gleichgeschlechtlichen Ehe ist in der Anglikanischen Kirche weltweit ein kontroverses und emotional hoch aufgeladenes Thema. Sogar eine Kirchenspaltung droht.

Die prominente Ehe zwischen der Tochter des beliebten ehemalige Erzbischofs von Kapstadt Desmond Tutu und der niederländischen Professorin für Infektionskrankheiten in Amsterdam hat weltweit für Aufsehen gesorgt und bringt den Streit innerhalb der Anglikanischen Kirche erneut auf den Tisch. Die Ehe der beiden ist juristisch legal in der niederländischen Heimat von Marceline van Furth geschlossen worden. Desmond Tutu hat dem Paar seinen väterlichen Segen gegeben. Mehr war ihm nicht erlaubt.

Mpho Tutu-van Furth hat die ganze Angelegenheit so kommentiert: Es sei schon ironisch, dass ihnen trotz ihrer augenfälligen Unterschiede von Hautfarbe, Herkunft, Kultur und Religiosität ihr gleiches Geschlecht vorgeworfen werde. Sie selbst habe in Südafrika noch Zeiten erlebt, in denen Unterschiede das Instrument von Unrecht und Apartheid waren. Nun sei ausgerechnet ihre Gleichheit der Grund von Ungerechtigkeit, da sie beide Frauen seien.

Tutu-van Furth betonte, dass sie trotz ihres Rücktritts immer noch Priesterin der Episkopalkirche in den USA sei. Dort wird die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt. Deswegen wurde die Episkopalkirche der USA von der weltweiten Anglikanischen Kirche kritisiert. Sie verlor ihr Stimmrecht in den internationalen Gremien der Anglikanischen Kirche. Ich habe darüber in meinem Blogeintrag "Streit in der Anglikanischen Kirche" berichtet.

Mpho Tutu-van Furth arbeitet als Geschäftsführerin der Desmond & Leah Tutu Legacy Foundation. Sie kämpft weiterhin gegen Rassismus und gegen jede Form von Diskriminierung. Wie notwendig diese Arbeit ist, hat sie schon mehrfach am eigenen Leib erfahren. Als Schwarze, als Frau und nun als verheiratete lesbische Frau. Der Streit um die Homoehe ist damit in der weltweiten Anglikanischen Kirche noch lange nicht vom Tisch. Aber die Anglikanische Kirche ist um ein prominentes Beispiel von Diskriminierung reicher.

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