TV-Tipp: "Aenne Burda – die Wirtschaftswunderfrau"

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13. Februar, 3sat, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Aenne Burda – die Wirtschaftswunderfrau"
Das Leben der legendären Verlegerin bietet idealen Stoff für einen Film. Allerdings hat der Zweiteiler besonders im ersten Teil erhebliche Längen. Auch die Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel wirkt in ihrer Rolle nicht immer ganz überzeugend.

Eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzt, und das zudem in einer Zeit des Aufbruchs: erstaunlich, dass die Geschichte von Aenne Burda nicht schon längst verfilmt worden ist. Als wär’s eine Erfindung des Drehbuchs, war der erste Schritt zu ihrem Aufstieg im Jahr 1949 ausgerechnet ein Fehltritt ihres Gatten.

Der Film greift dafür auf ein beliebtes Muster zurück: Er vergisst die Brieftasche, sie fährt ihm nach, ertappt ihn mit einer Anderen und erkennt schockiert, dass er eine zweite Familie hat. Eine weitere Entdeckung empört sie jedoch ungleich mehr: Schon vor Jahren hat Anna (Katharina Wackernagel) – Aenne nennt sie sich erst später – ein Konzept für eine Modezeitschrift entworfen. Nun muss sie feststellen, dass Ehemann Franz (Fritz Karl), einer der erfolgreichsten Medienunternehmer der Nachkriegszeit, nicht nur bereits seit 1947 die Lizenz für ein solches Magazin besitzt; er finanziert seiner Geliebten Elfriede (Cornelia Gröschel) auch einen kleinen Verlag für die Zeitschrift "Elfi-Moden".

Die zornige Anna wagt nun einen unerhörten Schritt: Sie droht Franz mit der Scheidung und zwingt ihn, ihr den Verlag zu überschreiben. Der Gatte willigt ein, aber der Erfolg ist buchstäblich teuer erkauft, denn zum Unternehmen gehören Verbindlichkeiten in Höhe von 200.000 Mark; eine für damalige Verhältnisse ungeheure Summe.

Das ist ein dankbarer Spielfilmstoff, keine Frage, aber dennoch wirkt der aufwändige Zweiteiler, als habe die Handlung nicht für 180 Minuten gereicht. Würde man "Aenne Burda" (TV-Premiere war 2018) um all’ jene Szenen kürzen, die nichts zur Geschichte beitragen, wäre das Ergebnis vermutlich ein spannender zweistündiger Fernsehfilm. Zu den überflüssigen Szenen gehören zum Beispiel die ständigen Autofahrten, die Anna Burda gerade im ersten Teil unternimmt, auch wenn es Wackernagel sicher Spaß gemacht hat, in dem extravaganten schwarzroten Käfer-Cabrio aus der Hebmüller-Serie unterwegs zu sein; vorausgesetzt, sie ist überhaupt selbst gefahren.

Inhaltlich stimmig, aber in der Umsetzung nicht überzeugend ist auch ein Gespräch zwischen Burdas Faustballkumpanen, die sich darüber wundern, dass ihr Mitspieler seiner Frau derartige Alleingänge erlaubt. Deutlich unsympathischer sind allerdings die Ehefrauen, die sich über Anna das Maul zerreißen. Beide Szenen verdeutlichen natürlich den Geist einer Zeit, in der sich der Status eines Mannes auch darin zeigte, dass die Gattin nicht arbeiten musste; ohne seine Erlaubnis durften Frauen nicht mal ein eigenes Konto eröffnen.

Ungleich gelungener sind trotzdem jene Momente, die Anna Burda als unabhängige "Selfmade"-Frau feiern, weil sie sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt und ihren Schmuck versetzt, um ihre Angestellten bezahlen zu können (Buch: Regine Bielefeldt). Nicht weniger bewundernswert ist ihre unerschütterliche Überzeugung, dass sich ihre Zeitgenossinnen nach Sinnlichkeit und Eleganz sehnen.

Katharina Wackernagel ist eine treffende Besetzung für die Verlegerin, vermittelt aber zu oft das Gefühl, die Rolle nicht verinnerlicht, sondern wie ein Kostüm übergestreift zu haben; viele Dialoge klingen deklamiert. Sehenswert ist allerdings die oftmals opulent wirkende Bildgestaltung (Kamera: Bella Halben). Das dank der diversen Modenschauen überaus vielfältige Kostümbild (Katharina Ost) und die Ausstattung (Knut Loewe) sind sehr eindrucksvoll, selbst wenn Regisseurin Francis Meletzky die entsprechende Sorgfalt mitunter allzu gebührend würdigt.

Trotzdem bleibt als Manko, dass neben dem Tempo auch ein gewisser Biss fehlt. Natürlich ist "Aenne Burda" weder ein Krimi wie Meletzkys ausgezeichneter Doppel-"Tatort" über Zwangsprostitution ("Wegwerfmächen"/"Das goldene Band", NDR 2012) noch ein Drama wie "Nur eine Handvoll Leben" (2016) über eine Mutter, deren Kind einen schweren Gen-Defekt hat.

Dennoch wirkt "Aenne Burda" gerade im ersten Teil über weite Strecken wie einer jener öffentlich-rechtlichen Themenfilme, in denen Beiläufigkeit verpönt zu sein scheint. Teil zwei ist deutlich dichter erzählt und entsprechend kurzweiliger. Aennes ausführlicher Ausflug nach Sizilien, wo sie sich in einen Italiener verliebt, wirkt allerdings, als habe man bei der Drehbuchbesprechung festgestellt, es müsse dringend noch etwas Herz in die Geschichte. Gewitzte Einstellungen wie jene, als sich Franz in einem Foto seiner Frau spiegelt, sind ohnehin äußerst rar, und das, obwohl die Heldin rät: "Ein bisschen Raffinesse kann nicht schaden." Den zweiten Teil zeigt 3sat nächsten Freitag.