Ab nach Kambodscha - Wie Australien Asylbewerber entsorgt

aktuell Wenn es um Asyl geht, bildet Australien eine ähnliche Festung wie Europa. Bootsflüchtlinge werden in ärmere Länder wie Papua-Neuguinea, Nauru oder Kambodscha geschickt. Manche Flüchtlinge protestieren aus Angst mit Selbstverstümmelung.

Streit ums Sexgewerbe: verbieten oder organisieren?

aktuell Kirchliche Verbände und radikale Feministinnen möchten Prostitution am liebsten verbieten. Doch auf dem Sexarbeitskongress in Berlin wurde deutlich: Diese radikale Forderung geht weit an der Realität vieler Sexarbeiterinnen vorbei.

"Das sind nicht nur Fremde, das sind Brüder und Schwestern"

aktuell Von den Berichten über Misshandlungen in der Burbacher Flüchtlingsunterkunft sind auch die Christen in dem Ort kalt erwischt worden. Jetzt geht es vor allem darum, Vertrauen herzustellen, sagt Pfarrerin Daniela Walter.

Wittgenstein: Kirche fährt zu den Menschen

aktuell "Jetzt erst recht! Gute Gemeine Ideen": Im Eder- und Elsofftal in Wittgnstein (Westfalen) dreht sich die Kirchengemeinde nicht um sich selbst, sondern kümmert sich um die Menschen und deren Bedürfnisse.

Nach der Flucht: Zerrissen zwischen Schmerz und Erleichterung

aktuell Wer es bis hierher schafft, ist erst einmal sicher. Doch die Nahost-Flüchtlinge quält das erlebte Leid, die Trennung von Angehörigen, die ungewisse Zukunft. Der überforderte Staat bietet kaum Hilfen - und auch die Seelsorge stößt an ihre Grenzen.

Schwerpunkte

Krieg, Verfolgung, Lebensgefahr: Zurzeit sind weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie verlassen ihre Heimat in Syrien, Irak, Nordafrika, Afghanistan oder Osteuropa und fliehen in Länder, in denen sie…

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Die radikal- islamische Terror-Organisation IS vertreibt Christen und Jesiden aus ihrer Heimat im Nordirak. Was soll und kann die Weltgemeinschaft tun, um ihnen zu helfen?

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Wenn ein Mensch selbstbestimmt sterben will, darf ein anderer ihm dabei helfen. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar. Die Union will jegliche organisierte Hilfe zum Suizid verbieten. Die EKD sagt, man müsse Menschen zum Leben…

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"Jetzt erst recht!"

Die evangelische Kirche schrumpft. Mitglieder und Geld werden weniger. Was bedeutet das für die Gemeinden? Viele sagen: "Jetzt erst recht!" Sie haben spannende Ideen und gestalten ihr Gemeindeleben mit Freude. Einige dieser Gemeinden hat evangelisch.de im Frühjahr und Spätsommer 2014 besucht.

Kurzmeldungen

TV-Tipp

TV-Tipp des Tages: "Die Auserwählten" (ARD)

TV-Tipp des Tages: "Die Auserwählten", 1. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten

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Ende der 1970er-Jahre. Begeistert tritt die 29-jährige Petra Grust ihre Stelle als Biologielehrerin an der Odenwaldschule (OSO) an, der legendären Vorzeigeeinrichtung der Reformpädagogik. Das Vertrauen des charismatischen Schulleiters Simon Pistorius ehrt sie. Doch plötzlich wird der Internatsalltag zunehmend irritierender.
01.10.2014 | von Tilmann P. Gangloff

Wann immer es um Gewalt gegen Kinder oder um pädophilen Missbrauch geht, sind die Bilder eine Gratwanderung. Für Regisseure ist die Frage, wie sie das Grauen inszenieren sollen, eine echte Zwickmühle: Einerseits dürfen die Ereignisse keinesfalls verharmlost werden, andererseits will sich niemand Voyeurismus vorwerfen lassen; und schließlich spielt bei einem Fernsehfilm, der um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden soll, auch der Jugendschutz eine große Rolle. Dror Zahavi hat sich bei seinem Drama über die Misshandlungen von Heimkindern in den Sechzigerjahren ("Und alle haben geschwiegen") für eine Bildgestaltung entschieden, die perfekt die düstere Atmosphäre dieser Einrichtung einfing. Christoph Röhl und sein Kameramann Peter Steuger haben einen völlig anderen Weg gewählt: Mit seinem Sonnenlicht und den fröhlichen Farben wirkt "Die Auserwählten" wie ein heiterer Familienfilm. Die entsprechende Atmosphäre passt nicht nur zu der Zeit, in der sich der größte Teil der Handlung zuträgt, sondern auch zu dem ausgezeichneten Ruf, den die Odenwaldschule im hessischen Heppenheim jahrzehntelang genoss. Gerade in den Siebzigerjahren galt die Eliteeinrichtung als Vorbild für die Reformpädagogik. Steugers Bilder zeigen eine sympathische Architektur in märchenhaft schöner Landschaft. Nichts an dieser fantastischen Fassade deutet darauf hin, welches Grauen die Zöglinge hier viele Jahre lang erdulden mussten; bis heute sind über 130 Fälle systematischen Missbrauchs bekannt.

Niemand schenkt ihr Glauben

Jede Handlung steht und fällt mir ihrer Hauptfigur, aber für solche Geschichten gilt das natürlich erst recht. Das Autoren- und Ehepaar Sylvia Leuker und Benedikt Röskau ("Contergan") hatte einen in seiner Schlichtheit brillanten Einfall: Sie schildern die fiktional verdichteten Ereignisse aus Sicht einer engagierten jungen Lehrerin. Petra (Julia Jentsch) kommt Ende der Siebziger an die Schule und ist angesichts der lockeren Sitten zunächst befremdet; alle duzen sich, Drogen und Alkohol gehören zum Alltag, und niemand stört sich daran, dass ein Kollege ein Verhältnis mit einer Schülerin hat. Zwar benehmen sich einige Kinder auffällig, doch der charismatische Schulleiter Pistorius lächelt alle schüchternen Einwände weg. Schließlich wird Petra klar, dass er die Jungs regelmäßig missbraucht, aber ganz gleich, an wen sie sich wendet: Niemand schenkt ihr Glauben; und Pistorius hat mächtige Freunde. Hinzu kommt der Zeitgeist der Siebziger: Natürlich gibt es Menschen, die Petras Vorwürfe ignorieren, weil nicht sein kann, was nicht sein darf; aber andere wollen schlicht vermeiden, als rückständig zu gelten.

Julia Jentsch konnte im Grunde nicht viel falsch machen: Petra ist jung, hübsch, sympathisch und anfangs ein bisschen naiv; eine ideale Identifikationsfigur, die Regisseur Röhl mit Alice im Wunderland vergleicht. Umso wichtiger war die Besetzung des Schulleiters, und wenn man erst mal Ulrich Tukur in dieser Rolle gesehen hat, kann man sich keinen anderen mehr vorstellen: weil er den Menschenfänger, der seine Umgebung mit Charme und Chuzpe manipuliert, ebenso großartig verkörpert wie den Unhold, der sich an wehrlosen Kindern vergreift. Gleichzeitig vermeiden es Leuker und Röskau geschickt, Pistorius zu einem Monster zu machen, von dem man sich leicht distanzieren kann. Der Film spielt zwar an der Odenwaldschule (und ist auch dort gedreht worden), doch die Einrichtung soll exemplarisch für alle anderen stehen, die sich bis heute nicht oder zu wenig mit den Vorfällen sexueller Gewalt auseinander gesetzt haben. Missbrauch, informiert eine Schrifttafel am Ende, verjährt; "nicht jedoch für die Betroffenen."

Autor

Tilmann P. Gangloff

Tilmann P. Gangloff

ist Diplom-Journalist und freiberuflicher Medienkritiker.

Eine ganz besondere Herausforderung dürften die Szenen mit den Jugendlichen gewesen sein, aber Röhl, der vor 25 Jahren als Tutor an der Odenwaldschule beschäftigt war und 2011 bereits einen Dokumentarfilm über die Missbrauchsfälle gedreht hat ("Und wir sind nicht die Einzigen"), führt sie ganz großartig; das gilt vor allem für Leon Seidel, der sich neben den Profis Tukur und Jentsch ganz ausgezeichnet hält. Ein kleiner genialer Moment ist der Übergang von der Gegenwart des Jahres 2010, als ehemalige Schüler auf ihr Schicksal hinweisen, in die Handlungszeit des Films: Petra (Johanna Gastdorf) erinnert sich an ihre Zeit als Lehrerin und nimmt die Züge ihres jüngeren Alter ego an.

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