Eine Auseinandersetzung zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. zum Iran-Krieg, den das Kirchenoberhaupt verurteilt, schlägt Wellen. Der Streit hat in den USA eine alte Debatte belebt: Sind Amerikaner wirklich überzeugt, dass Gott auf ihrer Seite steht, wie Songwriter Bob Dylan Mitte der 1960er Jahre in seinem bitteren Lied "With God on Our Side" schrieb? Dylan textete über Kriege gegen Ureinwohner bis zur Rüstung für den Atomkrieg gegen die Sowjets.
Die USA sind nicht allein mit der These göttlichen Beistands auf dem Schlachtfeld. Feldherren weltweit berufen sich seit Jahrhunderten auf göttliche Vorsehung. Die christliche Religion ist indes eng verflochten mit dem amerikanischen Experiment als gesegnete "leuchtende Stadt" auf dem Berg und der Rolle der USA als Ordnungshüter. Evangelist Billy Graham predigte im Vietnamkrieg zu Soldaten, die "dem Tod ins Gesicht sehen zum Wohl ihres Landes und der Freiheit". Kardinal Francis Spellman sagte 1965 der "New York Times", er unterstütze den Krieg voll und ganz.
Laut dem Forschungsinstitut "Pew Research Center" ist der Anteil der Christen an der US-Bevölkerung seit 2007 von 78 Prozent auf etwa 62 Prozent zurückgegangen. Doch republikanische Politiker punkten mit Jesus-Rhetorik. Rund 80 Prozent der weißen Evangelikalen sowie die Mehrheit der Protestanten und Katholiken stimmten für Trump.
Nicht alle sind entrüstet
Kritiker reagierten entsetzt auf das vermutlich KI-geschaffene und inzwischen gelöschte Bild auf Trumps Plattform Truth Social vom Präsidenten als heilender Jesus-Figur: Das sei Blasphemie. Doch Truth Social spricht zu den Menschen der Trump-Welt.
Und die sind nicht alle entrüstet. Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, der republikanische Abgeordneten Mike Johnson, sagte, das Bild sei nicht gotteslästerlich gemeint gewesen. Der Papst müsse mit einer "politischen Antwort" rechnen, wenn er sich politisch äußert, äußerte er gegenüber der Presse. Es gebe die Theologie von einem gerechten Krieg.
Das Image von Trump als Politiker unter göttlichem Schutz kursiert spätestens seit dem Attentatsversuch auf ihn im Sommer 2024. Am Mittwoch teilte Trump den Post eines Nutzers: Ein weißer Jesus mit langem Haar und Vollbart legt Trump die Hand auf die Schulter.
Antikriegsbewegung nicht in Sicht
Baptistenprediger Franklin Graham, Sohn des 2018 verstorbenen Billy Graham, empörte sich nicht über Trumps Drohungen, den Iran zu zerstören. Er sei manchmal nicht einverstanden mit Trumps Wortwahl, sagte Graham im "Charlotte Observer", einer Zeitung seines Heimatstaats North Carolina. Doch der Präsident schütze die Welt "von einer sehr ernsten nuklearen Bedrohung".
Für die römisch-katholischen Bischöfe der USA ist der Umgang mit Trump schwierig. Sie schätzen den Präsidenten wegen seiner Haltung gegen Abtreibung und zu anderen sozialen Fragen. Papst Leo hat zur Kriegsfrage jedoch klare Worte gesprochen. Militärerzbischof Timothy Broglio erklärte kürzlich im CBS-Fernsehen, es sei schwierig, den Krieg als "etwas darzustellen, das von unserem Herrn unterstützt wird".
Die US-Amerikaner insgesamt sehen Meinungsumfragen zufolge den Krieg skeptisch. Auch die leitenden Bischöfe der Evangelischen Lutherischen Kirche in Amerika und der Episkopalkirche äußerten sich kritisch. Eine Antikriegsbewegung ist allerdings nicht in Sicht. Relativ neu ist die Idee eines "christlichen Nationalismus", die sich aufseiten der religiösen Kriegsbefürworter ausbreitet.
Dem Begriff liegt die Auffassung zugrunde, die USA seien als christliche Nation gegründet worden und müssten entsprechend regiert werden. Kriegsminister Pete Hegseth hat Amerikaner aufgefordert, "im Namen Jesu Christi" für den Sieg zu beten. Laut einer Erhebung des "Public Religion Research Institute", zählt die Mehrheit der Republikaner zu den Anhängern oder Sympathisanten des "christlichen Nationalismus". Die Nation ist geteilt, auch die Christen.



