Synodaler Weg als "letzte Chance"

Logo des Reformprozesses "Der Synodale Weg"

© epd-bild/Meike Boeschemeyer

Auf dem Logo des Reformprozesses "Der Synodale Weg" ist der Umriss eines Kreuzes in Regenbogenfarben zu sehen. Bei der kommenden, dritten Synodalversammlung der Katholiken geht es um Frauenrechte in der katholischen Kirche und den Umgang mit Homosexualität.

Katholischer Reformprozess
Synodaler Weg als "letzte Chance"
Der Synodale Weg ist für viele Katholiken, die sich Reformen wünschen, die letzte Hoffnung auf Veränderung. In Frankfurt tagt ab Donnerstag zum dritten Mal die Synodalversammlung. Es geht um die Rechte von Frauen und den Umgang mit Homosexualität.

Es geht um den Zugang für Frauen zu sakralen Ämtern, Homosexualität und den Zölibat: Von Donnerstag an kommen wieder die 230 Delegierten des katholischen Reformprozesses Synodaler Weg in Frankfurt am Main zusammen, um über Reformen abzustimmen. Unter strengen Hygienevorschriften treffen sich Bischöfe, Kleriker, kirchliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche im Kongresszentrum an der Frankfurter Messe. Am Mittwoch gab es eindringliche Mahnungen von katholischen Verbänden, Reformgruppen und Initiativen, dass kaum noch Zeit für Änderungen bleibe.

Überschattet wird die dritte Synodalversammlung von der Veröffentlichung eines unabhängigen Gutachtens zu Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum München und Freising, das ranghohen Klerikern moralisches Führungsversagen im Umgang mit Missbrauchstätern und -opfern nachweist. Schwer belastet wird darin auch der frühere Münchner Erzbischof und heutige emeritierte Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger.

Hinzu kommt die Kampagne von rund 125 kirchlichen Mitarbeiten der Initiative "OutinChurch". Sie hatten sich vergangene Woche als queer geoutet. Mit-Initiator Jens Ehebrecht-Zumsande wiederholte am Mittwoch die Forderung, das kirchliche Dienstrecht so zu ändern, dass die Sexualität oder die Geschlechtsidentität einer Anstellung bei der Kirche nicht mehr im Wege steht. Er sagte: "Wir haben einen sehr langen Atem."

Bewegung neue Schubkraft verleihen

Für die Sprecherin der bayerischen Initiative "Sauerteig", Irene Krapf, ist der Synodale Weg die letzte Chance für eine Wende. "Es gibt noch Menschen wie wir, die bereit sind für eine Erneuerung", sagte sie. Die Initiative setzt sich für die Belange von Betroffenen sexualisierter Gewalt ein und fordert eine transparente Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche.

Auch der Bundessprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner, betonte, der Synodale Weg sei an einem Wendepunkt. Es gehe nun darum, dem Prozess "neue Schubkraft" zu verleihen. Immer noch gebe es Bischöfe, die die Notwendigkeit von Reformen nicht erkennen würden. Er forderte zudem ein Sofortprogramm. "Was kirchenrechtlich schon jetzt möglich ist, muss unverzüglich in den Diözesen angegangen und umgesetzt werden." Die Bischöfe dürften nicht bis zum Abschluss des Synodalen Weges warten.

Der Synodale Weg ist ein innerkatholischer Reformdialog, der 2019 von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, der größten katholischen Laienvertretung, verabredet wurde. Er hat das Ziel, Missstände zu bekämpfen, die der Missbrauchsskandal an die Öffentlichkeit gebracht hat. Die letzte Versammlung findet 2023 statt.

Reformen soll es bei der Macht- und Gewaltenteilung, dem priesterlichen Leben, der katholischen Sexualmoral und der Rolle der Frau geben. Bei der dritten Synodalversammlung, die bis Samstag tagt, werden beispielsweise Reformvorschläge zu der Einbeziehung von Laien in die Leitung eines Bistums und zum Zugang für Frauen zu sakralen Ämtern diskutiert.

Der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke nannte den Synodalen Weg eine "große Täuschungsaktion" gegenüber den Gläubigen an der Kirchenbasis. Dort würden Dokumente als Entscheidungen verkauft, die bloß ein unverbindliches Äußern von Meinungen und Bitten seien, sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (online). "Die Chance für hoffnungsvolle Zeichen halte ich momentan für sehr gering."

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