Zum Friedensdienst nach Israel

Freiwilliges Soziales Jahr in Israel  2021 wieder möglich

© epd-bild/Thomas Lohnes

: Im September 2021 werden sieben junge Menschen ihren Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) beim ökumenischen Friedensdienst im Nahen Osten beginnen.

Freiwilliges Soziales Jahr
Zum Friedensdienst nach Israel
Kaum sonst wo treffen unterschiedliche Religionen so aufeinander wie in Israel. Bomben und Raketenangriffe haben zuletzt wieder gezeigt, wie brüchig der Frieden im Nahen Osten ist. Deutsche Freiwillige zieht es dennoch ins Heilige Land.

Der kulturelle Schmelztiegel Israel fasziniert. "Es gibt einen regelrechten Run auf Israel", sagte Vincent Berger von der evangelischen Landeskirche Baden in Karlsruhe dem Evangelischen Pressedienst. Wegen der Corona-Pandemie würden keine Freiwilligen mehr nach Lateinamerika entsendet, somit habe das Interesse an einem Dienst in Israel/Palästina noch einmal zugelegt.

Der Referent für den freiwilligen, ökumenischen Friedensdienst bereitet - nach der Corona bedingten Pause im Jahr 2020 - aktuell sieben junge Menscen auf ihren Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) im Nahen Osten vor. Ab September werden sie in Behinderteneinrichtungen, bei der Bildungsarbeit sowie im Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaften im Heiligen Land (DEIAHL) in Jerusalem - einer Forschungsstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) - mithelfen.

Viele junge Menschen reize es, auf christlich-jüdische Spurensuche zu gehen. Andere wollten sich gezielt mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen, beobachtet Berger.

Begegnung mit Holocaust-Überlebenden

Die 20-jährige Charlotte Dörflinger aus Karlsruhe etwa will ab September neben ihrer Arbeit mit Menschen mit Behinderung regelmäßig Holocaust-Betroffene aufsuchen. Die Abiturientin hat die geteilte Stelle bewusst gewählt. Ihre Hilfe im Alltag könnte auch für die Nachkommen von Holocaust-Opfern ein "Zeichen von deutschen Freiwilligen sein, um am Ende des Lebens Frieden zu schließen", sagte sie.

Freiwillige aus Deutschland blicken auf Jerusalem.

Die versöhnende Kraft junger Freiwilliger kennt Sieglinde Stricker. Als Krankenschwester am katholischen St. Louis French Hospital in Jerusalem habe sie mehr als einmal beobachtet, wie bis dahin verschlossene Holocaust-Überlebende in Gegenwart junger Deutscher lächeln konnten, sagte sie kürzlich bei einem Vortrag des Deutsch-Israelischen Freundeskreises in Karlsruhe. "Plötzlich sprachen der Mann oder die Frau wieder ein paar Sätze auf Deutsch", berichtete sie von bewegenden, zwischenmenschlichen Begegnungen Hochbetagter mit Freiwilligen.

Abbau von Vorurteilen

Bei allen guten Absichten - der israelisch-palästinensische Konflikt ist eine Herausforderung für die Freiwilligen, weiß Vincent Berger. Völkerverständigung werde bei den Freiwilligen-Programmen in Israel großgeschrieben. "Wir wollen, dass junge, unbepackte Menschen eigene Eindrücke sammeln und zum Abbau von Vorurteilen beitragen", beschreibt Berger den Auftrag. Die Organisation positioniere sich nicht für oder gegen Juden, Christen, Araber.

Jugendliche Besucher in der Gedenkstaette Yad Vashem, der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust.

Sie gehe als Christin, ist sich Charlotte Dörflinger bewusst. Die religiöse Vielfalt, die jüdische Religion zumal, wolle sie kennenlernen. Die junge Freiwillige ist überzeugt, dass sich "Glaube nicht am sonntäglichen Gottesdienstbesuch" festmachen lasse, "sondern an der Grundeinstellung zu Menschen und Leben".

Verschiedenste Perspektiven

Mit der Haltung "Dienst an Menschen" zu leisten arbeitet Schwester Sieglinde seit nunmehr dreißig Jahren in dem christlichen und doch koscheren Krankenhaus an der Grenze zum Ostteil Jerusalems. "Die Sorge um die uns anvertrauten, schwer kranken Menschen lässt religiöse Unterschiede in den Hintergrund treten", sagt die Krankenschwester. Auf ihrer Station arbeiten Moslems, Christen und Juden zusammen.

Dass Versöhnung in Nah-Ost möglich ist, davon ist auch Mazen Abdallah überzeugt. Der in Kuweit aufgewachsene Mannheimer spürt seit einigen Jahren seinen palästinensischen Wurzeln nach. Versöhnung finde für ihn in Begegnung statt. Über seine Erfahrungen auf Reisen durch Israel und seine Vision von einem geeinten Land im Nahen Osten spricht er in einem Online-Vortrag am 13. Juli beim Deutsch-Israelischen Freundeskreis in Karlsruhe.

Die verschiedenen Perspektiven der Menschen in Israel kennen zu lernen, ist das Anliegen der Freiwilligen. Den Jahrhunderte alten Konflikt in einem Jahr lösen zu wollen, sollte sich realistischerweise keiner von ihnen vornehmen, sagt Vincent Berger. "Ich denke, der Konflikt ist nur aus der Bibel heraus zu verstehen", sagte Schwester Sieglinde. Menschenhand könne ihn ihrer Meinung nach nicht lösen.

Junge Menschen, die sich für einen Freiwilligendienst interessieren, finden auf dem Internet-Portal ein-jahr-freiwillig.de wertvolle Anregungen und Tipps sowie eine Stellenbörse für Freiwilligendienste im Umfeld der Evangelischen Kirche. Die Seite ist für die Handy-Nutzung optimiert.  

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