Volker Jung erhofft sich kräftige Impulse vom Kirchentag

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung

©epd-bild/Thomas Rohnke

Der leitende Theologe der hessen-nassauischen Gastgeberkirche, Volker Jung, erhofft sich Impulse vom ÖKT in Frankfurt.

Volker Jung erhofft sich kräftige Impulse vom Kirchentag
EKHN-Präsident: Absage des Ökumenischen Kirchentags wäre "Kapitulation" gewesen
Kein Abend der Begegnung, kein Markt der Möglichkeiten, keine überfüllten Messehallen - der 3. Ökumenische Kirchentag (13.-16. Mai) in Frankfurt am Main findet weitgehend digital und dezentral statt. Ihn ganz abzusagen, „wäre in mehrfacher Hinsicht eine Kapitulation vor großen Herausforderungen“ gewesen, sagte der leitende Theologe der hessen-nassauischen Gastgeberkirche, Volker Jung, in Darmstadt dem epd in einem Interview.

epd: Sehr geehrter Herr Kirchenpräsident Jung, warum hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) an der Austragung des ÖKT festgehalten?

Volker Jung: Der ÖKT ist ein wichtiges Forum für Kirche und die Gesellschaft. Gerade jetzt braucht es Gelegenheiten, um hochrelevante Themen zu diskutieren - wie etwa die Auswirkungen der Corona-Pandemie, den Klimawandel, nötige Transformation, Reformen in den Kirchen und den weiteren Weg der Ökumene. Und es gibt bei vielen den Wunsch nach seelischer Stärkung und geistlicher Orientierung. Wir wollen dazu die Möglichkeiten nutzen, die wir haben - und die sind nun zurzeit im Wesentlichen digital. Den Kirchentag nicht stattfinden zu lassen, wäre in mehrfacher Hinsicht eine Kapitulation vor den großen Herausforderungen gewesen. Leider war es auch nicht möglich, ihn zu verschieben.

Mit welchen Erwartungen sehen Sie dem ursprünglich so anders geplanten Event entgegen?

Jung: Durchaus mit gemischten Gefühlen. Ich hoffe sehr, dass sich viele auch im digitalen Format beteiligen und dass vom Ökumenischen Kirchentag trotzdem kräftige inhaltliche Impulse ausgehen.

Auf welche Veranstaltung freuen Sie sich besonders? An welcher werden Sie als Referent teilnehmen?

Jung: Ich freue mich besonders auf die Gottesdienste mit den Mahlfeiern am Abend des 15. Mai. Beim Podium "Im Gespräch mit" bin ich einer der Gesprächspartner, als Referent bin ich bei einer Vertiefungsveranstaltung zur digitalen Kirche dabei. Außerdem wirke ich im Schlussgottesdienst mit.

Am 15. Mai sind vier Gottesdienste mit Mahlfeiern geplant. Bei welchem Gottesdienst werden Sie mit dabei sein?

Jung: Beim evangelischen Gottesdienst auf dem Riedberg. Dort möchte ich auch gemeinsam mit dem katholischen Präsidenten des ÖKT, Thomas Sternberg, am Abendmahl teilnehmen.

Im Vorfeld des Kirchentages wurde heftig darüber gestritten, ob evangelische und katholische Christen gemeinsam an einer solchen Mahlfeier teilnehmen können. Wenn ja, auf welcher Grundlage können sie das tun? Werden Sie die Gläubigen in der EKHN extra dazu einladen?

"Vom ÖKT geht die Botschaft aus, dass die wechselseitige Teilnahme an den Mahlfeiern möglich ist"

Jung: Vom ÖKT geht die Botschaft aus, dass die wechselseitige Teilnahme an den Mahlfeiern möglich ist. So kann zum Beispiel eine evangelische Christin an der Eucharistie teilnehmen, ein katholischer Christ am Abendmahl. Grundlage ist die jeweils persönliche Gewissensentscheidung, ob ich glaube, dass Christus in der Mahlfeier gegenwärtig ist. Als Evangelische laden wir in Christi Namen zum Abendmahl ein, das wir feiern.

Ursprünglich hat der ÖKT mit einem Etat von rund 25 Millionen Euro geplant. Zuletzt war wegen der diversen Umplanungen noch von 20 Millionen Euro die Rede. Wird es bei dieser Summe bleiben? Wie hoch ist der Anteil der hessen-nassauischen Landeskirche?

Jung: Die EKHN hat für den ÖKT acht Millionen Euro bereitgestellt. Unsere Finanzzusage haben wir für den Kirchentag im digitalen Format auch erst einmal nicht verändert. Der ÖKT rechnet mit Ausgaben von weniger als 20 Millionen Euro und geht davon aus, dass nicht alle in Aussicht gestellten Mittel benötigt werden. Aber die Kosten für die digitale Umsetzung des Kirchentags sind nicht zu unterschätzen. Und auch, dass er quasi drei Mal neu geplant werden musste von analog auf hybrid und dann von einer hybriden Veranstaltung auf ein voll-digitales Format.

Nach 2003 in Berlin und 2010 in München findet 2021 zum dritten Mal ein Ökumenischer Kirchentag (ÖKT) statt. Schauplatz des christlichen Laientreffens vom 13. bis 16. Mai ist Frankfurt am Main, allerdings wird der Ökumenische Kirchentag erstmals in der Geschichte der Katholiken- und Kirchentage als hybride Veranstaltung abgehalten. Es wird kaum Programm vor Ort geben, stattdessen wird der ÖKT digital und dezentral organisiert. Am ersten ÖKT in Berlin hatten mehr als 200.000 Menschen teilgenommen, beim zweiten waren es mehr als 130.000.

 

Das biblische Leitwort lautet "schaut hin" und ist die Richtschnur für die Programmgestaltung. Rund 80 digitale Veranstaltungen unter anderem zu den Themen gesellschaftlicher Zusammenhalt und Glaube sind geplant. Neben Kultur, Ökumene, Sterbehilfe oder sexuelle Gewalt sollen auch das Thema Impfgerechtigkeit und die Folgen einer globalisierten Wirtschaft eine zentrale Rolle spielen.

 

"Schaut hin" ist angelehnt an eine Bibelstelle aus dem Markus-Evangelium (Mk 6,38) im Neuen Testament. Es stammt aus der Erzählung über das Wunder der Brotvermehrung, der Speisung der 5.000 - einer der bekanntesten Geschichten der Bibel. Jesus schafft es darin, seine Anhänger mit nur fünf Broten und zwei Fischen zu verpflegen. Wörtlich ist das Leitwort nicht in der Bibel zu lesen.

 

Organisiert wird der 3. ÖKT gemeinsam vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Er wird repräsentiert von der evangelischen Präsidentin Bettina Limperg und vom katholischen Präsidenten Thomas Sternberg.