Keine Klarheit über Gottesdienste zu Ostern

Die Kirchen verweisen auf funktionierende Hygienekonzepte in Gottesdiensten

© epd-bild/Thomas Lohnes

Auf Wunsch von Bund und Ländern sollen Religionsgemeinschaften zum ersten Mal aus Pandemieschutz-Gründen auf Präsenzgottesdienste verzichten. Die Kirchen verweisen auf funktionierende Hygienekonzepte und appellieren an die Eigenverantwortung der Gläubigen.

Keine Klarheit über Gottesdienste zu Ostern
Bund und Länder wollen die Religionsgemeinschaften dazu bewegen, an Ostern Gottesdienste ohne Präsenz zu feiern. Die Kirchen verweisen auf funktionierende Hygienekonzepte und werden vom Bundesinnenminister unterstützt.

Die Bundesregierung will mit den Religionsgemeinschaften eine einvernehmliche Lösung zu den Ostergottesdiensten finden. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte am Mittwoch in Berlin, es seien bereits Gespräche mit den Kirchen aufgenommen worden. Zuvor hatte es Kritik an der Bitte an die Religionsgemeinschaften gegeben, an Karfreitag und Ostern wegen der steigenden Zahl der Corona-Neuinfektionen nur virtuelle Gottesdienste zu feiern.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) distanzierte sich von dieser Bitte. Sein Haus habe diesen Vorschlag nicht gemacht, obwohl es für die Religionen zuständig sei. "Es hat mich schon erstaunt, dass ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen, den Kirchen den Verzicht auf Gottesdienste nahelegen, noch dazu an Ostern", sagte er der "Bild"-Zeitung (Mittwoch).

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte, er wolle zu Ostern nicht nur auf Online-Gottesdienste setzen, und appellierte an die Eigenverantwortung der Gläubigen. Er sei enttäuscht von den Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern, sagte er im RBB. Eigentlich habe die Politik zugesagt, dass es in diesem Jahr nicht wie Ostern 2020 laufen solle, als die Religionsgemeinschaften zum ersten Mal aus Pandemieschutz-Gründen auf Präsenzgottesdienste verzichtet hatten.

Auch die jüdischen Gemeinden in Niedersachsen wollen an Präsenzgottesdiensten festhalten, wie der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover sagte. Auf den 4. April (Ostersonntag) fällt in diesem Jahr auch der letzte Tag des jüdischen Pessachfestes.

Feier des jüdischen sieben Tage dauernden Pessachfestes, das "Fest der ungesäuerten Brote", fällt dieses Jahr auf Ostersonntag. Mit dem Fest wird an den Auszug der Juden aus Ägypten errinnert. Die jüdischen Familien sitzen am ersten und zweiten Abend gemeinsam am Sedertisch, feiern die traditionelle Liturgie (Seder), trinken Wein, essen ein festliches Mahl, beten und singen gemeinsam und erzählen die Geschichte von der Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, er könne sich eine Einigung mit den Kirchen wie vor Weihnachten vorstellen, als Gottesdienste in den Kirchen mit vorheriger Anmeldung und unter strengster Einhaltung der Hygieneregeln stattfanden.

Seehofer: Es handelt sich hier nur um eine Bitte

Bundesinnenminister Seehofer betonte, es gebe kein Verbot und keine Forderung, Gottesdienste zu Ostern ausfallen zu lassen. "Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Bitte handelt", fügte er hinzu. Das Innenministerium habe schon sehr früh in der Pandemie gemeinsam mit den Kirchen Hygienekonzepte ausgearbeitet, "die bis heute tadellos funktionieren".

Im Beschlusspapier aus der Nacht zum Dienstag heißt es: "Bund und Länder werden auf die Religionsgemeinschaften zugehen, mit der Bitte, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwochmittag allerdings erklärt, die ursprünglich beschlossene Ruhezeit zwischen Gründonnerstag und Ostermontag außer Kraft zu setzen. Was das für den Passus zu den Gottesdiensten bedeutet, blieb zunächst unklar.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zollte der Kanzlerin am Mittwoch auf Facebook Respekt dafür, dass sie Fehler im Zusammenhang mit der Ruhetags-Regelung für Gründonnerstag und Karsamstag eingestanden hatte.

Die EKD und die katholische Deutsche Bischofskonferenz waren nach eigener Auskunft von den Bund-Länder-Beschlüssen überrascht worden. Auch sie verwiesen auf die aus ihrer Sicht bewährte Hygienekonzepte bei den Gottesdiensten.

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