Weihnachtsgottesdienste auf dem Prüfstand

Stühle in einer Kirche mit dem nötigen Mindestabstand

©Andrew Matthews/PA Wire/dpa

Gottesdienste an Weihnachten werden im Lockdown nicht verboten. Der Ratsvorsitzende der EKD , Heinrich Bedford-Strohn, hält dies für "verantwortbar, weil Schutzmaßnahmen von den Kirchen peinlich genau eingehalten würden“.

Weihnachtsgottesdienste auf dem Prüfstand
Bund und Länder haben konkrete Regeln für Weihnachtsgottesdienste beschlossen. Die katholische Kirche zeigt sich erleichtert, dass sie nicht verboten werden. Es gibt aber auch Appelle, Veranstaltungen wegen des Infektionsgeschehens abzusagen.

Nach dem von Bund und Ländern beschlossenen härteren Lockdown ab Mittwoch müssen die Kirchen erneut über die Weihnachtsgottesdienste beraten. Der Sprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, wertete den Beschluss als Möglichkeit für die weitere Feier von Gottesdiensten zum jetzigen Zeitpunkt und begrüßte die Entscheidung. Er rief zugleich zu "äußerster Vorsicht und der strikten Einhaltung aller vorhandenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen" auf. Wenn erforderlich würden weitere Gespräche auf Länder- und Bundesebene geführt, erklärte er.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte vor den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer erklärt, dass er Gottesdienste an Weihnachten für verantwortbar halte, weil Schutzmaßnahmen von den Kirchen peinlich genau eingehalten würden. "Gerade an diesem Weihnachtsfest ist die Kraft der Weihnachtsbotschaft so wichtig, die diesen Tagen ja überhaupt nur ihren tiefen Sinn gibt", schrieb der bayerische Landesbischof am Samstagabend auf Facebook.

Abstand, Maskenpflicht, kein Gesang und Anmelden

Bund und Länder beschlossen am Sonntag für Gottesdienste konkrete Regeln: mindestens 1,5 Meter Abstand zwischen Teilnehmern, Maskenpflicht, kein Gesang und Anmeldepflicht. Das Bundesinnenministerium soll Merkel zufolge erneut mit den Kirchen Gespräche über die Gottesdienste führen.

Abstimmungen zwischen den evangelischen Kirchen in Deutschland und der katholischen Kirche hätten bereits begonnen, erklärte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag in Darmstadt. Der Krisenstab der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau werde über das weitere Vorgehen beraten und die aktualisierten Empfehlungen veröffentlichen. Dies sei ab Mitte der Woche zu erwarten. "Alle wollen, dass die Weihnachtsbotschaft Menschen erreicht und stärkt, und alle wollen, dass Menschen geschützt und nicht gefährdet werden", erklärte Jung und ergänzte: "Es würde zu Recht als ein Widerspruch zur Botschaft des Festes empfunden, wenn Gottesdienste Menschenleben gefährden."

Auch Bouffier hält an Gottesdiensten fest

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kündigte am Sonntag in Wiesbaden für die nächsten Tage Gespräche mit den Kirchen über die Weihnachtsgottesdienste an. Eine Absage aller Gottesdienste an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen, wie sie der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU), ins Gespräch gebracht hatte, schloss er aus.

Brinkhaus hatte die Kirchen aufgefordert, Gottesdienste an Weihnachten zu überdenken: "Ich appelliere an die Einsicht der christlichen Kirchen, die kirchlichen Veranstaltungen so weit wie möglich zurückzufahren und nach Alternativen zu suchen, um die Gläubigen keinem Risiko auszusetzen", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag).

Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung ist nach den Worten von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bereits mit den Kirchen im Gespräch. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte in Hannover, die Angehörigen der Religionsgemeinschaften in Niedersachsen würden in den nächsten Wochen um äußerste Zurückhaltung bei dem Besuch von Gottesdiensten in Kirchen, Synagogen oder Moscheen gebeten. Die Landesregierung werde in den kommenden Tagen mit den Verantwortlichen der Glaubensgemeinschaften Gespräche darüber führen, wie bei dennoch stattfindenden religiösen Zusammenkünften das Infektionsgeschehen minimiert werden könne.

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