Zum Gottesdienst in die Kneipe

Zwei gefüllte Biergläser auf einem Tisch, im Hintergrund ein Gewölbe und Kirchenfenster
Getty Images/iStockphoto/Briana Ingram
Beim Kneipengottesdienst gibt's zum Segen auch ein kühles Bier (Symbolbild).
Zwischen Segen und Schnaps
Zum Gottesdienst in die Kneipe
Pfarrer Michael Käser trägt Jeans und Hoodie, zwei Singer-Songwriterinnen spielen auf ihren Gitarren. In einer Kneipe im fränkischen Schwabach treffen sich einmal im Monat Menschen zum Gottesdienst. Das Motto: "Gemeinschaft am Tresen".

Herr Käser, was muss man sich unter einem Kneipengottesdienst vorstellen? Wird da Alkohol getrunken?

Michael Käser: Ja, es gibt Bier, Guinness, Cider, auch Schnaps, aber das hat noch keiner bestellt. Wir warten, bis alle Bestellungen am Tisch sind, bevor wir mit dem Gottesdienst beginnen, und wenn einer kein Getränk mehr hat, wird nachgeordert. Es ist also auch nicht so still wie bei anderen Gottesdiensten, es gibt eine gewisse Grundlautstärke. Wir beginnen den Gottesdienst mit den Sätzen, egal wo du herkommst und was du denkst: herzlich willkommen. Man muss nichts mitbringen, sondern kann sagen, was man zu den Themen der Gottesdienste denkt und fühlt.

Gehören denn die Markenzeichen eines Gottesdienstes - ein Pfarrer im Talar, Gebete, Segen und Musik von der Orgel - auch zu einem Kneipengottesdienst?

Käser: Es trägt niemand einen Talar, alle kommen so, wie man in eine Kneipe geht. Das gilt auch für mich - ich komme, wie man sagt, casual. Es gibt Gebete und einen Segen. Aber auch Snacks. Der große Unterschied zu einem normalen Gottesdienst ist, dass nicht einer vorn steht, der studiert hat und viel weiß und klug erzählt, sondern, dass wir alle ins Gespräch kommen und merken, was die Gotteserlebnisse der anderen sind.

"Man ist ganz viel im Gespräch mit anderen"

Und wir haben zwei wunderbar talentierte Musikerinnen, Sarah Kolb und Maria Häberlein. Und manchmal kommen Musiker dazu: einmal spielte einer mit einer Quetsche mit. Das war ein besonderes Erlebnis. Es gibt ja Leute, die sagen, sie kommen nur wegen der Musik (lacht). Aber nein, sie kommen schon auch wegen der Inhalte.

Die Gespräche an den Tischen scheinen ein wichtiger Bestandteil dieses Gottesdienst-Konzepts zu sein. Wie läuft das ab?

Käser: Ja, in diesem Gottesdienst ist man ganz viel im Gespräch mit anderen, teilt, was man teilen möchte, hört von anderen sehr unterschiedliche Impulse. Man könnte denken, dass dies für Franken eine Herausforderung ist, aber es hat bisher immer funktioniert. Denn diesen Austausch wünschen sich viele, auch wenn sie es nicht sagen.

Bei keinem anderen Gottesdienst habe ich es erlebt, dass zwei Frauen hinterher zusammenstehen und ihre Telefonnummern austauschen, um in Kontakt zu bleiben. Sie waren im Gespräch im Gottesdienst draufgekommen, dass sie beide den Jakobsweg gegangen waren und ähnliche Erlebnisse hatten.

Der nächste Kneipengottesdienst "Gemeinsam am Tresen" findet am Mittwoch, 11. Februar (19 Uhr) in der Annabar in der Bachstraße 12 in Schwabach statt.