Grabesstille in der Grabeskirche?

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist der Tempelberg  in Jerusalem geschlossen worden.

© epd-bild/Debbie Hill

Die menschenleere Grabeskirche in der Altstadt von Jerusalem. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist der Tempelberg geschlossen worden.

Grabesstille in der Grabeskirche?
Ostern im Heiligen Land wird wegen der Corona-Krise ruhig
Wegen der Corona-Krise bleiben alle Gotteshäuser in Israel bis auf weiteres geschlossen. Trotzdem werden die Ostergebete nicht abgesagt. Sie sollen in reduziertem Umfang stattfinden und live in die Welt getragen werden.

Es ist das erste Mal seit 1350, dem Jahr der Pest, dass die Grabeskirche in Jerusalem - eine der wichtigsten Stätten für mehrere Hundert Millionen Christen in aller Welt - zu Ostern geschlossen ist. Wegen der Corona-Pandemie ist der Besuch nur für kleine Gruppen gestattet. Auch Bethlehem, der biblisch überlieferte Geburtsort von Jesus, ist von der Umwelt abgeschottet – und damit auch die Geburtskirche. Wann Pilger die Basilika wieder besuchen dürfen, ist derzeit unklar. 

Zentrale heilige Stätten des Christentums sind wegen der Corona-Krise nicht nur geschlossen, wegen der strengen Vorschriften der israelischen Behörden im Kampf gegen die Epidemie finden Ostergottesdienste in den Kirchen im Heiligen Land nur in reduziertem Umfang statt. Aber die Gebete würden nicht abgesagt, sagt Wadie Abunassar, Medienberater der katholischen Bischöfe im Heiligen Land. Die Kirchenführer zeigen sich flexibel. "Wir wollen ein Maximum an Gebeten und ein Minimum an Präsenz", sagt Abunassar. 

Zeremonien, an denen eine größere Anzahl von Gläubigen teilnimmt, sollen auf später verschoben werden. Sie seien derzeit unmöglich, sagt Abunassar mit Blick auf die Vorschriften zum Abstandhalten. Die Vorschriften lassen derzeit Gebetsgruppen von maximal zehn Personen zu, die zwei Meter Abstand zueinander halten müssen. Außerdem muss im Freien außerhalb der Gotteshäuser gebetet werden. 

Für die Osterfeiern in der Grabeskirche streben Kirchenführer bei den israelischen Behörden allerdings eine Ausnahmeregelung an. In der Grabeskirche beten drei Konfessionen gleichzeitig. Außerdem sollen die Gottesdienste über die Medien weltweit übertragen werden. Das würde die maximal erlaubte Personenzahl übersteigen. Zusammen mit den Behörden suche man nach einem Kompromiss, sagt Abunassar. Die Verhandlungen dauern noch an.

Keine Pilgerströme zu Ostern

Auch auf der Via Dolorosa werden die üblichen Prozessionen deutlich schlichter ausfallen. Vereinzelt werden Pilger die Stationen des Leidenswegs Jesu Christi abschreiten, sagt Abunassar. Die sonst zu Ostern üblichen Pilgerströme würden dieses Jahr vollständig ausbleiben, weil Israel wegen der Corona-Krise keine Touristen ins Land lässt. Hotels, die in dieser Saison sonst sehr gut ausgelastet sind, werden derzeit als Quarantänestationen für Covid-19-Patienten eingesetzt, um die Krankenhäuser zu entlasten. 

Israelische Grenzpolizisten patrouillieren auf der Via Dolorosa.

In die Osterwoche fällt auch das jüdische Pessach-Fest, das in der Regel zu Hause mit einem bis zwei Dutzend Teilnehmern gefeiert wird. Juden erinnern sich beim Pessach-Fest an den im Alten Testament überlieferten Auszug aus ägyptischer Knechtschaft. Es wird auch das "Fest der ungesäuerten Brote" genannt. Dieses Jahr darf das Fest nach der Weisung des Gesundheitsministeriums nur im Rahmen der Kernfamilie gefeiert werden – ohne Großeltern, Tanten oder Onkel. 

Ob sich die ultra-orthodoxe Gemeinde daran hält, ist derzeit fraglich. In den vergangenen Wochen haben sich viele Haredim (Gottesfürchtige), wie die extrem Frommen genannt werden, nicht an die Corona-Vorschriften gehalten. Von "social distancing" hielten sie ebenso wenig wie vom Schließen ihrer Synagogen. Einige einflussreiche Rabbiner hatten behauptet, dass das Coronavirus weniger gefährlich sei als der Verzicht auf das Studium der Tora – der heiligen Schrift der Juden. 

Orthodoxe Juden beten während der Corona-Krise an der Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem.

Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Bevölkerung ist die Zahl der Opfer in der ultra-orthodoxen Gemeinschaft überdurchschnittlich hoch. Das liegt auch daran, dass sie säkularen Medien misstrauen, die über die Gesundheitsvorschriften berichten. Zudem wohnen sie in der Regel mit vielen Kindern in kleinen Wohnungen, was eine Isolation praktisch unmöglich macht. Virtuelles Lernen ist für sie kaum möglich, da nur wenige über Computer verfügen.