Internationale Kirchenvertreter haben nach den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran vor einer weiteren Eskalation gewarnt und zur Diplomatie aufgerufen. Der Papst appelliert in seiner Sonntagspredigt eindringlich an die beteiligten Parteien, ihrer moralischen Verantwortung nachzukommen und die Spirale der Gewalt zu stoppen, "bevor sie in einen unüberwindlichen Abgrund mündet". Er fordert eine Rückkehr zur Diplomatie, damit sie zum Wohl der Völker einen Frieden schaffen könne, der auf Gerechtigkeit aufbaue.
Das UN-Kinderhilfswerk Unicef ruft nach den Angriffen im Iran und in der Region die Konfliktparteien zur sofortigen Einstellung der Kampfhandlungen und zur Deeskalation auf. Alle Beteiligten sollten "größtmögliche Zurückhaltung" üben und ihren Verpflichtungen mit Blick auf Völkerrecht und Menschenrechte nachkommen, erklärt das Hilfswerk der Vereinten Nationen am Sonntag in Köln. "Dazu gehört insbesondere der Schutz der Zivilbevölkerung und der lebensnotwendigen Dienstleistungen, auf die Kinder zum Überleben angewiesen sind."
Der Nahost-Krieg hat auch die Verabschiedung von Landessuperintendent Dietmar Arends als oberster Repräsentant der Lippischen Landeskirche überschattet. Arends sagte in seiner Predigt mit Blick auf die jüngste Eskalation im Nahen Osten, angesichts von Krieg, himmelschreiender Ungerechtigkeit und Tyrannen stehe der Geist Gottes auch dafür, Resignation keinen Raum zu geben. Der Geist Gottes ermutige dazu, sich nicht abzufinden mit der Welt, wie sie ist, sondern lasse "uns mutig für Frieden eintreten, für Gerechtigkeit, für den Erhalt von Gottes wunderbarer Schöpfung".
Bomben schaffen keine Demokratie
Auch US-Kirchen meldeten sich zu Wort. Die US-Presbyterianer, eine der großen protestantischen Kirchen in den USA, erklärten, Bomben schafften keine Demokratie und Luftangriffe keine gerechten Gesellschaften. Dauerhafter Frieden und Freiheit erforderten kontinuierliche Diplomatie, die Unterstützung der Zivilgesellschaft, regionale Deeskalation und die Einhaltung des Völkerrechts.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sagte am Samstag in Hannover (evangelisch.de berichtete): "Die Gewaltspirale aus Angriff und Vergeltung stiftet keinen Frieden; sie bringt stattdessen neues, unsägliches Leid über unzählige Menschen." Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Jerry Pillay erklärte: "Militärische Konfrontation und eskalierende Vergeltungsmaßnahmen können keine nachhaltige Sicherheit oder Frieden bringen. Stattdessen vervielfachen sie das Leid und erhöhen das Risiko eines umfassenderen regionalen Flächenbrands mit unvorhersehbaren globalen Folgen."
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, rechnet mit einer "gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland". "Insbesondere nach der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei ist damit zu rechnen, dass der Iran seine Netzwerke hierzulande für Terroranschläge gegen jüdische und israelische Einrichtungen nutzen wird", sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online).
Die USA und Israel hatten am Samstag einen großangelegten Militärangriff aus der Luft und von der See aus auf Ziele im Iran begonnen. Iranischen Staatsmedien zufolge wurde dabei Revolutionsführer Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Golf-Region und blockierte die für den Ölhandel zentrale Straße von Hormus, eine Meerenge am Persischen Golf.


