Kinder retten, Frauen stärken

Vom Bergdorf bis zur naechsten Klinik sind es zwei Stunden Fussweg in Malawi

© epd-bild/Karel Prinsloo

Alfosina Aberi sitzt mit zwei ihrer Kinder vor ihrer Lehmhuette in Sumbi in Malawi. Vom Bergdorf bis zur naechsten Klinik sind es zwei Stunden Fussweg.

Kinder retten, Frauen stärken
Minister Müller sichert Malawi Hilfe im Kampf gegen die Armut zu
Mehr als 40 von 1.000 Babys in Malawi sterben vor ihrem ersten Geburtstag. Auch die Müttersterblichkeit in dem afrikanischen Land ist hoch. Deutschland will helfen, das zu ändern. Für Mädchen wie Loveness.

Winzig und zerbrechlich ist der kleine Junge. Zwölf Wochen zu früh wurde er geboren, mit gerade einmal etwas mehr als 900 Gramm. "Baby Zoan Thomas" wird er genannt, nach dem Vor- und Nachnamen seiner Mutter. Wenn er überlebt, wird die Mama zusammen mit der Verwandtschaft zu Hause im Dorf entscheiden, wie der Kleine heißen soll.

Wie viele überleben, ist offen

Etwa 25 Prozent Überlebenschancen hätten so früh Geborene in Malawi, sagt die Ärztin Catherine Hodge im Krankenhaus von Nkhoma östlich der Hauptstadt Lilongwe. Bei "Baby Zoan Thomas" sieht es gut aus. In der kirchlichen Klinik setzen die Mediziner und Schwestern alles daran, dass der Junge es schafft. Neben ihm in der Neugeborenenstation liegen noch rund ein Dutzend Babys - wie viele von ihnen überleben, ist offen.

Mehr als 40 von 1.000 Babys in Malawi sterben den jüngsten Daten zufolge vor ihrem ersten Geburtstag. Dabei hat das südostafrikanische Land - auch mit Hilfe der deutschen Entwicklungszusammenarbeit - schon enorme Fortschritte gemacht: Noch 2011 war eine Säuglingssterblichkeit von 66 pro 1.000 Babys zu beklagen. Dennoch ist auch die aktuelle Zahl viel zu hoch. Und auch die Müttersterblichkeit in Malawi ist trotz großer Erfolge nach wie vor erheblich. 2016 gab es 439 Todesfälle auf 100.000 Lebendgeburten, in Deutschland liegt die Zahl klar unter 10.

Zwei Kinder pro Bett

Entwicklungsminister Gerd Müller besuchte die Geburtsstation des Nkhoma Krankenhaus, wo im sogenannten Skills Lab Hebammen weitergebildet werden. Er traf dort eine Mutter, deren Säugling und Ruth Hildebrandt, Gynäkologin und verantwortlich für das GIZ Gesundheitsprojekt in Malawi.
Für Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sind die Zahlen Herausforderung und Ansporn. Der Besuch des Krankenhauses von Nkhoma überzeugt ihn von der Sinnhaftigkeit und der Notwendigkeit des deutschen Engagements im Gesundheitswesen Malawis. "Was brauchen Sie besonders dringend?", fragt er den Pflegeleiter der Kinderstation. Sam Kabote wünscht sich Anti-Moskito-Spray, um den Raum von den gefährlichen Malaria-Mücken freizuhalten. Die rund 25 Betten in dem Saal sind viel zu wenig, in jedem Bett liegen zwei Kinder. Die meisten von ihnen sind mit Malaria in die Klinik gekommen.

Minister Müller bewegt das Schicksal der Kinder, im Krankenhaus ebenso wie im SOS-Kinderdorf, bei einem Gemeindeprojekt zur Unterstützung von HIV-Infizierten oder einfach im Wissen um die Armut und Mangelernährung vieler Jungen und Mädchen. "Ich komme als erster deutscher Entwicklungsminister seit 2001 nach Malawi und möchte damit bewusst ein Zeichen setzen für den Kampf gegen Armut", betont Müller. "Wir müssen verhindern, dass heute noch Menschen an Hunger oder Aids sterben."

Gesundheitlichen Gefahren für Mädchen groß

Malawi zählt zu den ärmsten Länder der Welt, drei Viertel der Menschen leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Darüber hinaus ist Malawi eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder. Ansatzpunkte der deutschen Unterstützung zur Armutsbekämpfung sind besonders Bildung, Gesundheit und landwirtschaftliche Entwicklung. Alle drei Themen überschneiden sich im Bereich Familienplanung. Die Bevölkerung des afrikanischen Landes, das etwa ein Drittel so groß ist wie Deutschland, hat sich seit den 1960er Jahren auf rund 18 Millionen verfünffacht. Inzwischen wurde die Geburtenrate in den vergangenen fünf Jahren von 6 auf 4,4 gesenkt, doch weiterhin können zahlreiche Familien ihre Kinder nicht ernähren, geschweige denn ihnen Schulbildung bieten. Zudem bekommen viele Mädchen schon in jungem Alter Kinder - unaufgeklärt und ungewollt. Die gesundheitlichen Gefahren für die Mädchen sind groß.

Kinderehen sind mittlerweile verboten. "Ich glaube, in der Praxis ist es nach wie vor so, dass junge Mädchen in der großen Gefahr sind verheiratet zu werden", sagt die Gynäkologin Ruth Hildebrandt, die für die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für deren Gesundheitsprogramm in Malawi verantwortlich ist. "Wir sprechen hier von Mädchen ab zehn Jahren."



Loveness Kaomba war immerhin schon 17, als sie schwanger wurde. Aber auch für sie war ein Schulbesuch zunächst hinfällig. Nach der Geburt jedoch regte sich bei Loveness Widerstand dagegen, sich von der Bildung und Chancen auf einen auskömmlichen Job ausschließen zu lassen. Die junge Frau fand den Mut, sich bei einem von Deutschland unterstützten Gesundheitszentrum zu melden, über Familienplanung zu informieren und für Empfängnisverhütung zu entscheiden. Damit schaffte sie den Sprung zurück an die Schule. Inzwischen ist Loveness 24 und bald bereit für weitere Kinder. Zwei Geschwister für ihre kleine Tochter wünscht sie sich.

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