EKD und Missbrauchsbeauftragter Rörig wollen Austausch vertiefen

Johannes-Wilhelm Rörig

© epd-bild / Rolf Zöllner

Johannes-Wilhelm Rörig, der unabhängige Missbrauchs-Beauftragte der Bundesregierung.

EKD und Missbrauchsbeauftragter Rörig wollen Austausch vertiefen
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wollen ihre Zusammenarbeit bei Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt vertiefen. Das bekräftigten beide bei einem gemeinsamen Austausch in der Sitzung des Rates der EKD am Freitag in Hannover.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte laut Mitteilung vom Samstag, bei der Frage, welche Maßnahmen zur Verhinderung sexualisierter Gewalt am besten beitragen können, sei die Kirche "für den Rat des Unabhängigen Beauftagten sehr dankbar". Rörig würdigte die von der EKD-Synode im November verabschiedeten Maßnahmen als "eine gute Basis um weiter voranzuschreiten".

Insbesondere die geplanten Studien seien in dieser Hinsicht von großer Bedeutung, sagte Rörig. "Dabei ist es notwendig, dass die Kirchen mit dem Staat gemeinsam Standards für die Aufarbeitungsprozesse entwickeln." Daran müssten Betroffene beteiligt werden und ihre Rechte bei der Aufarbeitung geklärt sein.

EKD übernimmt Verantwortung

An dem Treffen, das auf Einladung Bedford-Strohms stattfand, nahm auch der "Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt" der EKD teil. Dem fünfköpfigen Gremium, das sich dem Thema Missbrauch widmen soll, gehören die Bischöfe Kirsten Fehrs und Jochen Cornelius-Bundschuh sowie Kirchenjuristen an. Rörig bot für die Koordinierung der Aufarbeitung eine Zusammenarbeit zwischen Beauftragtenrat und der beim staatlichen Missbrauchsbeauftragten bestehenden Arbeitsgruppe an.

Bedford-Strohm bekräftigte die Entschlossenheit der evangelischen Kirche zur umfassenden Aufarbeitung: "Sexualisierte Gewalt darf nirgendwo in unserer Gesellschaft ein Tabuthema sein. Wir übernehmen Verantwortung für das, was Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Einrichtungen oder von kirchlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen angetan wurde." Fehrs betonte, eine Aufarbeitung könne nur unter Einbeziehung der Betroffenen geschehen. "Dass diese Menschen mit uns trotz traumatischer Erfahrungen und zerbrochenen Vertrauens reden, verdient Dank und Respekt."

Die EKD-Synode hatte im November in Würzburg einen Maßnahmenplan von elf Punkten beschlossen, der unter anderem Studien zur Aufklärung des Dunkelfeldes und zu spezifischen Risikofaktoren in der evangelischen Kirche sowie die Einrichtung einer zentralen unabhängigen Ansprechstelle vorsieht. Für das kommende Jahr stellt die Synode 1,3 Millionen Euro zur Umsetzung der Maßnahmen zur Verfügung.

Zuvor hatten Politiker, Betroffene und auch der Missbrauchsbeauftragte Rörig mehr Engagement von der evangelischen Kirche gefordert. Eine der Forderungen war, dass die evangelische Kirche eine umfassende Studie zum Missbrauch in den eigenen Reihen initiiert, ähnlich der Studie, die von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben und Ende September vorgestellt worden war.

Wegen der föderalen Struktur der evangelischen Kirche ist der Stand der Aufarbeitung regional verschieden. Bekannt sind bislang 479 Fälle, in denen sich Betroffene selbst an Ansprechpartner der Kirche gewandt hatten.

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