Klosterurlaub: Wie ein Ticket für die Arche Noah

Klosterurlaub in verschiedenen Klostertypen hat sich zu einem Trend entwickelt.

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Klöster sind Felsen in der Brandung der Schnelllebigkeit und Hektik, die den Alltag bestimmen. Daher hat sich Klosterurlaub zu einem Trend entwickelt.

Klosterurlaub: Wie ein Ticket für die Arche Noah
Innehalten, Stille genießen und sich einfach mal eine Auszeit nehmen: Klosterurlaub hat sich von einer Kuriosität zu einem Trend entwickelt. Hier erfahrt ihr, was Klöster als Urlaubsort so anziehend macht und welche Fragen man sich unbedingt vor einem Klosterurlaub stellen sollte.

"Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint", bat die Band "Silbermond" schon vor einigen Jahren in ihrem Lied "Irgendwas bleibt". Die Musiker sehnten sich nach Entschleunigung, Beständigkeit und Verlässlichkeit in einer hektischer werdenden Welt. Diesen Wunsch teilen sie mit vielen Menschen. Als ein Weg, um zur Ruhe zu kommen, gilt der Klosterurlaub. Er ist Teil des immer beliebter werdenden "Slow-Tourism"-Phänomens, bei dem es um ein nachhaltiges, sinnhaftes und authentisches Reiseerlebnis geht.

Klöster erfüllen da laut Aline Sommer, die eine Website zum Thema spirituellem Tourismus betreibt und zu dem Thema geforscht hat, eine wichtige Bedingung, weil sie für etwas stehen, was in der heutigen Zeit immer mehr verloren zu gehen scheint: Wahrhaftigkeit und Beständigkeit. Klöster verbinde man zum Beispiel mit den Begriffen abgeschieden, glaubwürdig, traditionell und natürlich. Es seien Felsen in der Brandung der Schnelllebigkeit und Hektik, die den Alltag bestimmen. "Klöster bestehen durch ihre althergebrachten Traditionen, nicht dadurch, dass sie jede Mode mitmachen", schreibt Sommer auf ihrem Portal und führt weiter aus, dass Klöster keine Trendorte seien, sondern eher das genaue Gegenteil. "Sie sind nicht dadurch interessant, weil sie etwas "Neues" sind, sondern weil sie nichts "Neues" sind."

In der Studie "Sinnstiftung in der Krise – Das neu erwachte Interesse an Klöstern" von Patricia Schulte-Moser und Christoph B. Melchers vom Institut für Markt- und Kulturforschung "ZweiEinheit" wird das Image von Klöstern und Klosterurlauben ebenfalls auf den Punkt gebracht: "Klosterbesuche sind ein Ticket für die Arche Noah: Die alte Lebensform wird zum viel versprechenden Kontrast zu einer Zeit, die aus den Fugen geraten ist."

Das erklärt, weshalb die Nachfrage nach Angeboten zum Klosterurlaub laut Karl-Heinz Jaworski, dem Fachbereichsleiter "Kirche in Freizeit und Tourismus" der württembergischen Landeskirche, in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Großes Interesse beobachtet auch Marion Römer, die in der hannoverschen Landeskirche die 15 Klöster und Stifte im Bereich der Klosterkammer Hannover begleitet. "Das Kloster ist ein Sehnsuchtsort, ein Anderort", sagt Römer. Der Grund für die "Faszination Kloster": "Dort gibt es eine Gemeinschaft, die etwas lebt, was wir in unserem schnelllebigen Alltag oft nicht schaffen, uns aber wünschen: leben in einem guten Rhythmus von arbeiten und ruhen, gut aufeinander achten."

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Zur Vorbereitung auf den Klosterurlaub: Diese Klostertypen gibt es

Kloster Maulbronn

Foto: epd-bild/Gustavo Alabiso

Kloster Maulbronn

Foto: epd-bild/Gustavo Alabiso

<p>Das <a href=" https://www.kloster-maulbronn.de/start/">Kloster Maulbronn</a> in Baden-Württemberg wurde Mitte des 12. Jahrhunderts von Zisterzienser-Mönchen gegründet. Mit der Reformation ging die Zeit der Mönche in der riesigen Klosterstadt jedoch zu ende. 1556 wurde in den ehemaligen Klostermauern dann eine evangelische Klosterschule eröffnet, auf der unter anderem Schriftsteller wie Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse die Schulbank drückten.</p>

Seit 1993 ist das Kloster Maulbronn, das als die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen gilt, UNESCO-Weltkulturerbe. Rund 230.000 Menschen besuchen Maulbronn jedes Jahr. Deswegen gehört die Anlage in die Kategorie "Kloster als Sehenswürdigkeit".

Kloster Frauenwörth

Foto: Credit: aerial-photos.com/Alamy

<p>Die <a href="https://www.frauenwoerth.de/">Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth</a> im Chiemsee wurde der Überlieferung nach bereits um das Jahr 772 von Bayernherzog Tassilo III. gegründet. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Abtei im Zuge der Säkularisation aufgelöst, 1901 aber wurde das katholische Kloster erneut zur Abtei erhoben. Die Abtei Frauenwörth hat einen eigenen Klosterladen, bietet in einem Seminarhaus Kurse und Seminare sowie eine Reihe von Zimmern in verschiedenen Kategorien an.
Die Abtei an sich sieht sich selbst ausdrücklich nicht als Hotel an, nimmt aber gerne Gäste für Stille Tage der Besinnung und Einkehr an. Geistliche Gespräche mit einer der Schwestern sind für diejenigen, die dieses Angebot wahrnehmen, durchaus möglich.</p>
Bezeichnend für ein sogenanntes "Seminar-Kloster" ist laut <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> die Tatsache, dass sie ihre Räumlichkeiten als Bildungsstätte für spirituelle und nicht-spirituelle Angebote nutzen und einen professionellen Tagungs- und Hotelbetrieb anbieten, der häufig mit Hilfe Außenstehender betrieben wird.

Kloster Arenberg

Foto: epd-bild/Lothar Stein

<p>Das <a href="https://kloster-arenberg.de/">Kloster Arenberg</a> in Rheinland-Pfalz wurde gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Dort leben derzeit 65 katholische Schwestern der heiligen Katharina von Siena im Orden des heiligen Dominikus. "Erholen, begegnen, heilen" lautet das Konzept von Kloster Arenberg, das neben einem Geistlichen- auch ein umfangreiches Seminar-, Fitness- und Wellnessangebot bietet.</p>
Der Fokus der sogenannten "Wellness-Klöster" liege auf den gesundheitlichen Aspekten und nicht auf religiösen oder spirituellen, so <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a>. Als eine große Herausforderung der "Wellness-Klöster" sieht sie den Spagat zwischen Authentizität und Attraktivität für die Besucher. "Wellness-Klöster" eignen sich ihrer Einschätzung zufolge besonders für Menschen, die sich zeitgleich um ihre körperliche und um ihre geistige Gesundheit kümmern möchten.

Kloster Wennigsen

Foto: CC BY-SA 3.0/Wikipedia

<p>Das <a href="http://www.kloster-wennigsen.de/">Kloster Wennigsen</a> gehört zu den fünf Calenberger Klöstern in der Region Hannover, die von der <a href="https://www.klosterkammer.de/">Klosterkammer Hannover</a> betreut werden. Die noch erhaltenen Gebäude entstanden in der Barockzeit, die Geschichte des Klosters reicht jedoch deutlich weiter zurück: im 13. Jahrhundert wurde es als Stift für Augustiner-Chorfrauen gegründet. Mit der Reformation erfolgte der Übergang zu einem evangelischen Damenstift – noch heute lebt dort eine von der hannoverschen Landekirche anerkannte geistliche Frauengemeinschaft. Sie öffnen ihre Zimmer für Gäste, die sich selbst versorgen und selbstbestimmt zur Ruhe kommen möchten – bieten ihnen aber auch zweimal am Tag die Teilnahme an der Meditations- und Gebetszeit an.</p>
<a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> zufolge bieten alternative Klöster ihren Besuchern ein kleines seelsorgerisches Programm sowie einige ausgewählte Kurse oder Veranstaltungen zu religiösen Themen. Die Verpflegung muss entweder komplett selbst übernommen werden oder aber zumindest zu großen Teilen. Gemeinsame Gottesdienste, Gebet und Gespräche sind bei diesem Typus willkommen.

Kloster Sonnenhof

Foto: Kloster Sonnenhof

<p>Das <a href="http://www.sonnenhof-grandchamp.org/">Kloster Sonnenhof – Haus der Stille</a> im schweizerischen Kanton Baselland wird von den Schwestern von Grandchamp bewohnt. Die Kommunität Grandchamp ist eine Gemeinschaft von Schwestern, die aus unterschiedlichen Kirchen und verschiedenen Ländern kommen. Sie wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründet.</p>
Die Schwestern empfangen Mitglieder anderer Gemeinschaften sowie Frauen und Männer, die für einige Tage in der Stille innehalten und sich erneuern möchten. Eine Schwester begleitet jeden Einzelgast. Sie führt in das Leben der Kommunität ein, in die Stundengebete, in die gemeinsam mit den Schwestern im Schweigen eingenommenen Mahlzeiten. Das alles kennzeichnet <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> zufolge ein traditionelles Kloster: gemeinsame Gebete und Gespräche, die Öffnung des Ordens gegenüber den Gästen und das geistige Angebot oft ohne Erwerbsabsicht.

Kloster Hegne

© Haus St. Elisabeth

<p>Im <a href="https://www.kloster-hegne.de/kloster.html">Kloster Hegne </a> am Bodensee lebt die katholische "Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz". Der bauliche Kern des Klosters ist das aus dem 16. Jahrhundert stammende Schloss Hegne, das die Gemeinschaft im Jahr 1892 erwarb. Neben der Möglichkeit, bis zu drei stille Tage im Haus Hildegard zu verbringen, betreibt das Kloster Hegne auch das professionelle <a href="https://www.st-elisabeth-hegne.de/hotel_st_elisabeth.html ">Tagungs- und Ferienhotel St. Elisabeth</a>.</p> Dieser Teil des Klosters Hegne entspricht der Definition, die <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> für <a href="https://www.st-elisabeth-hegne.de/hotel-st-elisabeth.html">Hotelkloster</a> festgelegt hat: St. Elisabeth bietet modern ausgestattete Zimmer mit Fernsehen in vier Preiskategorien und Tagungsräume verschiedener Größe. Ein Jahresprogramm bietet ein breites Spektrum spiritueller und kultureller Angebote, Möglichkeiten der Begleitung und Beratung und Angebote, das Kloster zu erleben. Zugleich ist Kloster Hegne als Verehrungsort der seligen Ulrika Nisch Pilgerstätte und seit Jahrzehnten Ziel ungezählter Pilgerinnen und Pilger.
Klöster dieser Art haben sich professionell auf den modernen Tourismus eingestellt und sind Sommer zufolge auch für Menschen interessant, die sich noch nicht zu sehr auf den Klosteralltag einlassen möchten.

Communität Christusbruderschaft

Foto: epd-bild/Michael McKee

<p>Die <a href="https://christusbruderschaft.de/de/direct/">evangelische Communität Christusbruderschaft </a> wurde 1949 gegründet und zog noch im gleichen Jahr ins oberfränkische Selbitz. In der Communität leben die Schwestern und Brüder nach alten Mönchsregeln: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Neben dem regulären Angebot gibt es auch noch spezielle Angebote für alle, die länger und enger in und mit der Gemeinschaft zusammenleben wollen: "Atem-holen" für Mitarbeiter der evangelischen Landeskirche Bayern, "Kloster auf Zeit" und "Experiment: Leben teilen".</p>
Diese Möglichkeit wirklich Teil des Klosteralltags zu werden, macht die Kommunität zu einem ursprünglichen Kloster nach <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Sommers</a> Definition. Es wird erwartet, dass sich die Besucher in dieser Zeit auf den Klosteralltag einlassen, mitleben und auch mitarbeiten. In ursprünglichen Klöstern sind Aufenthalte von mehreren Wochen oder sogar Monaten möglich.

Kloster Loccum

Foto: epd-bild/Jens Schulze

<p>Das <a href=" http://www.kloster-loccum.de/"> Kloster Loccum </a> in Niedersachsen wurde 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und wechselte um das Jahr 1600 zum evangelisch-lutherischen Glauben. Bis heute gehört es offiziell zum Orden der Zisterzienser und zur "Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland". Seit etwa 300 Jahren dient es als Predigerseminar für angehende Pastorinnen und Pastoren der hannoverschen Landeskirche. </p>
Dadurch, dass das Kloster Loccum am <a href="http://www.loccum-volkenroda.de/der-weg/">Pilgerweg Loccum-Volkenroda </a> liegt, kann man es als Kloster am Pilgerweg kategorisieren.

Mit Versprechen vom Innehalten, Atem holen, von erholsamen Tage der Stille, einer Auszeit für die Seele, Zeit für's Ich oder eine Oase der Ruhe werben einige Klöster, Stifte und Konvente um Gäste. Sie haben die Sehnsucht der Menschen nach einer Ganzheit von Körper, Geist und Seele erkannt. Doch von Klostertourismus möchten die meisten lieber nicht sprechen. "Tourismus assoziiert man mit Menschenmassen und die würden die klösterliche Ruhe stören", sagt Jaworski. In größeren, kommerzialisierten Klöstern ginge es, weil die Besucher und die Bewohner weitgehend voneinander getrennt seien. In kleineren Gemeinschaften könne klassischer Tourismus nicht funktionieren, weil er das klösterliche Leben der Gemeinschaft zerstöre. "Dort lebt man schließlich wie in einer Familie mit, man erlebt die Spannung zwischen den Menschen und ist so viel mehr als nur irgendein Gast", erklärt Jaworski. Er habe es auch schon erlebt, dass eine Frau, die im Kloster den Tod ihres Vaters aufarbeiten wollte, viel Beistand und gute Ratschläge erfahren habe.

Diese viel persönlichere Gast-Gastgeber-Kultur ist Aline Sommer zufolge vielen Klosterurlaubern deutlich wichtiger als die reine Unterbringungsleistung. Gespräche zwischen den Gästen des Klosters und den Bewohnern seien nicht nur ein gewünschtes Element der Reise, sondern "ein wichtiges Kriterium für die Güte eines solchen Aufenthaltes". Erwartet ein Reisender in seinem Klosterurlaub eine tiefe, persönliche Kommunikation, sollte er das aber bereits vorher bei der Auswahl seines Ziels bedenken: Nicht in jedem Kloster sind Gespräche und Seelsorge für alle Gäste selbstverständlich, in vielen Fällen muss man sich dafür anmelden.

Der Studie von Schulte-Moser und Melchers zufolge wollen Klosterurlauber ihre gewohnte Lebenswelt mit der Klosterwelt vertauschen und einmal nach ganz anderen Prinzipien leben. Das, was man sonst für kurze Zeit beim Lesen eines Buches oder im Kino erlebt – nämlich das Eintauchen in eine andere Welt – soll beim Klosterurlaub Realität werden. "Im Kloster wird eine Welt erwartet, die nicht den Themen folgt, die unser modernes Leben bestimmen", schreiben Schulte-Moser und Melchers, deren Erkenntnisse auf 35 Tiefeninterviews mit unterschiedlichen Klosterurlaubern beruhen. Sie urteilen, dass die "alternative Lebensform als Ganzes" anziehend auf die Besucher wirkt.

Karl-Heinz Jaworski hat schon einige Klostererfahrungen gemacht und schätzt es sehr, in die Gemeinschaft einzutauchen und nach einem festen Rhythmus zu leben. "Ich muss nichts organisieren, es wird für mich gesorgt und so habe ich Zeit zum Nachdenken", schwärmt er. Natürlich sei er auch froh, wenn er wieder in seinen Alltag zurückkehre, aber dieser konservative, alte Rhythmus sei in seiner Sicherheit und Verlässlichkeit faszinierend und deswegen könne er die Sehnsucht vieler Menschen danach nachvollziehen.

Pastorin Marion Römer ist Referentin für "Kirche im Tourismus" bei der hannoverschen Landeskirche.

Wie schwierig der Balance-Akt zwischen Ursprünglichkeit und Moderne, zwischen Authentizität und Attraktivität für die Klöster, Stifte und Konvente sei, betont Marion Römer. Man wolle schließlich den klösterlichen Charme und geistlichen Charakter beibehalten, der die Ausstrahlung des Klosters ausmacht, aber gleichzeitig auch ein wirkliches Zuhause für die Menschen schaffen, die dort leben, so dass sie sich nicht wie in einem Museum vorkommen. "In den evangelischen Frauenklöstern gibt keine Trennung zwischen präsentieren und Zuhause. Die Menschen, die dort leben, laden sozusagen ständig in ihr Zuhause ein."

Für einige Klöster, Stifte und Konvente ist eine Öffnung für Besucher manchmal aber auch wirtschaftlich gesehen der letzte Rettungsring, um den Ort vor der Schließung zu bewahren. Gerade dann, wenn sie sich ohne zusätzliche Unterstützung erhalten müssen. "Das Überleben hängt aber nicht nur an wirtschaftlichen Faktoren", sagt Jaworski, der einige Klöster kennt, bei denen sich der Aufwand und Ertrag zum Anbieten eines Klosterurlaubs die Waage halten. "Viele Klöster sehen die Öffnung auch als neue Form, ihr Selbstverständnis zu leben, sich neue Relevanz zu erobern und so in die Gesellschaft hineinzuwirken."

Es ist außerdem eine Chance im Sinne eines Bildungsauftrags, etwas vom christlichen Glauben zu vermitteln. Es sei, so Marion Römer, natürlich im Interesse der Klöster, dass Menschen kommen und sich für ihre kulturellen Wurzeln interessieren. Es ist auch eine Möglichkeit für den Glauben, wenn bei einer Führung und der Begegnung mit einer dort lebenden Frau etwas vom Leben auf christlicher Grundlage durchscheint. Dadurch könne man Ausstrahlung auf die Gesellschaft haben. Mit unterschiedlichen Angeboten wie zum Beispiel der Reihe "mahl anders – begegnen genießen-hören" werden Menschen in die Klöster und Stifte eingeladen, um diese kennenzulernen.

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Klöster und ihre Gärten

Rosen am und im Kloster

© Toma Babovic/laif

Rosen am und im Kloster

© Toma Babovic/laif

Wie im Märchen von Dornröschen ranken sich romantisch die Rosen um die dicken Steinwänden des evangelischen Augustinerklosters in Erfurt. Verwunschen wirkt der Garten. Eine Rose findet sich auch innerhalb der Klosterwände: Im Löwen- und Papageien-Fenster der Augustinerkirche des Klosters befindet sich im Glas abgebildet das Vorbild der ersten Lutherrose. Der Reformator Martin Luther lebte zwischen 1505 und 1512 als Mönch in dem Erfurter Kloster.

Kultur im Garten

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Wunderschön ist die denkmalgeschützte Gartenanlage um das katholische Stift Neuzelle in Brandenburg. In den Sommermonaten bietet die Stiftung Neuzelle in der Anlage ein umfangreiches Kulturprogramm an. Es gibt Konzerte in den Kirchen, Ausstellungen und das internationale Musiktheaterfestival "Oper Oder-Spree". Ein weiterer Anziehungspunkt ist das Klostermuseum im Kreuzgang, das im Jahr 2009 eröffnet wurde.

Klostergarten

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Im evangelischen Kloster Barsighausen bei Hannover erntet Schwester Christine einen Kürbis. Der Klostergarten bietet reichliche Ernte: Eingekochtes Obst, Säfte und Marmeladen lagern nach der Ernte im Keller. Pastoren und andere Mitarbeiter der Landeskirche haben in dem Kloster auch die Möglichkeit, Früchte ihrer geistigen Arbeit zu ernten. Seit einigen Jahren gibt es integriert in das Klosterleben das "Haus Inspiratio". Christlich engagierte Menschen können hier zur Ruhe kommen, geistig Kraft tanken - auch um Burnout und möglichen Erschöpfungszuständen vorzubeugen. Es stehen mehrere Appartements zur Verfügung. Das Haus ist eines von nur drei Einrichtungen seiner Art in Deutschland.

Kraeutergarten des evangelischen Frauenkloster Stift zum Heiligengrabe

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Das Schild weist darauf hin, dass es hier zum Kräutergarten des evangelischen Frauenklosters Stift zum Heiligengrabe in Brandenburg geht. Das einstige Frauenkloster des Zisterzienserordens wurde im Mittelalter gegründet und bis heute gibt es hier immer noch reges Leben: Achtsamkeit-Meditationen, Yoga, Pilgern, meditative Tänze und Ausstellungen.

Heilung durch Kräuter

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"Kräuter gegen Erkältungskrankheiten" steht auf dem kleinen Schildchen mitten in der Kapuzinerkresse im Kräutergarten des evangelischen Frauenklosters Stift zum Heiligengrabe in Brandenburg. Die Inhaltsstoffe der Pflanze, wie zum Beispiel Senföle, wirken gegen bestimmte Viren und Bakterien. Äußerlich angewendet regt Kapuzinerkresse die Durchblutung an. Ab und an veranstaltet das Kloster Seminare, in denen Interessierte das Wissen und den Gebrauch von Heilkräutern erlernen können. Für den praktischen Teil des Seminars wird der Kräutergarten genutzt, aber auch die Wildnis in der Umgebung.

Taufe im Klostergarten

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Im Garten des evangelischen Klosters Loccum bei Hannover finden immer wieder Tauffeste statt. Bei einem besonders großen Fest im Jahr 2017 wurden der kleine Hannes und 61 andere Kinder im Alter von 4 Monaten bis 12 Jahren getauft. Die Idee kam vom Kirchenkreis Stolzenau-Loccum, nachdem man festgestellt hatte, dass viele Kinder und Jugendliche im Kirchenkreis nicht getauft sind. Pastor Joachim Köhler hatte die zündende Idee, und es entstand ein außergewöhnlicher Gottesdienst .

Kontemplation im Garten

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Kloster Triefenstein liegt westlich von Würzburg. Die evangelische "Christusträger Bruderschaft" hegt und pflegt das jahrhundertealte Gebäude und seine Gartenanlage. Die aktuell 14 dort lebenden Brüder betreiben im Kloster unter anderem ein Tagungs- und Gästehaus. Es ist inzwischen die Haupteinnahmequelle der Bruderschaft. Es kommen viele Menschen nach Triefenstein, die gerade Rückzug von der Welt suchen. Die Gartenanlage bietet Raum für kontemplative Spaziergänge. Manchmal gibt es im Freien auch Gottesdienste und Konzerte.

Märchenerzählen im Kräutergarten

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Die großflächige Gartenanlage im evangelischen Kloster Lüne bei Lüneburg wurde im Jahr 2006 neu angelegt, sie wurde nach altem Vorbild neu gestaltet. Die Gartenanlage soll nach Angaben des Klosters eine Insel der Ruhe und Besinnung, aber auch ein Ort der Begegnung, des Austausches und der Kultur sein. Ab und an erzählt beispielsweise eine Märchenerzählerin im Kräutergarten jungen und alten interessierten Menschen ihre Geschichten.

Vom Kloster zur Schule

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Das Kloster Alpirsbach steht im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Im Garten werden manchmal Führungen für große und kleine "Kräuterdetektive" angeboten. Nach der Einführung des Protestantismus in Württemberg beendete Herzog Christoph 1556 den Alpirsbacher Klosterbetrieb und gründete stattdessen eine evangelische Klosterschule - und auch eine Brauerei. Mönche - und auch Nonnen - spielten im Mittelalter tatsächlich eine wichtige Rolle beim Bierbrauen. Da Äbte des Lesens und Schreibens kundig waren, konnten sie überlieferte Rezepte verfeinern und weitergeben. Heute gibt es einige Biermarken die nach Ordensgemeinschaften benannt sind, beispielsweise das "Alpirsbacher".

Das Kloster bei Neukloster

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Das evangelische Kloster Sonnenkamp ist ein Zisterzienserinnenkloster im Osten des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 1219 wurde dort eine kleinere Siedlung gegründet, aus der das Kloster erwuchs. Aufgrund dessen erhielt die Siedlung bald den Namen Neukloster. Im Jahre 1555 wurde "Sonnenkamp" im Zuge der Reformation säkularisiert und große Teile des ehemaligen Klostergeländes verfielen.

Ein Ort zum Gebet

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Zwei Zisterzienserinnen spazieren durch den Garten ihres Klosters St. Marien zu Helfta in der Lutherstadt Eisleben. Heute leben in Helfta zwölf Schwestern, acht von ihnen haben sich durch ihr Gelübde auf Lebenszeit an den Ort gebunden. Der Garten um das Kloster bietet einen Ort für Austausch miteinander, zum Gebet, oder auch zur Meditation. Ehrenamtliche Helfer können sich auch in die Gartenarbeit einbringen.

Die Bandbreite der Angebote für Klosterurlaube ist beachtlich: von Einkehrtagen und Schweigewochen bis zu Aufenthalten in Hotel-Klöstern mit mehreren Sternen und einem umfassenden Wellness-Angebot ist heutzutage alles möglich. Ebenso groß ist auch die Preisspanne für die Aufenthalte: manche verlangen nur eine Spende und man muss die Bettwäsche selbst mitbringen, bei anderen bezahlt man 100 Euro pro Nacht und hat ein rundum-sorglos-Paket. "Bei einem drei-Sterne-Angebot ist zum Beispiel ein Fernseher auf dem Zimmer Pflicht, aber das gehört für mich nicht zum klassischen Klosterurlaub", so Karl-Heinz Jaworski. Das sei eher ein Urlaub in einem Hotel in alten Gemäuern. Das sieht auch Marion Römer so. Es mache einen Unterschied, "ob man an einem geistlichen Ort ist, an dem Menschen seit Jahrhunderten leben und beten, oder ob man ein ehemaliges Klostergebäude hat, das zwar die Historie hat, aber nicht mehr von einer christlichen Gemeinschaft belebt wird".

Karl-Heinz Jaworski ist  Fachbereichsleiter "Kirche in Freizeit und Tourismus" der württembergischen Landeskirche.

Deswegen empfehlen Römer und Jaworski, das Interessenten sich vor einem Klosterurlaub sehr genau überlegen, was sie wollen. Und dann recherchieren, welches Kloster ihnen das bietet. Informationen darüber findet man beispielsweise in einschlägigen Büchern (z.B. den "Klosterurlaubsführer" von Hanspeter Oschwald), in den Infobroschüren der Landeskirchen (z.B. "Innehalten: Urlaub für die Seele in Klöstern und Einkehrhäusern" von der württembergischen Landeskirche), auf deren Internetseiten oder auch auf der Seite evangelischer Kommunitäten und geistlicher Gemeinschaften im deutschsprachigen Raum.   

Außerdem sollten Interessenten ihre Erwartungshaltung und Vorurteile überprüfen. "Zu den Vorurteilen gegen Klöster zählen insbesondere antiklerikale Ressentiments, etwaige Religionsfeindlichkeit oder das aufgeklärte Ressentiment gegen Spirituelles", schreiben Schulte-Moser und Melchers. Auch Vorurteile über Mönche und Nonnen spuken noch in einigen Köpfen herum. Viele Urlauber würden gar ein Kloster besuchen "in der Erwartung, gewissermaßen auf einem anderen Stern zu landen". Dem ist natürlich nicht so. In den meisten evangelischen Frauenklöstern, die Marion Römer betreut, trifft man noch nicht einmal Nonnen in Tracht, sondern Frauen in ganz normaler Kleidung. Viele sind Witwen oder geschieden, haben Familie und keine Gelübde abgelegt. "Die Frauen leben dort auch nicht in Zellen, sondern in eigenen Wohnungen. Sie essen auch nicht unbedingt alle zusammen. Das gibt es zwar noch, aber nicht überall", so Römer. Gleiches gilt für den strengen Tagesablauf aus Arbeiten, Beten und Schweigen. Das gibt es natürlich, aber nicht jedes Kloster handhabt es so. "Kloster ist eben nicht gleich Kloster."  

Am besten fährt man Karl-Heinz Jaworski zufolge erstmal einen Tag in das Kloster, in dem man Urlaub machen möchte, und sieht sich alles an – sofern es nicht zu weit weg ist. Oder wenn das nicht möglich ist, ruft man im Kloster an und spricht mit den Menschen. So bekommt man ein gutes Bild davon, was einen im Klosterurlaub erwartet "Eine der wichtigsten Fragen, die man sich vorher stellen sollte, lautet: Halte ich das aus?", so Jaworski. "Stille kann unglaublich anstrengend. Nicht jeder packt das. Kein Handy zu haben und nicht erreichbar zu sein, dafür muss man bereit sein." Häufig wird die Zeit im Kloster genutzt, um Abstand zu gewinnen, neue Perspektiven zu finden, wichtige Entscheidungen zu treffen und Erlebnisse aufzuarbeiten. Die Menschen begegnen sich selbst. Und manchmal eben auch Gott.

Dieser Artikel erschien erstmals am 20. August 2018 auf evangelisch.de.

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