TV-Tipp: "Thüringenkrimi: Gerechtigkeit"

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7. Februar, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Thüringenkrimi: Gerechtigkeit"
Mit dem Neustart der Reihe als "Thüringenkrimi" betont der Sender den regionalen Faktor, bleibt der personellen Konstellation jedoch treu: hier eine etwas eigenwillige Rechtsmedizinerin, die sich gern in die Ermittlungen einmischt, dort ein Hauptkommissar, dem das zwar nicht passt.

ARD und ZDF sind vor einiger Zeit dazu übergegangen, bei Reihen und Serien die zentrale Besetzung stillschweigend auszuwechseln. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass die Sender nicht auf eine eingeführte Marke verzichten wollen, bloß weil ein Schauspieler neue Herausforderungen sucht; ein Geschmäckle hat’s trotzdem. Für "Theresa Wolff" hat das ZDF einen sehr eleganten Kompromiss gefunden.

Nina Gummich wäre ohnehin nicht zu ersetzen gewesen, zumal sie die Titelfigur auf ganz spezielle Weise und im Grunde unnachahmliche Weise verkörpert hat. Mit dem Neustart der Reihe als "Thüringenkrimi" betont der Sender den regionalen Faktor, bleibt der personellen Konstellation jedoch treu: hier eine etwas eigenwillige Rechtsmedizinerin, die sich gern in die Ermittlungen einmischt, dort ein Hauptkommissar, dem das zwar nicht passt, aber die kriminalistische Expertise der Ärztin nötigt ihm doch Respekt ab.

Während Wolff als Eigenbrötlerin gewisse Defizite bei der sozialen Kompetenz hatte, weshalb ihr die Toten näher waren als die Lebenden, ist die frisch aus Dublin eingetroffene Mala Murphy herzlich und empathisch. Ihre Sprachnachrichten an den Sohn lassen allerdings erahnen, dass sich hinter der Fröhlichkeit eine düstere Seite verbirgt. Weil die in Österreich aufgewachsene Emily Cox die Tochter eines Briten und einer Irin ist, konnte die Rolle um entsprechende biografische Details ergänzt werden.

Da auch Aurel Manthei die Reihe verlassen hat, haben gleich beide Hauptfiguren eine neue Ausrichtung bekommen: Golo Euler versieht den offenbar auf eigenen Wunsch aus Erfurt nach Jena versetzten Kommissar Moritz Herbst im Unterschied zum Vorgänger, der seinen Kommissar eher kantig angelegt hat, mit einer sympathischen heiteren Note. Im Team geblieben ist Sahin Eryilmaz als Ceyhan Topal. Die beiden Ermittler kennen sich von früher und sind mehr als bloß Kollegen.

Topals Hoffnung, die neue Rechtsmedizinerin werde nicht ebenfalls mit den Toten sprechen, bleibt jedoch ein frommer Wunsch: Dieses Rollenmerkmal hat Autorin Khyana el Bitar auch für Murphy übernommen. In ihrem ersten Fall ist das zudem weit mehr als eine Marotte, denn die Leiche auf ihrem Autopsietisch birgt ein Geheimnis. Wie in den Filmen mit Nina Gummich taucht die Frau auch leibhaftig in den Räumen des Instituts auf, sodass aus der einseitigen Ansprache ein Dialog wird, selbst wenn die von Janina Stopper kühl und mysteriös angelegte Sophie Nöll die Antworten schuldig bleibt.

Die Ärztin hat eine besondere Beziehung zu ihrem Obudktionsobjekt: Die Familienrichterin ist bei einem Autounfall gestorben, Murphy war zufällig als erste am Unfallort. Weil sie Fotos der Leiche gemacht hat, wurde sie gleich mal mit auf die Wache genommen. Die Umstände sind zunächst rätselhaft, die Frau ist ungebremst gegen einen Baum gefahren. Ein anderer Autofahrer hat einen Blitz wahrgenommen, und tatsächlich ergibt die Untersuchung der Netzhaut, dass Nöll offenbar gezielt geblendet worden ist. Wegen ihrer oft umstrittenen Sorgerechtsurteile hat sie ständig Hass-Mails und Morddrohungen bekommen; entsprechend umfangreich ist die Liste der Verdächtigen.

Regie führte Judith Kennel, die unter anderem die ZDF-Reihe "Unter anderem Umständen" geprägt hat. Nennenswerte gestalterische Akzente setzt ihre Inszenierung allerdings nicht. Sehenswert ist "Gerechtigkeit" daher neben der clever konzipierten Krimistory vor allem wegen der Arbeit mit dem Ensemble, zumal auch die Nebenfiguren stärker in den Vordergrund rücken. Davon profitiert vor allem Peter Schneider. Als Kollege von Theresa Wolff neigte Rechtsmediziner Zeidler stets zu einer gewissen Unleidlichkeit.

Im Umgang mit der von ihm rückhaltlos als Koryphäe bewunderten Mala Murphy erweist er sich als vollendeter Gentleman. Auch Sahin Eryilmaz, ohnehin ein Schauspieler von enormer Präsenz, hat dank deutlich mehr zu tun. Trotzdem lebt der Film in erster Linie von dem Rätsel, das der Leichnam der verstorbenen Richterin darstellt. Sie galt als "tough cookie"; einen Mann in gleicher Position hätte man früher als "harten Hund" bezeichnet.

Der Körper verrät Murphy jedoch, dass es in der Frau buchstäblich ganz anders aussah, doch den eigentlichen und in der Tat völlig überraschenden Knüller hat sich el Bitar für den Auftakt zum letzten Akt aufgehoben. Diese Verzögerungstaktik ist typisch für ihr Drehbuch: Gleich mehrere Sachverhalte werden zunächst bloß angedeutet, und nicht alle sind bis zum Schluss geklärt. Dazu gehört auch der Running Gag des Films: Angeblich hatte Murphy mal eine Affäre mit keinem Geringeren als Ed Sheeran.