Weisheit, Wissenschaft und Wirtschaft: Die Klöster haben wichtige Impulse in die Gesellschaft gegeben. So kommt das Wort "Mönch" etwa vom altgriechischen "monachos" und das wiederum von "monos", "einzeln". Es betont damit die Unabhängigkeit der Mönche von der weltlichen Gemeinschaft. Die ersten Mönche waren Einsiedler, die in die ägyptische Wüste zogen, um der Welt zu entfliehen.
Dass unter ihnen auch Frauen waren, ist weniger bekannt. Ein Zeitgenosse berichtet von fast 3.000 Frauen, die im 5. Jahrhundert dort lebten. In den Sprüchen der Wüstenväter sind auch 47 enthalten, die von Frauen stammen: zum Beispiel von Synkletika von Alexandria oder Sara, der Einsiedlerin.
Für Frauen war das Ordensleben auch deshalb attraktiv, weil es einer der wenigen Zugänge zur Bildung war. Die Mädchen kamen oft schon mit sieben Jahren in die Klosterschule und bekamen dort eine gute Ausbildung. Hrosvit lebte nach 930 im Stift Gandersheim in Niedersachsen. Sie schrieb Dialoge und ein Geschichtswerk über Otto den Großen auf Latein. Bekannter ist Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert ihre Visionen vom Aufbau der Welt und ihre Kenntnisse der Heilkunde auf Deutsch verfasste.
Eine Generation später ordnete und erklärte die Äbtissin Herrad von Landsberg das Wissen ihrer Zeit in einer großen lateinischen Enzyklopädie, die sie selbst illustrierte. Um kranke Menschen aufzunehmen und zu versorgen, fingen die Klöster an, das medizinische Wissen ihrer Zeit zu sammeln und zu vermehren. Das Lorscher Arzneibuch von 785, das aus einer Benediktinerabtei aus Worms stammt, ist ein sehr altes Beispiel dafür.
Vollständigstes erhaltenes Kloster in Maulbronn
Das Ideal eines Klosterbaus beschreibt der Klosterplan von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert, auf dem mit roter Tinte ein unbekannter Mönch den Grundriss eines Klosters mit allen Nebengebäuden auf helles Pergament zeichnete, insgesamt 40 Gebäude von Kirche bis zum Krankenhaus, den Gärten und Tierställen.
Was viele Jahrhunderte eine Idee war, wird nun umgesetzt: In der Nähe von Meßkirch betreibt ein Verein den Campus Galli: Dort arbeiten Menschen mit der Ausrüstung des Mittelalters, um ein Kloster nach dem St. Galler Plan aufzubauen. Die mittelalterliche Baustelle gibt heutigen Menschen einen lebhaften Einblick in den Alltag im Mittelalter.
Fontevraud im Loire-Tal ist das größte Klostergebäude Europas, eine "Klosterstadt". Es ist ein Doppelkloster, in dem Nonnen und Mönche in jeweils eigenen Bereichen wohnten und sich nur die Kirche teilten. Von allen mittelalterlichen Klöstern nördlich der Alpen hat sich das Zisterzienserkloster Maulbronn am vollständigsten erhalten. Deswegen und wegen seiner Schönheit wurde es zum Weltkulturerbe der Unesco ernannt.
Älteste Klosterbrauereien befinden sich in Bayern
"Flüssiges bricht das Fasten nicht." Nach diesem Merksatz durften die Mönche im Kloster auch in der Fastenzeit Bier trinken, was ihnen sicher half, durch diese Zeit zu kommen. Als älteste Klosterbrauerei der Welt bezeichnet sich die Abtei Weltenburg in Bayern. Seit 1050 wird dort Bier gebraut. Die Brauerei Weihenstephan erhielt schon 1040 das Braurecht, sie war ursprünglich eine Klosterbrauerei, gehört aber seit der Säkularisation 1803 dem bayerischen Staat.
Heute leben in ganz Deutschland noch etwas über 3.000 Männer und über 9.000 Frauen in etwa 350 Männer- und 900 Frauenklöstern. Sie sind im Durchschnitt 75 Jahre alt, und jedes Jahr werden es 1.000 weniger, heißt es in dem Buch. Dagegen entscheiden sich pro Jahr nur etwa 20 Männer und 45 Frauen ins Noviziat einzutreten. Das traditionelle Klosterleben ist selten geworden, aber zugleich steigt die Zahl derer, die sich "auf Zeit" in ein Kloster zurückziehen oder an Kursen teilnehmen. Sie suchen dort geschwisterliche Gemeinschaft, einfaches Leben. Oder einfach nur: Stille.


