Entwicklungsorganisationen befürchten Blockade der USA bei G7-Gipfel

Mit Blick auf den G7-Gipfel in Kanada fordern Entwicklungsorganisationen von den sieben wichtigsten Industriestaaten deutliche Fortschritte bei Geschlechtergerechtigkeit, globaler Gesundheit, Ernährung, Klimaschutz und Entwicklungsfinanzierung.

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Zu den G7 gehören die Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Trump lehnt das Pariser Klima-Abkommen ab.

Mit Blick auf den G7-Gipfel in Kanada fordern Entwicklungsorganisationen von den sieben wichtigsten Industriestaaten deutliche Fortschritte bei Geschlechtergerechtigkeit, globaler Gesundheit, Ernährung, Klimaschutz und Entwicklungsfinanzierung.

"Wir müssen auf die Staats- und Regierungschefs Druck ausüben", sagte Luise Steinwachs, Vorstandsmitglied des Verbands Entwicklungspolitik (Venro), dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Verband repräsentiert 120 kirchliche und private Organisationen in Deutschland. Mit großer Skepsis schaut Steinwachs auf US-Präsident Donald Trump: "Eine Blockade-Haltung der USA ist nicht auszuschließen."

Auf die Frage, ob sieben der reichsten Wirtschaftsmächte legitimiert seien, globale Politik zu gestalten, sagte die Soziologin: "Die G7-Staaten müssen sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und am Pariser Klima-Abkommen orientieren." Zu den 17 Nachhaltigkeitszielen gehört die Bekämpfung von Hunger, Armut, Ungleichheit und Umweltzerstörung bis 2030. Die Staats- und Regierungschefs treffen am 8. und 9. Juni im kanadischen La Malbaie zusammen. Zu den G7 gehören die Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Trump lehnt das Pariser Klima-Abkommen ab.

"Es darf nicht bei schönen Worten bleiben"

Bloßen Lippenbekenntnissen der G7-Staaten erteilte die Soziologin eine Absage. "Es darf nicht bei schönen Worten bleiben. Wir als Zivilgesellschaft müssen fordern, dass vollmundigen Erklärungen auch Taten folgen", erklärte Steinwachs, die beim evangelischen Hilfswerk "Brot für die Welt" das Referat für Ernährungssicherheit leitet. Die G7-Beschlüsse müssten verbindlicher als reine Willensbekundungen sein, und ihre Umsetzung stärker überprüft werden.

So hätten die Staats- und Regierungschefs beim G7-Gipfel in bayerischen Elmau 2015 vereinbart, 500 Millionen Menschen bis 2030 von Hunger zu befreien. Aber die Zahl der Hungernden sei inzwischen wieder auf über 800 Millionen Menschen gestiegen: "Das läuft in die falsche Richtung."

Zur Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern sagte Steinwachs: "Wichtig ist, dass Frauen und Mädchen vor Gewalt, besonders sexualisierter Gewalt, geschützt werden, auch in Krisengebieten." Beim globalen Thema Gesundheit für alle, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sehr hochhalte, müsse es klare Finanzzusagen geben. Ein sehr positiver Punkt wäre nach ihren Worten, wenn die G7-Regierungschefs und die anderen zu einem Meeresgipfel geladenen Staatschefs konkrete Beschlüsse zum Schutz der Ozeane fassen würden.

Das Hilfswerk World Vision, das auch Mitglied bei Venro ist, forderte die G7 auf, sich stärker für Frieden und Gewaltprävention einzusetzen. "In Konfliktländern muss Friedenspolitik viel früher ansetzen", erklärte die Organisation am Mittwoch. "Eine vorausschauende Friedenspolitik, die die Ursachen von Krisen frühzeitig identifiziert und adressiert, ist dringend geboten." Die Staats- und Regierungschefs der G7-Länder müssten zudem dafür sorgen, dass Kinder auch in lang anhaltenden Krisen und Konfliktgebieten zur Schule gehen können. "Gerade in Zeiten der Instabilität sind Schulen mehr als ein Ort zum Lernen." Der Appell: Für Bildung in Krisen sollen über drei Jahre hinweg zusätzlich 1,3 Milliarden Dollar (gut 1,1 Milliarden Euro) bereitgestellt werden. Davon könnten 3,7 Millionen Kinder pro Jahr profitieren.