Beteiligung an Kirchenvorstandswahlen in Niedersachsen gesunken

14- und 15-jährige Erstwähler setzen starkes Zeichen gegen Abwärtstrend
Abwärtstrend bei den evangelischen Kirchenvorständswahlen in Niedersachsen

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Ein starkes Zeichen gegen den Abwärtstrend bei den evangelischen Kirchenvorständswahlen in Niedersachsen setzten nach Angaben eines Sprechers die 14- und 15-Jährigen, die in den großen Landeskirchen erstmals wählen durften.

An den Wahlen zu den evangelischen Kirchenvorständen in Niedersachsen haben sich weniger Menschen beteiligt als vor sechs Jahren. In den größten Landeskirchen Hannover, Oldenburg und Braunschweig sank die Wahlbeteiligung insgesamt um mehr als drei Prozent, teilten die Pressesprecher der Kirchen am Montag mit. Aus der Landeskirche Schaumburg-Lippe und der reformierten Kirche mit Sitz in Leer lagen zunächst keine konkreten Zahlen vor.

Ein starkes Zeichen gegen diesen Abwärtstrend setzten nach Angaben eines Sprechers die 14- und 15-Jährigen, die in den großen Landeskirchen erstmals wählen durften: In Hannover gingen knapp 9.400 Jugendliche unter 16 Jahren zur Wahl. Das sind mehr als 35 Prozent in dieser Altersgruppe. In Oldenburg gaben 1.048 der 14- und 15-Jährigen (11,8 Prozent) ihre Stimme ab. In Braunschweig wählten von den 6.500 Wahlberechtigten unter 16 Jahren fast 22 Prozent.

In den drei großen Landeskirchen mit zusammen rund 2,8 Millionen Wahlberechtigten gingen rund 443.700 Menschen zur Wahl. Die Wahlbeteiligung lag in Hannover bei 15,3 Prozent (-3,3 Prozent), in Braunschweig bei 19,3 Prozent (-3,2 Prozent) und in Oldenburg bei 11,3 Prozent (-2,93 Prozent).

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister dankte "den vielen kreativen und hochmotivierten Kirchenmitgliedern", die er bei seinen Besuchen im Vorfeld der Wahl und am Wahltag selbst erlebt habe. "Leider schlägt sich dieses Engagement nicht in der Wahlbeteiligung nieder. Wir werden jetzt sorgfältig schauen, wo die Gründe für dieses Ergebnis liegen", sagte der Theologe. Besonders hob der Bischof die Wahlbeteiligung der Jugendlichen hervor, die wesentlich über der durchschnittlichen Beteiligung gelegen habe.

Der Vertreter im oldenburgischen Bischofsamt, Oberkirchenrat Thomas Adomeit, würdigte das große Engagement der Kirchengemeinden: "Viele evangelische Christinnen und Christen fühlen sich mit ihrer Kirchengemeinde eng verbunden." Die Wahlen, wie auch die Wahrnehmung des Wahlrechts, seien ein Ausdruck der Demokratie in Kirche.

Der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns dankte allen, die sich zur Wahl gestellt hatten und gratulierte den Gewählten. Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher hätten ein wichtiges Leitungsamt in der evangelischen Kirche inne, sie seien ein "Knotenpunkt für Beziehungen". Durch sie komme der Alltag der Menschen in die Kirche: "Die Arbeit im Kirchenvorstand ist dann erfolgreich, wenn die verschiedenen Perspektiven miteinander in Verbindung kommen."

Zum ersten Mal konnten am Sonntag die rund 3,1 Millionen wahlberechtigten Mitglieder aller fünf niedersächsischen Kirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und der reformierten Kirche ihre Stimmen am gleichen Tag abgegeben. Es kandidierten rund 20.000 Bewerber für die rund 16.000 Ämter in den kirchlichen Leitungsgremien. Pastorinnen und Pastoren sind von Amts wegen Mitglieder in den Vorständen. Die Kirchenvorsteher, Gemeindekirchenräte oder Presbyter stellen Mitarbeiter ein, geben Gebäudesanierungen in Auftrag, beschließen den Haushalt oder kümmern sich um Kindergärten und Friedhöfe. Gewählt werden sie derzeit für sechs Jahre.