Gegen einen geplanten Auftritt des Thüringer AfD-Parteichefs Björn Höcke am kommenden Sonntag (15. Februar) in der Allgäuer Kleinstadt Lindenberg (Landkreis Lindau) regt sich weiter Widerstand.
Stadt und Zivilgesellschaft wollen den Auftritt verhindern und rufen zu Kundgebungen und einem Demonstrationszug auf, an dem sich auch die christlichen Kirchen beteiligen. Er wolle in seiner Rede über den Sinn einer diversen Gesellschaft sprechen, in der Minderheiten nicht ausgeschlossen würden, sagte Pfarrer Harald Lorenzen am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage.
Auch im oberfränkischen Seybothenreuth (Landkreis Bayreuth), wo ebenfalls ein Auftritt Höckes geplant war, haben AfD-Gegner zu einer Demonstration aufgerufen.
Lindenberg werde am Sonntag in hellem Aufruhr sein, sagte Lorenzen weiter. Die gesamte Innenstadt sei dann abgesperrt. "Höcke wird wahrscheinlich ja wirklich kommen." Der AfD-Kreisverband Westallgäu-Lindau will am Sonntag im städtischen Löwensaal seine Kandidaten für die Kommunalwahl am 8. März vorstellen. Höcke soll dort laut Kreisverband als Hauptredner auftreten, weswegen die Stadt die Überlassung der Halle an die Partei widerrufen hatte. Diesen Widerruf kassierte das Augsburger Verwaltungsgericht jedoch wieder ein: Es sah aufgrund des Gleichbehandlungsgebots von Parteien keine Möglichkeit, die Vermietung der Halle rückgängig zu machen.
Spaenle: Lindenberg handelt klar gegen einen Rechtsextremen
Die Entscheidung der Augsburger Richter könne er nicht nachvollziehen, sagte der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle am Donnerstag. Denn der thüringische AfD-Parteichef Höcke, der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingeschätzt wird, sei wegen der Verwendung einer verbotenen NS-Parole rechtskräftig verurteilt. Nach Informationen der "Allgäuer Zeitung" hat die Stadtverwaltung am Donnerstag offiziell ein Redeverbot für Höcke ausgesprochen. Es werde allerdings damit gerechnet, dass der AfD-Kreisverband erneut Klage einreichen wird, was wohl ein weiteres Eilverfahren beim Verwaltungsgericht zur Folge hätte.
Spaenle begrüßte am Donnerstag das Redeverbot für Höcke. Der AfD-Politiker sei wegen rechtsextremistischer Äußerungen verurteilt: "Die Stadt handelt klar gegen einen Rechtsextremen." Spaenle dankte der Stadt Lindenberg für deren "gradliniges Handeln für Demokratie und den Schutz der Menschenwürde". Er selbst will an der Veranstaltung der Stadt und der demokratischen Kräfte der Region am Sonntag teilnehmen. Die Demo "Nein zu Björn Höcke in Lindenberg" findet laut dem Bündnis "Solidarisches Allgäu" um 15.30 Uhr im Stadtpark Lindenberg statt.
Verwaltungsgericht: nur ohne Höcke
In Seybothenreuth ist der Fall ähnlich, aber etwas anders gelagert. Am Donnerstag entschied das Verwaltungsgericht per Eilverfahren, dass der AfD-Kreisverband Bayreuth seine Veranstaltung in der Mehrzweckhalle nur ohne Höcke als Gastredner durchführen darf. Damit wurde ein Eilantrag des Kreisverbands abgelehnt, wie das Verwaltungsgericht mitteilte.
Bei der Begründung stützten sich die Richter auf die bayerische Gemeindeordnung: Nach dieser bestehe "kein Anspruch auf die Nutzung einer gemeindlichen öffentlichen Einrichtung, wenn bei der geplanten Veranstaltung Inhalte, die die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigen, verherrlichen oder rechtfertigen, oder antisemitische Inhalte zu erwarten sind". Bei Höcke habe für das Gericht eine "hinreichend hohe Wahrscheinlichkeit für eine solche Erwartung" vorgelegen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Beteiligten können Beschwerde zum bayerischen Verwaltungsgerichtshof einlegen.
Gegen Faschismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit
Spaenle begrüßte am Donnerstag das Redeverbot für Höcke in Lindenberg wie auch in Seybothenreuth. Der AfD-Politiker sei wegen rechtsextremistischer Äußerungen verurteilt. Darum handelten die Städte "klar gegen einen Rechtsextremen". Spaenle dankte ihnen für ihr "gradliniges Handeln für Demokratie und den Schutz der Menschenwürde". Er selbst will an der Veranstaltung der Stadt und der demokratischen Kräfte der Region am Sonntag in Lindenberg teilnehmen.
Die Demo "Nein zu Björn Höcke in Lindenberg" findet laut dem Bündnis "Solidarisches Allgäu" um 15.30 Uhr im Stadtpark statt.
Die Einladung des "vermeintlich bundesweit radikalsten AfD-Politikers" macht die politische Ausrichtung des AfD-Kreisverbands deutlich, teilte das Bündnis auf seiner Homepage mit. Man wolle gegen Höckes Auftritt sowie gegen jede faschistische, rassistische und menschenfeindliche Ideologie demonstrieren. Die Demonstration sei "getragen von der Überzeugung, dass Demokratie nur dort Bestand hat, wo Menschen bereit sind, sie aktiv zu verteidigen". Laut Pfarrer Lorenzen wird es einen Zug durch die Stadt geben, an ausgewählten Stationen würden Reden gehalten.
Dieser Text wurde erstmals am 12.02.2026 veröffentlicht und anschließend aktualisiert.


