Nordkirche übt Argumentieren gegen rechte Parolen

Bank mit Aufschrift "Kein Platz für Rassismus"
Solveig Grahl/Solveig Grahl
Was tun gegen die immer gleichen rechten Parolen? Ein Workshop bei der Landessynode der Nordkirche gab Antworten.
Workshop für Synodale
Nordkirche übt Argumentieren gegen rechte Parolen
Rechte Parolen begegnen einem im Alltag immer mehr. Wie Vertreter der Nordkirche darauf reagieren können, haben sie auf der Synode in einem Workshop geübt.

"Es gibt keine Gruppe, in der es uns nicht mehr begegnet", erzählt eine Kirchenparlamentarierin. Es geht um rechte Parolen, um Hass und Hetze. Damit sich die Synodalen der evangelischen Nordkirche künftig weniger sprachlos fühlen, haben sie bei der Februartagung in Lübeck-Travemünde den Workshop "Argumentieren gegen rechte Parolen" mit dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus (RBT) aus Lübeck gemacht. "Es ist wichtig, dass wir der Normalisierung solcher Parolen im eigenen Alltag und Kontext entschlossen entgegentreten", erklärt Johannes vom RBT.

Es beginne bereits dort, wo Sprüche fallen, sagt das RBT-Team. Laut Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung geht die Entwicklung hin zu einer Normalisierung rechter Parolen. So empfinden es auch die Synodalen, die von versteckten Parolen, von pauschalen und verallgemeinernden Herabwürdigungen berichten, denen sie im Alltag begegnen.

Ob TikTok-Videos mit "Hitlergruß", die bei einer Konfirmandenreise gedreht wurden, oder der Vorwurf der "linksversifften Kirchen, in der Frauen auf die Kanzel dürfen" - die Erfahrungen sind vielfältig. "Wir müssen als Demokraten unsere Verfassung verteidigen, mit konkreten Antworten", sagt einer von ihnen. Doch leicht scheint das nicht, denn eine andere Synodale betont: "Ich fühle mich oft sprachlos in diesen Situationen."

Eigene Haltung definieren

Rechte Parolen knüpfen an die Ideologie der Ungleichwertigkeit an, betont das RBT-Team. Dazu gehöre gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit durch biologischen Rassismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus oder auch Sexismus und Antifeminismus. Zudem gebe es eine politische Dimension, die parlamentarische Demokratie ablehnt, die NS-Diktatur befürwortet sowie Gewalt akzeptiert und Nationalchauvinismus verbreitet.

Wie Menschen rechten Parolen begegnen könnten, zeigt Saskia vom RBT im zweiten Übungsteil des Workshops: Ein erster Schritt sei, eine eigene Haltung zu definieren, die dann in konkreten Situationen abrufbar ist. Viele seien immer wieder überrascht, dass "plötzlich all das nicht mehr heimlich passiert", erklärt sie.

Fragen stellen - und nachfragen und hinterfragen

Es gehe gar nicht immer darum, das Gegenüber zu überzeugen. Es sei aber wichtig zu zeigen, dass Widerspruch da ist. Saskia: "Es nicht bei Schlagworten belassen, sondern persönlich definieren und auch sagen, warum etwas für mich persönlich nicht passt."

Eine Strategie für das Argumentieren sei es, Fragen zu stellen und das Gegenüber nicht direkt zu konfrontieren, erklärt Saskia. "Nachfragen und Hinterfragen verschaffen Zeit, in der wir das Gespräch in die eigene Hand nehmen können." Mit der Frage danach, wer in Behauptungen etwa "Die" oder "Alle" sind, könnten etwa Pauschalisierungen zurückgewiesen werden. Auch nach Quellen zu fragen und sie gemeinsam einzuordnen, sei ein Weg.

Eine gute Frage: "Wie betrifft Dich das persönlich?"

Ein weiteres Hilfsmittel könne sein, auf einem Thema zu bestehen und ein Ausweichen nicht zuzulassen. Auch mit der Frage "Wie betrifft Dich das persönlich?" von der Sach- auf die Beziehungsebene zu wechseln, sei eine Strategie. Ebenso der Versuch eines Perspektivwechsels: "Wie würdest Du Dich fühlen?"

Im Anschluss probieren die Synodalen in Kleingruppen und Rollenspielen die Strategien aus. "Wir waren überrascht, wie gut unser Gegenüber die rechten Parolen gespielt hat", erzählt eine Synodale. "Vielleicht hören wir sie wirklich alle schon viel zu oft." Eine andere berichtet von einem Austausch in ihrem Alltag. Dort habe die Strategie mit der Beziehungsebene funktioniert.

Saskia betont noch einmal: "Es ist Übungssache!" Das RBT-Team ermutigt die Synodalen sich Menschen zu suchen, mit denen sie immer wieder die Strategien ausprobieren können. Damit sie in konkreten Situationen weniger sprachlos und verzagt, sondern schlagfertig sind.

Das RBT bietet mobile, aufsuchende Beratung gegen Rechtsextremismus in allen Bundesländern und ist in einem Netzwerk organisiert. "Alle Menschen können sich an uns wenden, ob Einzelpersonen, Schulen, Vereine oder Kirchengemeinden", erklärt Johannes. In einem rund dreistündigen Workshop wird dann über Beispiele gesprochen und konkrete Gesprächssituationen werden in Rollenspielen geübt.