TV-Tipp: "Steirerwahn"

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12. Februar, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Steirerwahn"
Es geht um Hochprozentiges in diesem Steirer-Krimi. Geheimnisvolle Schnapsbrenner, die keineswegs friedlich sind. Die teils etwas weitschweifig erzählte Geschichte erhält durch spektakuläre Effekte ihren Kontrapunkt.

"Steirerrausch" hätte auch gepasst, wie sich später zeigt, denn Alkohol spielt in dieser Geschichte eine nicht unerhebliche Rolle, aber der Titel war bereits vergeben; so hieß Claudia Rossachers neunter Fall über die Mordermittlungen in der Steiermark. Die ARD-Reihe hat sich jedoch längst von den Vorlagen emanzipiert, und das nicht nur, weil die eigentliche Hauptfigur der Bücher, Sandra Mohr, bereits seit Jahren gar nicht mehr in den Filmen mitwirkt.

Das Drehbuch zu "Steirerwahn", wie stets gemeinsam von Maria und Wolfgang Murnberger verfasst (er führt wie immer auch Regie), basiert immerhin wieder auf einem Rossacher-Roman; das war zuletzt einige Male nicht der Fall.
Das Besondere an diesem dreizehnten Steirerkrimi ist jedoch ein anderer Aspekt: Drohnen haben nicht nur die Kriegsführung, sondern auch das Filmemachen erheblich verändert. Wo früher Krane oder womöglich gar Hubschrauber für Aufnahmen aus der Vogelperspektive nötig waren, genügt heute ein kleines motorisiertes Fluggerät.

Das Ehepaar Murnberger hat sich die Technik auch inhaltlich clever zunutze gemacht. Die Adaptionen sind ja ohnehin nicht unbedingt werkgetreu; das in den Büchern ausführlich thematisierte Privatleben des Ermittlerduos zum Beispiel wird in den von der ARD-Tochter Degeto und dem österreichischen ORF koproduzierten TV-Krimis nicht mal mehr angedeutet. Auch die Mordmethoden unterscheiden sich.

Gemeinsam sind der Vorlage und ihrer Umsetzung im Grunde nur der Handlungskern: Vor 15 Jahren haben sich einige Obstbauern zu einer Gemeinschaft von Apfelbrennern zusammengeschlossen. Sie stellen ein Destillat her, das im Unterschied zum herkömmlichen Apfelschnaps zu hundert Prozent aus Äpfeln besteht und ohne den Zusatz von Zucker auskommt. Der Edelbrand ist exquisit und kostspielig. Von außen wirkt das Bündnis zudem wie ein Geheimbund. Die Zahl der Mitglieder ist auf zehn begrenzt, es handelt sich ausschließlich um Männer, und die Zeremonien, bei denen sie in Kutten gekleidet sind, erinnern an Rituale. So beginnt der Film auch: Die vermeintlichen Mönche wandern mit Fackeln in der Hand durch ein Gewölbe.

Den Wortführer der Gruppe verkörpert Harald Krassnitzer, was den Mann prompt verdächtig macht, bevor die Geschichte überhaupt richtig losgeht: Wenn der beliebte Österreicher jenseits des "Tatort" aus Wien in einem Krimi mitspielt, dann so gut wie nie als Sympathieträger; auch Apfelbauer Posch ist Choleriker, der in der Tat Dreck am Stecken hat. Ähnlich mysteriös wie die Einführung der Brenngemeinschaft ist der parallel erzählte Todesfall: Ein Mann fegt Holzreste von einem Feldweg und geht plötzlich in Flammen auf. Die Kriminaltechnik steht vor einem Rätsel: Es gibt keinerlei sichtbare Hinweise auf Fremdeinwirkung.

Nach dem Thriller-Auftakt wandelt sich der Tonfall, fortan entspricht "Steirerwahn" den üblichen Krimi-Gepflogenheiten; abgesehen vom nächsten Mord wird’s erst wieder zum Finale richtig spannend. Bis dahin ist der Film ausgesprochen textlastig, weil es viel Erklärungsbedarf gibt. Zum Glück sorgt Sascha Bergmann vom LKA Graz mit seinen von Hary Prinz staubtrocken vorgetragenen Kommentaren für viel makabre Heiterkeit. Das erste Todesopfer gehörte zum Brennerbund. Kurz darauf werden zwei weitere Mitglieder während der Jagd auf einem Hochstand attackiert, und nun offenbart Murnberger die perfide Mordmethode: Der Angriff erfolgt durch eine zum Flammenwerfer umfunktionierte Drohne. Die entsprechenden Aufnahmen sind spektakulär.

Einer der beiden Männer hat mit Glück überlebt. Dank seiner Zeichnung des feuerspuckenden Fluggeräts lässt sich der Kreis der Verdächtigen eingrenzen, denn ein Gefährt dieser Größenordnung ist weitaus weniger verbreitet als die herkömmlichen Drohnen. Dass ein recht früh als Hauptverdächtiger angebotener jugendlicher Brandstifter nicht der Täter ist, versteht sich sowieso von selbst: Der junge Mann ist zwar bockig, aber nach Ansicht seines Therapeuten auf einem guten Weg.

Den Psychologen verkörpert Stephan Luca, weshalb sich gut nachvollziehen lässt, dass Bergmanns Kollegin Anni Sulmtaler (Anna Unterberger) großen Gefallen an dem Mann findet; er greift aber erst zum dramatischen Finale wieder ins Geschehen ein. Vorher macht der Film einen großen Umweg: Vor einem Jahr ist einer aus dem Bündnis ausgeschert, um seinen eigenen Apfelbrand herzustellen; davon waren die anderen natürlich nicht begeistert. Bald ist darauf hatte sich die Sache erledigt, als er durch ein tödliches Missgeschick ums Leben kam, und natürlich liegt die Antwort auf die Fragen der Gegenwart in der Vergangenheit.