Ein intensiver Duft nach Essen zieht durch den Kirchenraum der Jugendkirche LUX in Nürnberg. Auf einem großen Tisch in dem modernen, multifunktionalen Raum stehen drei Raclette-Grills, dazwischen Schüsseln mit Gemüse, Brot, Garnelen und Bratwürsten. 13 junge Menschen - die meisten aus Kirchengemeinden im Nürnberger Nordosten - essen zusammen und tauschen sich aus, meistens über ihre Hobbys, die den Großteil ihres Alltags bestimmen.
Diese sind es auch, die die Idee zu dem einwöchigen Konfirmations-Intensivkurs gegeben haben. "Wir hatten Anfragen von Jugendlichen, die beim normalen Kurskonzept, also an Freitagen oder Samstagen, einfach keine Zeit hatten", erzählt Pfarrer Sebastian Ludvigsen-Lohse von der Kirchengemeinde St. Bartholomäus. Alle von ihnen eint, dass sie stark mit Sport, Musik oder anderen Hobbys eingebunden sind. "So kam die Idee, ob wir für diese vielfach engagierten Jugendlichen nicht einen Kompaktkurs anbieten sollen."
In den Faschingsferien wurde das neue Konzept zum ersten Mal ausprobiert: sechs Tage voll mit Gruppenarbeit, Ausflügen, kreativen Aktionen und Reflexionsrunden. "Wir haben genau überlegt, was uns wichtig ist und was wir weitergeben wollen", sagt Ludvigsen-Lohse.
Konzipiert hat den Intensivkurs die Religionspädagogin Inga Ludvigsen, die für die Konfirmandenarbeit in den Gemeinden zuständig ist. Neben inhaltlichem Input gehören auch Ausflüge zu einem Bestatter und zu einer Klinikseelsorgerin dazu, genauso wie das tägliche gemeinsame Kochen und Essen.
Alternative für Jugendliche mit vielen Hobbys
"Die Gemeinschaft hier ist toll, alle sind nett", findet Oskar (13), der nicht nur in einem Nürnberger Verein Feldhockey spielt, sondern auch im Leistungskader des Bayerischen Hockey-Verbands. Mehrmals die Woche hat er Training, an den Wochenenden oft Spiele. "Ich will an meinem Glauben festhalten", sagt er, deshalb passt für ihn das Alternativ-Angebot perfekt.
Elena ist 16 und hat die Konfirmation bisher "irgendwie verpasst". Sie ist schon in der Oberstufe, muss viel lernen und hat fünfmal die Woche Sport, Cheerleading und Tennis, dazu spielt sie Theater. "Ich finde es wichtig, mehr über Religion zu lernen", erzählt sie. Und auch die Konfirmation als Familienfest ist ihr wichtig. "In meiner Familie ist jeder in der Kirche."
Qualität statt Quantität
Den Jugendlichen gefallen besonders die Ausflüge und die kreativen Projekte. Sie haben schon ihren Konfirmationsspruch auf eine kleine Leinwand geschrieben und ausgeschmückt. An diesem Nachmittag gestalten sie persönliche Abendmahlbecher und hinterlassen auf einem großen Banner ihre Hand- und Fußabdrücke. Dieses soll beim Beichtgottesdienst auf dem Altar liegen. "Man merkt, dass alle Lust haben, dabei zu sein", sagt Ludvigsen-Lohse.
Anders als bei normalen Konfi-Kursen haben die Jugendlichen hier nur eine Woche, um sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen, sich kennenzulernen und sich final für die Konfirmation zu entscheiden. "Wir haben lange überlegt, was sie aus dem Kurs mitnehmen", erzählt der Pfarrer. "Für uns zählt die Qualität statt der Quantität. Es ist zwar kompakt, aber dafür auch viel intensiver. Wir versuchen damit, an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen anzuknüpfen." Sicherlich sei das kein Konzept für alle, räumt er ein. "Manche wollen lieber einen längeren Weg gehen, aber in unseren Gemeinden bieten wir verschiedene Konzepte an, für die sich die Jugendlichen entscheiden können." Für die Konfis hier wäre die Alternative gewesen, gar nicht konfirmiert zu werden.
Konfirmation direkt im Anschluss
Direkt nach dem Kurs, am kommenden Sonntag, schließt die Kurswoche für die Turbo-Konfis mit der Konfirmation ab - und damit deutlich früher als in anderen Gemeinden. Auch das habe Zeitgründe, weil nicht alle Konfis nach den Faschingsferien am selben Sonntag Zeit haben. "Und es ist schön, mit der aktuellen Gruppendynamik und dem Drive, der drin ist", findet der Pfarrer.
Johannes (15), der beim 1. FC Nürnberg Fußball spielt, ist schon ziemlich aufgeregt, "wie sich das anfühlen wird, wenn man Ende der Woche am Altar steht. Aber ich weiß, dass ich darauf hinarbeite". Er hat nicht das Gefühl, dass er durch die kurze Kurszeit etwas verpasst. "Ich kann hier viele neue nette Leute kennenlernen und lerne das, was die anderen in einem Jahr machen, in einer Woche."
Nach dem ersten Durchgang des Intensivkurses soll ausgewertet werden, wie gut das Konzept geklappt hat. Klar ist: Auch nächstes Jahr soll es das Angebot wieder geben. Bisher haben sich zwei junge Menschen angemeldet. "Das hat uns überrascht. Für die anderen, längeren Konfi-Kurse gibt es schon viel mehr Anmeldungen", erzählt Ludvigsen-Lohse. Deshalb freue er sich über viele neue Interessierte.


