Das Gellendorfer Büdchen

Das Gellendorfer Büdchen
Es war ein gewöhnlicher Nachmittag, und ich fand mich in dieser allzu vertrauten Situation wieder: Mein Kind hatte unzählige Energie, und ich suchte verzweifelt nach einer Aktivität, die uns beiden gefallen würde.

Übliche Spielplätze empfand ich als extrem langweilig, und ein einfaches Café schien nicht sonderlich auspowern für meine quirlige Tochter.

Doch dann geschah etwas, das unsere Nachmittage für immer verändern sollte. In einem inspirierenden Moment öffnete ich die Google Maps-App auf meinem Handy und begann nach neuen Orten in unserer Nähe zu suchen. Plötzlich tauchte der Eintrag "Gellendorfer Büdchen" auf der Karte auf.

Gellendorf, ein kleines Dorf, nur etwa vier Kilometer von der Stadt Rheine entfernt und von Wäldern umgeben, war in nur etwa 15 Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen. Also, was hatten wir zu verlieren?

Als wir dort ankamen, wurden wir von einem kleinen Holzhaus direkt vor einem Bauernhof begrüßt - das "Büdchen" eben. Es ist schwer, diesen Ort zu beschreiben: Zunächst wirkt es wie ein gewöhnliches Gartenholzhäuschen, in dem normalerweise Stühle, Sonnenschirme und Grillutensilien überwintern.

Doch im "Gellendorfer Büdchen" stehen an den Wänden Automaten - einer mit Süßigkeiten und Getränken, einer für Kaffee, einer für Softeis und einer mit regionalen Produkten wie Eiern, Wildwurst, Milch, Marmeladen, Kartoffeln und vielem mehr. Neben dem Büdchen befindet sich eine überdachte Bank und ein Klettergerüst mit Rutsche und Schaukel. Dieser Ort wurde von der Landwirtsfamilie, auf deren Hof "das Büdchen" steht, geschaffen und betrieben. Die Idee stammt von der jüngeren Generation, die gerade den Hof übernommen hat. Es war ihr Versuch, ihre Produkte besser zu vermarkten. Dabei gingen sie ein erhebliches Risiko ein und investierten 100.000 € Startkapital, um sich vor den älteren Generationen nicht zu blamieren.

Der Versuch erwies sich als erfolgreich, wie wir vom „Senior“ erfuhren, der gerade die Hühner neben dem Büdchen fütterte und sich für unser Lastenrad interessierte. Obwohl "das Büdchen" eigentlich nur ein Geschäftsmodell ist, hat es sich zu einem kleinen belebten Ort entwickelt, der Gespräche in diesem eher abgelegenen Dorf fördert. Immer wieder hält ein Auto an, um frische Eier oder Kartoffeln zu kaufen und gefühlt jede zweite Person gönnt sich ein Eis oder einen Kaffee. Menschen kommen ins Gespräch, teilen Geschichten und schaffen eine herzliche Atmosphäre, die dieses Dorf neu belebt hat.

Wäre das nicht auch was für eine mutige Kirchengemeinde? Vielleicht lesen Sie demnächst auf Google Maps, was vom „Eversburger Kirchlein“ in Osnabrück - Einen Kaugummiautomaten mit Bibelsprüchen und einen Segensautomaten gibt es bereits – warum also nicht beide noch dazustellen? Wer weiß, wie großartig es werden könnte.

weitere Blogs

Ein mysteriöser Todesfall, das Mauern der Einheimischen und eine latente Homophobie begegnen einer lesbischen Pastorin bei ihrer Ankunft in einer ostdeutschen Kleinstadt. Aus der Großstadt bringt sie zudem ihre persönlichen Konflikte mit. Beste Zutaten für den Debütroman „In Hinterräumen“ von Katharina Scholz.
Nach 15.000 Kilometern und fünf Monaten ist Leonies Reise vorbei. Was bleibt? In ihrem letzten Blogbeitrag schaut sie auf ihre Erfahrungen zurück.

Ein gut zugängliches und dabei sehr gehaltvolles Buch über die Geschichte, Kämpfe, Begriffe und die Vielfalt von LGBTIQ und deren breites Themenspektrum, mit anschaulichen Bildern, spannenden Erklärungen und historischen Facts aus aller Welt. Das hat Katharina Payk für Sie entdeckt.