Katholischer Reformprozess steht vor dem Abschluss

Hand hält Schild mit Aufschrift "Synodaler Weg"
epd-bild/Meike Boeschemeyer
Vom 29. bis 31. Januar 2026 findet die sechste und letzte Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland in Stuttgart statt.
Synodaler Weg endet, Debatte nicht
Katholischer Reformprozess steht vor dem Abschluss
Seit 2019 sprechen katholische Bischöfe und Gläubige über Veränderungen in der Kirche: Der Synodale Weg berät nun zum letzten Mal. Einige Reformen fielen auf fruchtbaren Boden. Es bleibt die Frage, welche Zukunft die katholische Kirche hierzulande hat.

Für manche Bischöfe war der katholische Reformdialog Synodaler Weg von Beginn an eine Zumutung: Erstmals wurden innerkirchliche Machtfragen öffentlich und unter Beteiligung von Laien verhandelt. Die Kirchenbasis durfte nicht nur mitreden, sondern auch abstimmen über notwendige Veränderungen in der Kirche angesichts von Missbrauchskrise und Mitgliederschwund.

In Stuttgart tritt die Synodalversammlung vom 29. bis 31. Januar satzungsgemäß nun ein letztes Mal zusammen, um die Umsetzung der Beschlüsse zu evaluieren. Nicht nur die kommunikative Struktur als Forum, sondern auch kirchenrechtlich war der Reformdialog ein Novum und weckte von Beginn an das Misstrauen des Vatikans.

Die Mitglieder der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hatten zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) 2019 ein gemeinsames Dialogformat vereinbart, um Wege aus der Krise zu finden. Der Synodale Weg sollte Reformvorschläge erarbeiten, wie Bischöfe ihre Macht besser teilen, Laien an Entscheidungen beteiligt und Frauen sowie queere Menschen weniger diskriminiert werden können.

Die Ursachen für das institutionelle Versagen der Kirche im Umgang mit sexualisierter Gewalt zu beseitigen, waren der Treibstoff für die Idee: Die Machtstrukturen begünstigen sexualisierte Gewalt. Genau das hatten die Autoren der katholischen Missbrauchsstudie 2018 bescheinigt: Machtkonzentration, rigide Sexualmoral und klerikale Abschottung wirkten fördernd auf Missbrauch und Vertuschung. Die Dimensionen werden bis heute durch immer neue Studien erforscht.

Zu Beginn des Synodalen Wegs leugnete noch manch ein Bischof den Zusammenhang zwischen kirchlichen Machtstrukturen und Missbrauch. Jede der zahlreichen seither veröffentlichten Missbrauchsstudien zeigte ihn neu auf. Die Studien belasteten auch führende Kirchenvertreter schwer: den früheren Münchner Erzbischof und späteren Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, den langjährigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, sowie dessen Nachfolger Robert Zollitsch.

Kirche anschlussfähig halten

Angesichts des Vertrauensverlusts war das zweite Motiv für den Synodalen Weg, die Glaubwürdigkeit der Kirche in der Öffentlichkeit wiederherzustellen. Die bis März 2023 verabschiedeten 15 Texte zeigen, dass es bei Reformen vor allem um einen Haltungswechsel geht - etwa bei Fragen der Sexualmoral oder der Beteiligung von Frauen. Vieles kann ohnehin nur das Kirchenoberhaupt in Rom entscheiden, wie etwa eine Lockerung des Zölibats oder die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern und damit zur vollen Teilhabe an der Macht.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, der kurz vor der letzten Tagung des Synodalen Wegs seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit erklärte, nennt die Frauenfrage eine der entscheidenden Fragen für die Zukunft der Kirche. Denn angesichts des Trends zur Säkularisierung fragte Bätzing schon vor Jahren, wie viel Zeit der Kirche noch bleibe, um überhaupt noch Menschen von sich zu überzeugen.

Die aktuelle Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung von 2023 zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Katholikinnen und Katholiken Reformen befürwortet. 95 Prozent der katholischen Befragten sprachen sich bei der episodisch angelegten, religionssoziologischen Untersuchung für die Möglichkeit zur Heirat von Priestern aus.

Laute konservative Minderheit

Doch von Beginn an drohte der Synodale Weg zwischen den Lagern zerrieben zu werden: Während eine laute konservative Minderheit Reformen blockierte und die althergebrachten Lehrmeinungen etwa zu Ehe und Familie verteidigte, wollte ein progressiver Flügel deutlich weitergehende Schritte. Ein Balanceakt für die Moderatoren, zu denen auch Bätzing gehört.

Kurz vor dem Scheitern stand der Prozess, nachdem einige Bischöfe mit ihrer Sperrminorität einen Text zur Veränderung der Sexualethik durchfallen ließen. In dem Papier stehen Forderungen wie die, Homosexualität nicht mehr als Sünde zu betrachten und die Diskriminierung von wiederverheirateten Paaren zu beenden. Auch wenn der Text scheiterte, gab es dennoch Veränderungen. Die Segnung von jeglichen Paaren, die sich lieben, ist - mit Akzeptanz des Vatikans - nun in einigen deutschen Bistümern möglich.

Doch an anderer Stelle belastete Widerstand aus dem Vatikan den Prozess. Im Streit um ein dauerhaftes synodales Gremium zogen sich vier Bischöfe zurück. Dem Heiligen Stuhl war wichtig, dass ein solches Organ weder ohne Zustimmung des Vatikan entstehen noch die bischöfliche Autorität beschneiden dürfe - etwas, das ohnehin nicht beabsichtigt war. Noch in diesem Jahr soll aber - ebenfalls mit römischer Zustimmung - eine neue Synodalkonferenz erstmals tagen, in der Laien und Bischöfe beraten und Beschlüsse fassen.

Synodaler Weg

2019 haben die katholische Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als größte katholische Laienorganisation den Reformdialog Synodaler Weg vereinbart, um die Vertrauenskrise infolge des Missbrauchsskandals zu bewältigen. Zwischen 2020 und 2023 wurden auf fünf Synodalversammlungen 15 Texte mit Reformvorschlägen verabschiedet.

Die Texte beinhalten Vorschläge, die die Macht von Klerikern begrenzen sollen - etwa für eine stärkere Beteiligung von Gläubigen an Bischofswahlen und ein neues synodales Gremium für Deutschland, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam beraten und Beschlüsse fassen. Auch im Gemeindeleben sollen Veränderungen sichtbar sein: So wurden Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare angeregt. Zudem sollen auch nicht geweihte Personen, wie Frauen, in katholischen Messen predigen dürfen.

Fünf Synodalversammlungen fanden in Frankfurt am Main statt, die sechste und letzte tagt vom 29. bis 31. Januar in Stuttgart. Dort sollen alle Beschlüsse evaluiert werden. Die Synodalversammlung ist das oberste Organ des Synodalen Weges. Ihr gehören deutsche Bischöfe, 69 Vertreter des Zentralkomitees sowie weitere Delegierte aus Ordensgemeinschaften und Verbänden an. Derzeit hat das Gremium 214 Mitglieder.