Iona Community

Iona Abbey auf der schottischen Insel Iona.

Foto: Kerstin Söderblom

Iona Abbey auf der schottischen Insel Iona.

Iona Community
Die Iona Community ist auf der Insel Iona zuhause, einer schottischen Insel westlich der Insel Mull. Dort befindet sich eine alte Benediktinerabtei aus dem 13. Jahrhundert. Der Ort hat eine magische Ausstrahlung und lädt ein zur Besinnung, zum Gebet, zum Austausch oder einfach zum tief Durchatmen. Der Ort ist aber auch ein sicherer Ort für Lesben, Schwule, Bi-,Trans-, Intersexuelle und Queers.

Zwei Wochen habe ich die Iona Community auf der schottischen Insel Iona besucht. Auf der Insel befindet sich eine alte Benediktinische Abtei und eine dazu gehörige Klosteranlage. Was mich am meisten beeindruckt hat: An dem Ort befindet sich eine überkonfessionelle christliche Gemeinschaft aus allen Kontinenten. Die Menschen leben dort zwischen sieben Wochen bis drei Jahren in einfachen Verhältnissen zusammen. Es sind Mitglieder der Iona Community, Angestellte oder Freiwillige, Alte oder Junge, Schwarze oder Weiße, Geistliche verschiedener Konfessionen oder Laien mit ganz unterschiedlichem beruflichen Hintergrund.

Die Abtei von Iona ist auf den Überresten einer Klostergründung des Heiligen Kolumba im 13. Jahrhundert n.Chr. erbaut worden. Laut historischen Zeugnissen kam Kolumba im Jahr 563 n.Chr. mit einigen Mönchen auf einem Schiff von Irland zur Insel Iona. Er baute dort im sechsten Jahrhundert eine erste kleine Klosteranlage. Von Iona aus christianisierten er und viele andere Mönche Schottland und England. Das Christentum ist auf der Insel stark verbunden mit seinen keltischen Wurzeln. Natur- und Heimatverbundenheit und der ganzheitliche Bezug zu alten keltischen Mythologien, Symbolen und Legenden zeigen das bis heute.

1938 hat der schottische Pfarrer George Mac Leod die seit der Reformationszeit im 16. Jahrhundert in Ruinen liegende Klosteranlage auf Iona mit Geistlichen und arbeitslosen Handwerkern in jahrelanger Arbeit wieder aufgebaut. Als Tagesstruktur hat er das alte mönchische Motto von Beten und Arbeiten eingeführt. Die klaren Zeiten von Gebet und Arbeit, von Reflexion und Aktion haben dabei geholfen, dass die Arbeiter und die Geistlichen nach anfänglichem Misstrauen miteinander ins Gespräch kamen und voneinander lernen konnten. Diese Tradition von Beten und Arbeiten, Reflexion und sozialpolitischer Aktion prägt bis heute das Leben in der Klosteranlage von Iona.

Pfarrer Mac Leod hat die Iona Community in Glasgow gegründet. 270 Mitglieder gibt es bisher. Sie leben vor allem in England und Schottland. Es gibt darüber hinaus aber auch Mitglieder in den USA, in Kanada, Australien und einige wenige in Deutschland, den Niederlanden, in Skandinavien und anderswo. Dazu kommen etwa 1500 assoziierte Mitglieder und noch einmal so viele Freundinnen und Freunde weltweit. Sie alle teilen eine gemeinsame Regel. Die Regel gründet sich auf Gemeinschaft in Gebet und Arbeit, fordert finanzielle Transparenz und wirtschaftliche Verantwortung unter den Mitglieder und unterstützt soziale und friedenspolitische Aktivitäten. Die Iona Community versteht sich als überkonfessionelle christliche und inklusive Gemeinschaft. Ziel der Arbeit ist es, neue liturgische Wege zu gehen und die Herzen der Menschen zu erreichen. Sie tut das vor allem durch eine aktive Jugendarbeit, neue Liturgien, moderne Musik und einfache Gottesdienstformen. Die Gemeinschaft setzt sich für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Umweltthemen ein.

Auf der Insel Iona leben rund um die Abtei ca. 20 Angestellte der Gemeinschaft in Wohngemeinschaften und einfachen Wohnungen. Sie arbeiten für höchstens drei Jahre u.a. in den Bereichen Geschäftsführung, geistliche Leitung, Programmarbeit, Musik, Hauswirtschaft, Küche, Außenbereich und Buchladen. Dazu kommen etwa 30 junge Freiwillige aus der ganzen Welt. Sie arbeiten von sieben Wochen bis zu einem Jahr in den verschiedenen Bereichen freiwillig mit und leben dafür in einer interessanten spirituellen und internationalen Gemeinschaft zusammen. Mich hat die Gemeinschaft jedenfalls sehr beeindruckt, auch wenn es dort sicherlich auch Meinungsverschiedenheiten und Konflikte gibt.

Was mich am meisten gefreut hat: Die Iona Community heißt Lesben und Schwule, Bi-,Trans-, Intersexuelle und Queers (LSBTIQ)herzlich willkommen. Viele ihrer Mitglieder setzen sich aktiv für ihre Gleichberechtigung ein. Als in Schottland vor einigen Jahren die Ehe für alle abgestimmt wurde, hat sich die Iona Community beispielsweise einhellig für die Eheöffnung für LGBTIQ ausgesprochen und einen entsprechenden Brief an das schottische Parlament geschrieben.

Dieser solidarische Geist ist in Begegnungen, Gesprächen, im persönlichen Austausch und selbst in Predigten in der Abtei zu spüren. "Fürchtet euch nicht und verzagt nicht!" So hat es die aktuelle stellvertretende Geschäftsführerin der Iona Community und Pfarrerin der schottischen Kirche Sharon Kyle in einem Gottesdienst gerufen. In ihrer Predigt hat sie von ihrem eigenen Coming Out als lesbische Frau erzählt und wie sehr die Angst vor Repressalien ihr damaliges Leben blockiert und beeinträchtigt hat. Als eine im Sterben liegende lesbische Freundin sie darum bat, die Partnerschaft von ihr und ihrer Partnerin in einem Gottesdienst zu segnen ohne dass diese Segnungsgottesdienste damals offiziell erlaubt waren, hat Sharon Kyle ihre Angst abgelegt und getan, wovon sie überzeugt war: Sie hat das Paar gesegnet und ein wunderschönes Fest mit allen anwesenden Familienangehörigen, Freundinnen und Freunden gefeiert. Wenige Wochen danach ist ihre Freundin gestorben. Glücklich und dankbar, dass sie den Segnungsgottesdienst mit ihrer Partnerin erlebt hat und mit allen Anwesenden teilen konnte. "Gottes Segen hat die beiden Frauen getragen, im Leben wie im Sterben." So hat es Sharon Kyle zusammengefasst. Diese Partnerschaftssegnung wurde auch für ihren eigenen Werdegang bedeutsam. Sie entschied sich, ihr Leben nicht weiter mit Angst und Versteckspiel zu verbringen, sondern zu sich selbst zu stehen und sich klar für Gleichberechtigung, Respekt und Solidarität für alle Menschen in Kirche und Gesellschaft einzusetzen.

Die Abtei war mit mehreren hundert Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern voll besetzt. Trotzdem hätte man während der Predigt eine Stecknadel fallen hören können, so konzentriert und aufmerksam war die Atmosphäre. Die Predigt war leidenschaftlich und hat viele Menschen berührt. Genau einen solchen Ort von Respekt und Herzenswärme will die Iona Community anbieten. Ich habe es so erlebt und war bestimmt nicht zum letzten Mal da!

 

Mehr Informationen zur Iona Community:

http://iona.org.uk//

Iona Community Deutschland:

http://www.ionacommunity.de/

weitere Blogs

... will ich nichts von Goethe hören. Es soll heiter-himmlisch zugehen, es soll Ostern sein! Ich will Weihwasser und Rituale. Ich will katholisch beerdigt werden.
Minimalismus geht nur mit digitaler Hilfe, wenn man nicht gleich auf sämtliche Information und Unterhaltung verzichten möchte. Eine große Bibliothek passt heute schließlich schon auf 0,02 Quadratmeter.
Die Tierschutzorganisation PETA machte für den Einzug Jesu einen ungewöhnlichen Vorschlag
... bleibt ein spannendes Echtzeit-Experiment: weil völlig unklar ist, was daraus wird. Die letzte Medienkolumne auf evangelisch.de.
Das war unser Kirchentag 2019
evangelisch.de- und chrismon-Redakteurinnen und Redakteure haben für Euch den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund 2019 besucht. Hier geht es zu unseren multimedialen Impressionen aus fünf aufregenden Tagen.