"Sie sind ein richtiger Spinner!"

In den 1960er Jahren lief anspruchsvolles Fernsehen noch in der Prime Time. Die Methoden, mit denen Plattformen und Medienunternehmen gegen Fake News vorgehen wollen, sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht hinreichend. Ein Wiener Gericht erweist sich in Sachen Facebook selbstbewusster, als man es aus Deutschland kennt. Außerdem: Neues aus der Welt der Gremien-Freundeskreise, weitere Exegesen zum Themenbereich Politiker-als-Privatmann-Interviews.

Heute gilt in dieser Kolumne vor allem das gesprochene Wort - nicht etwa, weil wir uns hier allzu ausführlich den Vorträgen der re:publica widmen wollen (Überblicke über den zweiten Tag liefern übrigens u.a. faz.net und Christian Jakubetz in seinem Blog), sondern weil sich heute ein Schwerpunkt zu Interviews aufdrängt (von denen einige wiederum zumindest in einem lockeren Bezug zur #rp17 stehen).

Vermutlich noch nie bei einer re:publica dabei war bisher der Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller, den Die Zeit in einem Porträt in ihrer aktuellen Ausgabe den "großen Fragesteller unter den Fernsehjournalisten" nennt, was suggeriert, dass der 95-jährige weiterhin als Fragesteller fürs Fernsehen tätig ist. Fürs heutige SZ-Feuilleton hat Martina Knoben nun Troller interviewt. Anlass des Gesprächs ist, dass ihm das Dokfest München, das noch bis Sonntag läuft, in diesem Jahr eine Retrospektive widmet. 

Um Trollers Arbeit fürs Fernsehen geht es in dem SZ-Interview auch. Knoben leitet es so ein:

"1962 begann er mit seinem ‚Pariser Journal', in dem er für die ARD den Deutschen Frankreich erklärte. 1971 startete im ZDF seine Sendereihe ‚Personenbeschreibung', deren Interviews anfangs umstritten waren, schließlich jedoch stilbildend wirkten."

Eine Gestern-vs.-heute-Frage drängt sich natürlich auf:

"Sie haben sehr eigenwillige Interviews geführt und dafür hervorragende Sendeplätze gehabt. War das Fernsehen früher besser?"

"Je älter ich wurde und je weiter die Sendung fortschritt, umso später wurden die Sendezeiten. Ich begann meine Karriere mit dem ‚Pariser Journal', das lief so gegen 20 Uhr, 20.30 Uhr, und ich endete mit Mitternachtssendungen. Je anspruchsvoller die Sendungen wurden, desto schmaler das Publikum. Aber es war ein ausgesuchtes Publikum, das diese Sendungen geliebt hat, also konnte ich mich nicht beklagen. Ich habe ja nie an Quoten gedacht. Ich habe mich immer an den einzelnen Zuschauer gewendet, ob ich bei dem was bewegen kann da drinnen."

"Wie haben Sie sich diesen Zuschauer vorgestellt?"

"Aufgeschlossen bis hingegeben an das, was ich gezeigt habe. Ich wollte die Leute dazu bringen, dass sie - wenn ich, wie so häufig, Behinderte oder seelisch Behinderte gezeigt habe, Menschen, mit denen man sich normalerweise nicht identifiziert -, dass sich der Zuschauer sagt: Aber das bin ja ich! Dass er sich öffnet, der unangenehmen Gefahr, sich mit Leuten zu identifizieren, die er eigentlich nicht mochte."

"Hatten Sie sich vorher in diesem Sinne mit Ihrem Gesprächspartner identifiziert?"

"Nur so läuft es. Es geht gar nicht anders."

Sich "immer an den einzelnen Zuschauer" zu wenden und sich ihn "aufgeschlossen bis hingegeben" vorzustellen, ist, so allgemein das auch klingen mag, vielleicht auch heute noch kein schlechter Ansatz für gutes Fernsehen.

[+++] Dass Zeit-Online-Redakteur Steffen Dobbert sich während seines Interviews mit dem britischen Neonationalisten und Gelegenheits-Journalisten Nigel Farage in einem von Troller gemeinten Sinne identifiziert hat, ist nicht anzunehmen. Dennoch hat Dobbert bei dem Gespräch mit dem EU-Parlamentarier und Brexit-Propagandisten zumindest ein bisschen was richtig gemacht. Dies legen nicht zuletzt Farages Reaktionen nahe:

"Ich denke, Sie sind ein Spinner! Sie sind ein richtiger Spinner!

"Sie reden nur Müll."

"Offensichtlich kennen Sie sich mit der Geschichte nicht aus."

"Sie leben doch in einer Märchenwelt."

"Sie sollten in einer Comedyshow auftreten."

Ein reguläres Ende findet dieses Interview nicht. Der Pressesprecher des Politikers unterbricht das Gespräch zunächst dreimal, nach der vierten Unterbrechung passiert dies:

"Farages Pressesprecher unterbricht den Abgeordneten zum vierten Mal. Es sei zu viel, sagt er, und gibt Farage ein Zeichen, das Gespräch zu beenden. Farage steht aus seinem Ledersessel auf und setzt sich an seinen Schreibtisch. Das war's, sagt er und schaut auf Papiere, die vor ihm liegen. Das Gespräch ist beendet. Der Pressesprecher bittet, den Raum zu verlassen."

Es sind vor allem Fragen zu, wie es im Vorspann heißt, Farages "Verbindungen zu Russland", die dem Politiker und seinem Wachhund nicht gefallen und letztlich zur Eskalation geführt haben. 

[+++] Seit dem vergangenen Jahr, als der "allerstaatsfernste ZDF-Fernsehrat der deutschen Mediengeschichte" (Altpapier) seine Arbeit aufgenommen hat, ist Leonhard Dobusch Mitglied eben dieses Gremiums, und am Montag hat der Innsbrucker Professor auf der #rp17 über seine Tätigkeit als Aufsichtsmensch berichtet. Warum er das ZDF und Wikipedia für ein "Traumpaar" hält, hat er dort unter anderem erläutert. Dies kommt auch vor in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk-Magazin "@mediasres", in dem er eine erste Bilanz seiner Gremientätigkeit zieht. Es geht des weiteren um die "relativ strengen Vertraulichkeitsbestimmungen im ZDF-Fernsehrat" und die in öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien üblichen sogenannten Freundeskreise, die de facto "Fraktionen" seien. Dobusch gehört "dem Freundeskreis Frank Werneke" an, benannt nach dem stellvertretenden Verdi-Vorsitzenden,"der andere ist der schwarze Freundeskreis von Franz Josef Jung, dem ehemaligen Verteidigungsminister". Dobusch erläutert:

"Man bekommt zu Beginn die Einladung zu beiden Freundeskreisen und dann entscheidet man sich für einen der beiden, und ich muss sagen, was mich überrascht hat - das hatte ich vorher nicht so erwartet -, wie formalisiert diese Freundeskreise wirklich sind. Also damit meine ich, es gibt eine Tagesordnung, es gibt einen Vorsitzenden, es gibt einen Vorstand des Freundeskreises, der wird in geheimer Wahl - zumindest (…) beim roten Freundeskreis, wo ich dabei war - gewählt, und ich finde das gar nicht mal nur schlecht. Diese Formalisierung führt dazu, dass bestimmte Prozesse, Entscheidungsprozesse zumindest nach innen transparenter sind, und paradoxerweise darf ich zum Beispiel in meinen Blogeinträgen über eine Fernsehratstätigkeit mehr über die Freundeskreise erzählen, weil dort gibt es keine Vertraulichkeitspflicht, weil die Gremien gar nicht offiziell existieren (…) Das ist bei den Ausschüssen anders."

Auf der re:publica hat zudem der NDR Interviews mit Kritikern des NetzDG geführt (das hier zuletzt am Donnerstag vorkam). Unter anderem kommt Constanze Kurz zu Wort, die skizziert, aus welch unterschiedlichen Ecken die Einwände kommen, um sich dann kurz als eine Art Oliver Kahn des Chaos Computer Clubs in Szene zu setzen: 

"Da bin ich doch gespannt, ob der Bundesjustizminister die Eier hätte, sich gegen diese breite Front zu stellen." 

[+++] Möglicherweise zum ersten Mal überhaupt findet heute im Altpapier die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift iz3w Erwähnung. In der Mai/Juni-Ausgabe, die das Thema Freie Radios zum Schwerpunkt hat, findet sich ein Interview mit Jean-Marie Etter, den Gründer der Fondation Hirondelle, die seit 1995 den Aufbau von Radioprogrammen in Konfliktregionen unterstützt. Er sagt, "die größte Herausforderung" beim Aufbau solcher Sender sei es

"zu überprüfen, ob die Arbeit wirklich für die Bevölkerung vorteilhaft ist (…) In einem Konflikt ist entscheidend, dass alle über die Identität des Senders aufgeklärt sind und keine Zweifel hegen, weder die Regierung, die Konfliktparteien noch die Bevölkerung. Um es zugespitzt zu formulieren: Eine gute JournalistIn muss leicht zu verhaften sein. Sonst bist du als ReporterIn für diese Situation nicht geeignet. Denn auch die ZuhörerInnen können leicht verhaftet werden, und wenn du mit ihnen sprechen willst, dann musst du ihren Lebensalltag teilen und ihre Lage mitempfinden. Das ist die Basis deiner Glaubwürdigkeit – und gleichzeitig das Hauptproblem."

Die zugespitzte Formulierung "Eine gute JournalistIn muss leicht zu verhaften sein" könnte dazu anregen, die Berichterstattung aus kriegerischen und sonstwie gefährlichen Regionen noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten.

[+++] Es liegt heute nicht nur nahe, aus Interviews zu zitieren, sondern auch über die Wirkung von Interviews zu sinnieren.

"Von al­len Er­klä­run­gen für die Wahl­schlap­pe der Par­tei in Schles­wig-Hol­stein scheint sich die SPD auf die pein­lichs­te zu ver­stän­di­gen: Die Zeitschrift Bunte ist schuld beziehungsweise das Interview, das der abgewählte Ministerpräsident Torsten Albig dort mit seiner neuen Lebensgefährtin Bärbel Boy gegeben hat",

kommentiert Michael Hanfeld auf der heutigen Medienseite der FAZ - und vertritt damit eine andere Position als die Mehrheit der sich in dieser Sache Äußernden (siehe Altpapier). Der sehr verständnisvolle Hanfeld schreibt weiter: 

"Es ist für Po­li­ti­ker schwer ge­nug, ihr Pri­vat­le­ben pri­vat zu hal­ten und gleich­zei­tig so ins Ram­pen­licht zu rü­cken, dass es den tak­ti­schen Er­wä­gun­gen der Po­lit-PR ge­nügt, die Neu­gier der Jour­na­lis­ten und der Wäh­ler be­frie­digt und oben­drein nicht kom­plett ge­lo­gen ist."

Christian Schertz erläutert im Tagesspiegel dagegen, warum "es wirklich noch nie klug war, als Politiker sich zu seinem Privatleben in der Öffentlichkeit zu äußern, insbesondere ‚Liebes-Interviews' zu neuen Beziehungen zu geben".

[+++] Um noch einmal zur re:publica zurückzukommen: Fridtjof Küchemann hat fürs FAZ-Feuilleton Ex-Schachweltmeister Garri Kasparov interviewt, der dort über "moderne politische Propaganda" referierte. Gegenüber Küchemann sagt er in dieser Sache:

Jetzt müssen wir unsere Kräfte vereinigen, um die Meinungsfreiheit zu vereidigen, die von Fake News beeinträchtigt wird. Es muss klar sein, was Putin tut und andere Diktatoren mit ihm: die Wahrheit vortäuschen. Wir haben einige technische Möglichkeiten, unser Gebiet zu verteidigen."

"Das klingt nach einem kalten Krieg künstlicher Intelligenzen."

"Was immer wir künstliche Intelligenz nennen, ist ein Werkzeug, um unsere Werte zu verteidigen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Technologie, die in der freien Welt erfunden worden ist, nicht in Russland, der Türkei oder China, zur Einschränkung der Freiheit benutzt wird. Jetzt können sie es benutzen, um das Fundament der freien Welt zu untergraben. Fake News und Hacking sind eine gesellschaftliche und eine politische Herausforderung, und natürlich muss man intelligente Maschinen einsetzen."

[+++] Andere Gedanken zur Fake-News-Bekämpfung haben sich Matthew A. Baum und David Lazer von der Harvard University für die Los Angeles Times gemacht. Zusammenfassend lässt sich sagen:

"The solutions Google, Facebook and other tech giants and media companies are pursuing aren't in many instances the ones social scientists and computer scientists are convinced will work."

Was wissen Wissenschaftler, was Praktiker möglicherweise nicht wissen?

"We know, for example, that the more you're exposed to things that aren't true, the more likely you are to eventually accept them as true. As recent studies led by psychologist Gordon Pennycook, political scientist Adam Berinsky and others have shown, over time people tend to forget where or how they found out about a news story. When they encounter it again, it is familiar from the prior exposure, and so they are more likely to accept it as true. It doesn't matter if from the start it was labeled as fake news or unreliable — repetition is what counts."

Daraus, so Baum/Lazer, folge:

"Reducing acceptance of fake news (…) means making it less familiar. Editors, producers, distributors and aggregators need to stop repeating these stories, especially in their headlines (…) This flies in the face of a lot of traditional journalistic practice. Another thing we know is that shocking claims stick in your memory. A long-standing body of research shows that people are more likely to attend to and later recall a sensational or negative headline, even if a fact checker flags it as suspect."

Es bleibt also kompliziert.


Altpapierkorb

+++ "Das Urteil ist für Mai angekündigt", hieß es an dieser Stelle vor einem Vierteljahr, und gemeint war das Verfahren, das die VG Media gegen Google in Sachen Leistungsschutzrecht beim Landgericht Berlin angestrengt hat. Dieses hat nun entschieden, nichts zu entscheiden, und die Sache an den Europäischen Gerichtshof verwiesen. Wer die volle Schönheit der Landgerichts-Argumentation genießen möchte: Hier geht's zur Pressemitteilung. Karoline Meta Beisel, die Juristin aus dem SZ-Medienressort, schreibt: "Beide Seiten werten den Beschluss als Erfolg. Ein deutsches Gericht müsse eine Frage dem EuGH ja nur dann vorlegen, wenn es auf deren Beantwortung auch ankomme, sagte Markus Runde, Geschäftsführer der VG Media. In der Mitteilung des Gerichts heißt es denn auch, die Kammer halte die Klage der VG Media für ‚teilweise begründet', sollte das LSR Anwendung finden. Google dagegen sieht in dem Beschluss noch einen Beweis dafür, "dass mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage noch immer zahlreiche Widersprüche und ungeklärte Fragen verbunden sind." Dass die VG Media "für die Durchsetzung des Leistungsschutzrechts allein 2016 mehr als 1,8 Millionen Euro zahlte", das heißt "mehr als doppelt so viel, wie ihr das Recht im selben Jahr einbrachte", erwähnt Beisel mit Bezug auf t3n.de auch.

+++ Das Oberlandesgericht Wien "hat entschieden, dass bei Klagen gegen Facebook österreichisches Recht anwendbar ist – und Hasspostings nicht nur national geblockt, sondern weltweit gelöscht werden müssen", berichtet Legal Tribune Online. Damit "unterscheidet sich die österreichische Rechtsprechung recht deutlich von dem, was zuletzt von deutschen Gerichten entschieden wurde", bemerkt dazu Heise Online - vor allem mit Bezug auf das Urteil des Landgerichts Würzburg Anfang März (Altpapier).

+++ "Wie die amerikanische Nachrichtenagentur AP mit einem berühmten Bild von Hitler und Mussolini noch kurz vor Kriegsende die Nazi-Propaganda unterstützte", erläutert heute die SZ. Der Beitrag ist gewissermaßen die Fortsetzung einer Geschichte aus dem Februar, Autor Willi Winkler hatte seinerzeit m.W. als erster darüber berichtet, dass die Nachrichtenagentur noch bis 1945 mit dem NS-Regime kooperiert hatte.

+++ Neben der re:publica findet in Berlin derzeit auch die Media Convention statt. Am Dienstag ging es unter anderem um die Zukunft des Lokaljournalismus. Es "wurden verschiedene Fördermodelle diskutiert, eine Lockerung des Kartellrechts gefordert, um auch Kooperationen zwischen lokalen Radiosendern und Lokalzeitungen zu ermöglichen, eine Senkung oder gar Streichung der Mehrwertsteuer und vieles mehr", berichtet Sabine Sasse im Tagesspiegel

+++ Die komplexe Kriminalgeschichte rund um das öffentlich-rechtliche Institut für Rundfunktechnik und einen Jahrzehnte für dieses Institut tätigen, mittlerweile verhafteten Ex-Juristen (siehe Altpapier von Donnerstag und Freitag) strickt Klaus Ott heute in einem mit vielen Zahlen geschmückten Beitrag für die SZ (€) weiter. Er geht darauf ein, dass das Institut an der Entwicklung der Audio-Datenkomprimierungstechnik MPEG beteiligt war - und es den Gesellschaftern ARD, ZDF und Co. offensichtlich nicht aufgefallen war, dass von dem aus dem Patent resultierenden Geldregen verschwindend wenig bei ihnen ankam. "ARD und ZDF (könnten) bis zu 100 Millionen Euro an öffentlichem Geld verloren haben. Entweder aus Dummheit, oder weil man hereingelegt wurde, oder wegen einer Mischung aus beidem."

+++ Warum die sehr erfolgreiche ARD-Serie "Charité" "das Bild vom Pflegeberuf verzerrt hat", erklären Isabel Atzl, Susanne Kreutzer und Karen Nolte auf der FAZ-Medienseite - und zwar unter anderem aus medizinhistorischer Sicht (siehe auch dieses Buch). Das Trio schreibt: "Eine der ärgerlichsten Figuren der Serie ist die weibliche Hauptperson Ida Lenze, die als Patientin in die Charité eingeliefert wird und nach ihrer Blinddarmoperation die Kosten für ihre Behandlung als Lohnwärterin abarbeiten muss. In die Pflege, die sie ohne Ausbildung leistet, scheint sie sich schnell einzufinden, obwohl sie kaum pflegerisch handelnd gezeigt wird. Damit wird die Botschaft vermittelt, dass Pflege eine weibliche Begabung ist, die keiner weiteren Ausbildung bedarf und kaum spezielle Fertigkeiten aufweist." Aus wissenschaftlichen Untersuchungen sei, so die Autorinnen weiter, "bekannt, dass filmische Darstellungen die kollektive Wahrnehmung wesentlich prägen. Krankenhausserien sind keine belanglose Abendunterhaltung. Sie prägen das Bild von Pflege entscheidend".

+++ In einem instruktiven Text über Adblocker und die "Zukunft der Onlinewerbung" schreibt Torsten Kleinz (Zeit Online): "Adblock Plus mag die Werbeindustrie herausgefordert haben, was lange überfällig war. Doch statt den Werbemarkt zu begradigen, verschärfte die massenhafte Verbreitung der Werbefilter die Fehlentwicklungen noch. Zu dem ohnehin wild wuchernden Adtech-Markt gesellten sich Dutzende neuer Anbieter, die sich insbesondere dem Kampf gegen Adblocker verschrieben haben. Hinzu kommen Hunderte Dienstleister, die die Echtheit von Klicks überprüfen sollen, Zielgruppen analysieren oder die brand safety überwachen – also kontrollieren, dass die Werbung der Kunden nicht auf imageschädlichen Seiten auftaucht. Das Branchenmagazin Chiefmartec zählte 2011 noch 150 Firmen, die Vermarktungstechniken von Werbeausspielung über Betrugsbekämpfung bis hin zur Zielgruppenanalyse anboten. 2016 waren es bereits 3.500 Anbieter."

+++ Warum sich Wolfgang Kubicki, die alte Krawallschachtel, zu Unrecht darüber beschwert, dass er bei "Markus Lanz" kurzfristig ausgeladen wurde, erklärt Boris Rosenkranz (Übermedien).

+++ "Ein Kultur-Redakteur, der sich 2017 Platz im Feuilleton nimmt, um über Buchblogs nur zu sagen, wie viele er skurril oder gefühlig findet, beschämt mich" - Stefan Mesch ärgert sich im Deutschlandfunk über "bräsige" Beiträge des Welt-Feuilletonisten Marc Reichwein, unter anderem diesen.

+++ Den Hörspielpreis der Kriegsblinden, den wichtigsten hiesigen Preis für Hörspiele, erhält in diesem Jahr Lucas Derycke für seine Produktion "Screener" (dpa/General-Anzeiger). In der Medienkorrespondenz geht Jochen Meißner auf das prämierte Stück und die anderen beiden Nominierungen ein.

+++ Ebenfalls aus der aktuellen Medienkorrespondenz: Franz Everschor über eine halbwegs neue Entwicklung im US-TV-Markt. Er schreibt: "Das Misstrauen früherer Jahre gegenüber Dokumentarsendungen ist nunmehr geradezu einer neuen Sucht gewichen, beim amerikanischen Publikum und dann auch bei den Sendern. Die nächsten Wochen im US-Fernsehen geben ein gutes Beispiel dafür ab, wie jedes halbwegs attraktive Ereignis der Vergangenheit inzwischen Stoff für eine TV-Dokumentation oder einen dokumentarischen Fernsehfilm abgibt: Kein Gedenktag bleibt mehr unbeachtet, sei es die Erinnerung an den Tod von Prinzessin Diana, die Iran-Contra-Affäre, die FBI-Aktion gegen eine religiöse Sekte in Waco (Texas), der Aufstand der schwarzen Bevölkerung bei den ‚Los Angeles Riots' Ende April/Anfang Mai 1992 oder Bill Clintons Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky, die im Januar 2018 genau 20 Jahre zurückliegt. All diese Ereignisse sind Gegenstand diverser Dokumentationen." 

+++ "Dass endlich auch Niedersachsen sich als eines der letzten Bundesländer von der obrigkeitsstaatlichen Tradition des Amtsgeheimnisses verabschieden will, ist zwar lobenswert. Doch leider hält der Entwurf der Landesregierung nicht, was der Name verspricht – es ist eine Mogelpackung", sagt Manfred Redelfs vom Netzwerk Recherche (NR). Anlass der Wortmeldung ist ein Entwurf für ein Transparenzgesetz, über den am Dienstag das niedersächsische Kabinett diskutierte. Das NR, der DJV Niedersachsen, Transparency International und weitere Organisationen kritisieren "die Fülle der Ausnahmeklauseln (...), eine abschreckende Gebührenregelung und die fehlende automatische Veröffentlichung von Dokumenten im Internet".

Neues Altpapier gibt es wieder am Donnerstag.