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Beziehung und Familie
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich arbeite als ev. Christ in leitender Position bei einem katholischen Träger, war nur standesamtlich verheiratet und bin geschieden. Nun möchte ich wieder heiraten. Wenn ich dies tue, dann erhalte ich von meinem katholischen Arbeitgeber die Kündigung, weil ich gegen die katholische Grundordnung verstoße. Um dem zu entgehen, habe ich bei der katholischen Kirche eine sog. Eheannullierung beantragt. Das widersinnige an dem ganzen Verfahren ist, das ein geschiedener Katholik, der nicht kirchlich geheiratet hat, die Ehe sofort wegen des Formfehlers annulliert bekommt. Bei ev. Christen wird aber unterstellt, das man mit der standesamtlichen Trauung zugleich eine kirchliche Ehe (vor Gott) abgeschlossen hat. Diese rein fiktive bzw. willkürliche Unterstellung mag zwar noch im Sinne der Ökumene sein, ist aber in der Folge diskriminierend und verstößt damit meines Erachtens gegen den Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes (Gleichheitsgrundsatz). Zudem ergeben sich aus dieser unterschiedlichen Behandlung ganz erhebliche materielle bzw. finanzielle (steuerliche) Nachteile / Schäden.
Meine Fragen:
Ist dieses katholische Ansicht theologisch überhaupt haltbar, wenn man auch als ev. Christ bewusst auf ein kirchliches Eheversprechen verzichtet hat?
Michael Hanke 
 
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
Ich habe heute einen großen Fehler begangen und fühle mich sehr schuldig. Ich habe mich seit ein paar Monaten vermehrt mit Glauben beschäftigt, vor allem weil mich ein Freund im Dezember letzten Jahres zur Gemeinde bewegt hat. Ich entschied mich nach mehreren Unterhaltungen dazu, auch an Gott zu Glauben und mit Gott die Freude zu finden, doch zweifelte ich stark daran, ob ich überhaupt Anspruch auf Gott hatte, weil ich an bisexuellen Gedanken leide. Doch ich wollte Gewissheit und informierte mich über den Standpunkt von solchen Gedanken im evangelischen Glauben und fand heraus, dass schwule Gedanken ebenso nicht von Gott gewollt sind. Trotzdem wollte ich den Kontakt mit Gott und betete um eine Heilung und Unterstützung, doch die Annahme der Vergebung fiel mir besonders schwer. Als ich es meinem Freund von meiner Sünde beichtete und wir daraufhin zusammen beteten, verschwanden die Gedanken spürbar und ich fühlte mich besser. Ich fuhr mit regelmäßigem Beten fort und verspürte immer mehr und mehr eine Veränderung und die Schwächung dieser Triebe. Doch gestern war ich mit meinem Freund aus der Gemeinde und zwei weiteren Gläubigen zum Übernachten verabredet. Wir sprachen die ganze Nacht lang über dem Glauben und der persönlichen Bedeutung von Gott, vor allem auch über persönliche Schwierigkeiten im Umgang mit dem Glauben. Bei diesen Themen fühlte ich mich unwohl, da ich über die meisten Schwierigkeiten kaum nachgedacht habe und diese selber nicht empfand. Am Ende beteten wir alle zusammen und wir führten eine Art Gottbekenntnis für mich aus, da ich mir mit meinem Weg mit Gott sicher bin. An diesem Augenblick verschwand auch mein unwohles Gefühl und ich fühlte eher Dankbarkeit, die Liebe und Kraft Gottes.
Während die anderen schliefen merkte ich, dass mein Kumpel aus der Gemeinde auch nicht eingeschlafen ist, worauf ich dann mit ihm leise gesprochen habe. Aufgrund des Glaubensbekenntnisses fühlte ich mich sehr angenommen und sah es auch als eine Art Bestätigung für meinen Weg, weswegen ich ihm danken wollte. Ohne zu überlegen nahm ich in in den Arm, was er auch halb erwiderte, und sprach ihm meinen Dank aus, da ich ohne ihn so eine Veränderung niemals durchleben konnte und ich sagte ihm, dass er mir viel bedeutet und mir ebenso der beste Freund war, den ich jemals hatte. Ich glaube in dem Moment verspürte ich freundschaftliche Liebe zu ihm, was ich ich auch sagte. Er sagte daraufhin, dass das auch Gottes Werk ist und ich auch Gott danken kann und ihn lieben kann. Nach einem Gute Nacht, legten wir uns wieder in den getrennten Betten hin. Ich überlegte noch über das, was er gesagt hatte, wobei mir das Gefühl überkam, bei ihm Liebe und Anerkennung gesucht zu haben und möglicherweise auch meine Triebe von früher verfolgt zu haben. Ich schämte mich für mein Handeln und dafür, dass ich meinen Trieben möglicherweise freien Lauf ließ ohne Berücksichtigung der Sünde. Ich dachte vor der Aktion mit der Umarmung nicht an die Sünde, sondern eher an meine Gefühle, die möglicherweise auch durch meine Triebe zum Ausdruck kamen.
ich fühle mich schuldig, da ich meinen Freund mit meinen wohl noch bestehenden Trieben konfrontierte und meinen Gedanken freien Lauf ließ. Auf dem Ende jeder Sünde liegt die Zerstörung, auch wenn die Sünde einem als wohltuend und positiv erscheint. Ich wollte nicht meinen Freund mit solch einer Sünde konfrontieren und ihm damt möglicherweise schaden. Ich will ihm nicht schaden oder ihm beim Zugang zu Gott im Weg stehen. Mir bereitet es Angst, dass solche unüberlegten Aktionen von mir zur Trennung mit meinem Kumpel führen, da er mir sehr wichtig ist. Ich liebe ihn nicht mehr als Gott schätze ich, aber trotzdem würde er mir als Freund sehr fehlen. Ich weiß nicht, ob ich damit emotional abhängig von ihm bin, was ich aber auch nicht sein möchte. Und nun zu meinen Fragen: Wie kann ich meine Sünde endgültig loswerden und vollkommen für Gott und meine Mitmenschen offen sein? Hab ich nur nicht genug Gewissheit im Glauben? Ich kann für die Aktion kaum Vergebung empfangen, da es mich innerlich so quält und ich die Angst nicht loswerde, meinen Freund mit dem Kontakt zu mir zu schaden. Ich bin davon überzeugt, dass Gott Homosexualität nicht vorgesehen hat und ich verstehe auch die Sünde dahinter und möchte sie nicht mehr in meinem Inneren haben. Ich werde weiterhin bei Gott um Vergebung und um Heilung beten, aber im jetzigen Moment konnte ich das Gefühl kaum aushalten. Ich hoffe, sie können mir weiterhelfen.
mit freundlichen Grüßen
Hallo Herr Muchlinsky,
ich habe einige Fragen zur kirchlichen Trauung:
Ich habe schon mehrfach gelesen, dass es nicht im Sinne der ev. Kirche ist, wenn der Vater die Braut zum Altar führt. Mir bedeutet diese Form des Einzugs allerdings sehr viel, da dieses ein Ausdruck meiner tiefen und liebevollen Verbundenheit zu meinen Eltern ist. Die Brautübergabe ist in unseren Augen eine stark emotionale symbolische Handlung, welche zum Ausdruck bringt, dass Familie und Partner noch mehr zusammengeschweißt werden. Kann uns dieser Brauch tatsächlich verwehrt werden?
Auch wichtig ist mir die persönliche und individuelle Auswahl an Liedern, welche nicht unbedingt klassische Lieder aus dem Gesangsbuch mit Orgelbegleitung sind. Hat man dabei in der Regel freie Wahl (z.B. eine Sängerin oder ein Gospelchor, die die ganze Trauung musikalisch begleiten), oder gibt es diesbezüglich Einschränkungen?
Ich freue mich über eine Antwort,
herzlichst Ihre Jennifer
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