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Beziehung und Familie
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
Ich habe heute einen großen Fehler begangen und fühle mich sehr schuldig. Ich habe mich seit ein paar Monaten vermehrt mit Glauben beschäftigt, vor allem weil mich ein Freund im Dezember letzten Jahres zur Gemeinde bewegt hat. Ich entschied mich nach mehreren Unterhaltungen dazu, auch an Gott zu Glauben und mit Gott die Freude zu finden, doch zweifelte ich stark daran, ob ich überhaupt Anspruch auf Gott hatte, weil ich an bisexuellen Gedanken leide. Doch ich wollte Gewissheit und informierte mich über den Standpunkt von solchen Gedanken im evangelischen Glauben und fand heraus, dass schwule Gedanken ebenso nicht von Gott gewollt sind. Trotzdem wollte ich den Kontakt mit Gott und betete um eine Heilung und Unterstützung, doch die Annahme der Vergebung fiel mir besonders schwer. Als ich es meinem Freund von meiner Sünde beichtete und wir daraufhin zusammen beteten, verschwanden die Gedanken spürbar und ich fühlte mich besser. Ich fuhr mit regelmäßigem Beten fort und verspürte immer mehr und mehr eine Veränderung und die Schwächung dieser Triebe. Doch gestern war ich mit meinem Freund aus der Gemeinde und zwei weiteren Gläubigen zum Übernachten verabredet. Wir sprachen die ganze Nacht lang über dem Glauben und der persönlichen Bedeutung von Gott, vor allem auch über persönliche Schwierigkeiten im Umgang mit dem Glauben. Bei diesen Themen fühlte ich mich unwohl, da ich über die meisten Schwierigkeiten kaum nachgedacht habe und diese selber nicht empfand. Am Ende beteten wir alle zusammen und wir führten eine Art Gottbekenntnis für mich aus, da ich mir mit meinem Weg mit Gott sicher bin. An diesem Augenblick verschwand auch mein unwohles Gefühl und ich fühlte eher Dankbarkeit, die Liebe und Kraft Gottes.
Während die anderen schliefen merkte ich, dass mein Kumpel aus der Gemeinde auch nicht eingeschlafen ist, worauf ich dann mit ihm leise gesprochen habe. Aufgrund des Glaubensbekenntnisses fühlte ich mich sehr angenommen und sah es auch als eine Art Bestätigung für meinen Weg, weswegen ich ihm danken wollte. Ohne zu überlegen nahm ich in in den Arm, was er auch halb erwiderte, und sprach ihm meinen Dank aus, da ich ohne ihn so eine Veränderung niemals durchleben konnte und ich sagte ihm, dass er mir viel bedeutet und mir ebenso der beste Freund war, den ich jemals hatte. Ich glaube in dem Moment verspürte ich freundschaftliche Liebe zu ihm, was ich ich auch sagte. Er sagte daraufhin, dass das auch Gottes Werk ist und ich auch Gott danken kann und ihn lieben kann. Nach einem Gute Nacht, legten wir uns wieder in den getrennten Betten hin. Ich überlegte noch über das, was er gesagt hatte, wobei mir das Gefühl überkam, bei ihm Liebe und Anerkennung gesucht zu haben und möglicherweise auch meine Triebe von früher verfolgt zu haben. Ich schämte mich für mein Handeln und dafür, dass ich meinen Trieben möglicherweise freien Lauf ließ ohne Berücksichtigung der Sünde. Ich dachte vor der Aktion mit der Umarmung nicht an die Sünde, sondern eher an meine Gefühle, die möglicherweise auch durch meine Triebe zum Ausdruck kamen.
ich fühle mich schuldig, da ich meinen Freund mit meinen wohl noch bestehenden Trieben konfrontierte und meinen Gedanken freien Lauf ließ. Auf dem Ende jeder Sünde liegt die Zerstörung, auch wenn die Sünde einem als wohltuend und positiv erscheint. Ich wollte nicht meinen Freund mit solch einer Sünde konfrontieren und ihm damt möglicherweise schaden. Ich will ihm nicht schaden oder ihm beim Zugang zu Gott im Weg stehen. Mir bereitet es Angst, dass solche unüberlegten Aktionen von mir zur Trennung mit meinem Kumpel führen, da er mir sehr wichtig ist. Ich liebe ihn nicht mehr als Gott schätze ich, aber trotzdem würde er mir als Freund sehr fehlen. Ich weiß nicht, ob ich damit emotional abhängig von ihm bin, was ich aber auch nicht sein möchte. Und nun zu meinen Fragen: Wie kann ich meine Sünde endgültig loswerden und vollkommen für Gott und meine Mitmenschen offen sein? Hab ich nur nicht genug Gewissheit im Glauben? Ich kann für die Aktion kaum Vergebung empfangen, da es mich innerlich so quält und ich die Angst nicht loswerde, meinen Freund mit dem Kontakt zu mir zu schaden. Ich bin davon überzeugt, dass Gott Homosexualität nicht vorgesehen hat und ich verstehe auch die Sünde dahinter und möchte sie nicht mehr in meinem Inneren haben. Ich werde weiterhin bei Gott um Vergebung und um Heilung beten, aber im jetzigen Moment konnte ich das Gefühl kaum aushalten. Ich hoffe, sie können mir weiterhelfen.
mit freundlichen Grüßen
Hallo Herr Muchlinsky,
ich habe einige Fragen zur kirchlichen Trauung:
Ich habe schon mehrfach gelesen, dass es nicht im Sinne der ev. Kirche ist, wenn der Vater die Braut zum Altar führt. Mir bedeutet diese Form des Einzugs allerdings sehr viel, da dieses ein Ausdruck meiner tiefen und liebevollen Verbundenheit zu meinen Eltern ist. Die Brautübergabe ist in unseren Augen eine stark emotionale symbolische Handlung, welche zum Ausdruck bringt, dass Familie und Partner noch mehr zusammengeschweißt werden. Kann uns dieser Brauch tatsächlich verwehrt werden?
Auch wichtig ist mir die persönliche und individuelle Auswahl an Liedern, welche nicht unbedingt klassische Lieder aus dem Gesangsbuch mit Orgelbegleitung sind. Hat man dabei in der Regel freie Wahl (z.B. eine Sängerin oder ein Gospelchor, die die ganze Trauung musikalisch begleiten), oder gibt es diesbezüglich Einschränkungen?
Ich freue mich über eine Antwort,
herzlichst Ihre Jennifer
Lieber Herr Muchlinsky,
ich hatte Ihnen vielleicht vor 14 Tagen eine Frage gestellt und noch keine Antwort bekommen. Ich will auch gar nicht drängeln, nörgeln oder nerven - danke, dass es hier so ein Fragen-Angebot gibt! - ich wollte bloß nochmal sichergehen, dass meine Frage tatsächlich angekommen ist. Vorsichtshalber stelle ich meine Frage nochmal ;) Und zwar frage ich mich, inwiefern es für Gott okay ist, mehrere Beziehungen zu haben. Ich meine die, ich sag mal, landläufige Meinung eines christlichen Beziehungsbildes ist ja das einer Ehe, also eines Partners, und das möglichst lebenslang. Ich bin da auch voll dafür. Aber ich lebe ja nun mal auch in unserer Zeit und da könnte man denken, es sei ein Sport, so viele Partner im Leben wie möglich gehabt zu haben - mehrere Partner hintereinander. Und was jetzt meine Frage "auslöst": im AT lässt Gott Polygamie zu - mehrere Partner nebeneinander! Dennoch glaube ich, dass auch die Bibel eher das "christliche Ideal" des einen Partners schon propagiert. Ich selber (19) hatte leider noch keine Beziehung, und habe auch nicht vor, meinen Partner wie die Unterwäsche zu wechseln. Vielleicht warte ich ja sogar auch auf "die Richtige". Auf der anderen Seite macht das der, der schon viele Beziehungen hatte ja evtl. auch, nach dem
Motto: "Du musst erst viele Frösche küssen, bis ein Prinz (oder eine Prinzessin :) ) vor dir steht". Und der ist vielleicht auch nicht glücklicher, wie ich, der noch nie eine Beziehung hatte.
Meine Frage ist halt: lässt es Gott nun zu, dass wir eine Beziehung eingehen, auch vielleicht ohne gleich eine (Ehe-)Bindung eingehen zu wollen, mit dem "Risiko", vielleicht nach dem jetzigen Partner auch noch einen nächsten zu haben?? Immerhin hat er ja wie gesagt auch mehrere parallele Partner zugelassen!! Ist es okay eine Beziehung einzugehen, einfach um Beziehung auszuprobieren? Das Bild einer Partnerschaft war zu bibl. Zeiten sicher auch anders, aus entsprechenden Gründen und "Umwelteinflüssen", aber inwiefern kann man die Worte der Bibel zu Beziehung auf heute übertragen?
Ich hätte nichts gegen was Ernstes und mir geht es auch nicht nur um Sex (aber auch ein bisschen...), trotzdem denke ich vielleicht auch nicht gleich an Heiraten, ich hätte im Moment einfach gerne eine Beziehung, wobei sich mir eben obige Fragen aufgetan haben.
Danke für Antworten!
Hallo Herr Muchlinsky,
Seit einigen Wochen bin ich mir nun aktiv darüber bewusst, dass ich mich nicht nur zu Männern, sondern auch zu Frauen hingezogen fühle. Jedoch fällt es mir schwer es auszusprechen. Denn auch wenn in der heutigen Gesellschaft so was als "normal" gilt und akzeptiert wird, ist es defacto nicht normal und man wird auch nicht immer so behandelt. Ich habe es meinen engsten Freunden erzählt und dabei keinerlei schlechte Erfahrung gemacht. Jedoch ist meine Schwester homosexuell und auch schon seit einigen Jahren geoutet und dabei habe ich die ein oder andere schlechte Erfahrung gemacht. Ich habe Angst davor wie die Menschen reagieren. Ich habe Angst davor wie ich angesehen werde und ich habe Angst davor, dass meine Mitmenschen und (vor allem) Freundinnen mein Verhalten falsch interpretieren und sich zurück ziehen obwohl eine Umarmung nur eine freundschaftliche Geste ist oder ein Kuss auf die Wange nur freundschaftlich Glück, Freude und Dankbarkeit ausdrückt.
Mein anderes Problem ist, dass ich es nicht meiner Familie sagen kann. Akzeptiert von ihr werde ich. Das weiß ich, da meine Eltern auch meine Schwester sofort akzeptiert haben und sie sie bei ihrer Hochzeit vor wenigen Monaten zu jeder Zeit unterstützt haben. Aber wie kann ich es meiner Mutter sagen? Wie kann ich ihr sagen, dass keines ihrer beiden Kinder "normal" ist? Wie kann ich ihr nur sagen, dass sie vllt niemals biologische Enkelkinder bekommt?
Ich war neulich seit langer Zeit wieder in der Kirche, weil ich es leider von meinem Terminplan nicht schaffe regelmäßig zu gehen... Dort jedenfalls habe ich mich geborgen und nicht so alleine, einsam und verlassen gefühlt wie sonst. Meine Frage also ist die ob Gott mich ganz und gar akzeptiert und liebt. Eigentlich ist das meine Auffassung - Gott hat jeden Menschen genau so geschaffen wie er ist und Gott liebt jeden Menschen, denn er ist von ihm geschaffen. Damit hätte ich nie ein Problem bei der Homosexualität meiner Schwester. Aber mir scheint als würde das nicht mehr auf mich zutreffen. Ich fühle mich unvollständig und fehlerhaft. Ich bin nichts ganzes und nichts halbes. Ich bin weder das eine, noch das andere. Und genau das tut weh. Es tut weh darüber nachzudenken nicht normal zu sein. Doch im Gespräch mit Gott kann ich keine Lösung finden. Es ist als antworte er mir nicht. Lehnt er mich ab weil ich so bin wie ich bin?
Lieber Herr Pastor Muchlinsky,
ich bin begeistert über Ihre seinerzeitige Antwort an Monika, die Sie um Rat bat, da ihr Freund mit einer inzwischen dementen Frau verheiratet ist. Es ging um die Frage: liegt Ehebruch vor oder nicht.
Ich befinde mich in einer absolut gleichen Lage, nur daß ich der Ehemann in diesem Trio bin. Über 50 Jahre bin ich mit meiner Frau verheiratet, die inzwischen in einer Dementenwohngruppe lebt, mich nicht mehr erkennt. Aber ich werde sie weiter besuchen, sie streicheln und für sie sorgen. Die Bekanntschaft mit einer anderen Frau schien für mich wie von Gott gesandt, der Trost in meinen schweren Stunden, die Hoffnung für ein neues Leben.
Aber diese an sich großartige Frau konnten Sie nicht überzeugen. Es war nicht die verbliebene Bindung an meine Ehefrau, die sie störte, sondern ihr starker Glaube, daß man die Bibel nicht interpretieren dürfe und sie wörtlich anzuwenden habe.
Wir hatten vereinbart, drei Pastoren zu befragen und danach eine Entscheidung zu treffen. Zu meiner Überraschung sagten alle drei eindeutig: das ist Sünde. Einer ging sogar soweit, zu sagen, "Gott will auch keine rein intellektuelle Beziehung zwischen einem verheirateten Mann und einer Frau. Die vorprogrammierte Versuchung ist bereits Sünde."
Inzwischen sind wir beide nach vielen Tränen getrennt - und leiden beide. Sie spricht nach wie vor von Liebe, bringt aber zum Ausdruck, daß ihr die Erfüllung der Gebote Gottes und das ewige Leben wichtiger sind. Ich kann nicht verstehen, daß Gottes Wille so in der Praxis aussehen soll. Zwei Menschen, die sich zu ihm bekennen, und ihn doch so unterschiedlich verstehen, müssen leiden.
Seit unserer Trennung beschäftigt mich die Frage, in welchen Grenzen man die Bibel interpretieren, sie gewissermaßen auf unsere Zeit anwenden darf. Die Meinung meiner Freundin: "Das Wort ist eindeutig und nicht interpretierbar. Wohin kämen wir denn, wenn jeder seine eigene Auslegung vornimmt?"
Wie sehen Sie das? Gibt es zu dieser Frage vielleicht Literatur?
Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.
Herbert R.
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