Bundesregierung soll mehr gegen Einsatz von Kindersoldaten tun

Bundesregierung soll mehr gegen Einsatz von Kindersoldaten tun
Bündnis kritisiert vor allem Rekrutierung von Mädchen
Entführt, vergewaltigt, zum Töten gezwungen - Kindersoldaten sind oft für den Rest ihres Lebens traumatisiert. Das gilt besonders für Mädchen, sagen Experten und fordern eine Ende der Straflosigkeit für den Einsatz von Kindersoldatinnen.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten hat die Bundesregierung aufgefordert, sich auf internationaler Ebene mehr gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten und besonders gegen den Einsatz von Mädchen einzusetzen. So müssten in den betroffenen Ländern Programme gestärkt werden, die den Einsatz von Kindern und Jugendlichen in bewaffneten Konflikten verhinderten, erklärte der Sprecher des Bündnisses Kindersoldaten, Frank Mischo, am Dienstag in Berlin. Außerdem müsse die Reintegration von Betroffenen gefördert werden.

Kritisiert wurde auch die weitgehende Straflosigkeit des Einsatzes von Jungen und Mädchen als Kindersoldaten. Bislang habe es nur wenige Anklagen am Internationalen Strafgerichtshof gegeben, sagte Mischo. Am 12. Februar ist der sogenannte Red Hand Day, der weltweite Aktionstag gegen den Einsatz von Kindersoldaten.

Mädchen seien nicht nur häufig Opfer sexueller Gewalt, "sondern sie übernehmen auch dieselben Aufgaben wie Jungen und werden wie sie oft körperlich und psychisch misshandelt", sagte Mischo. Die Reintegration in die vorherige Lebenssituation sei für Mädchen dabei besonders schwierig. Sie würden stigmatisiert und seien ohne soziale Absicherung weiter besonders ausgeliefert.

Weltweit werden in bewaffneten Konflikten den Angaben zufolge etwa 250.000 Kinder und Jugendliche zum Kämpfen gezwungen. Darunter sind je nach Konflikt zwischen fünf und 20 Prozent Mädchen, heißt es unter Berufung auf Zahlen der Vereinten Nationen (UN). Aktuell sei der Einsatz von Kindern in 23 Konflikten dokumentiert. Allerdings gebe es ein sehr großes Dunkelfeld, sagte Thomas Berthold, Kinderrechtsexperte von Terre des Hommes und Sprecher des Bündnisses.

Die Bundesregierung müsse ihre Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat nutzen und die Mittel für die Rehabilitation ehemaliger Kindersoldaten und Kindersoldatinnen erhöhen. Vor allem müssten die Berichterstattung über Verstöße gegen das Einsatz-Verbot und die Strafverfolgung verbessert werden, sagte Berthold.

Auch die UNO-Flüchtlingshilfe forderte mehr Geld von der internationalen Gemeinschaft für die Resozialisierung und psychologische Betreuung ehemaliger Kindersoldaten. "Wir brauchen nicht nur konsequentes internationales Vorgehen gegen den Einsatz von Kindersoldaten, sondern auch finanzielle Mittel, um den Kindern und Jugendlichen professionell zu helfen", erklärte der Geschäftsführer des deutschen Partners des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Peter Ruhenstroth-Bauer in Bonn. Die Linksfraktion im Bundestag sprach sich dafür aus, die Wiedereingliederung zu einem Schwerpunkt der Entwicklungshilfe zu machen und dafür mindestens 200 Millionen Euro jährlich auszugeben.

Am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft. Es verbietet den Einsatz von unter 18-Jährigen. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindern und Jugendlichen als Soldaten. Das Bündnis Kindersoldaten unterscheidet dabei zwischen der Rekrutierung Minderjähriger in Berufsarmeen wie etwa der Bundeswehr ab 17 Jahren und der Zwangsrekrutierung als Kindersoldat in bewaffneten Konflikten. Anlässlich des "Red Hand Day" sind weltweit Aktionen mit dem Symbol der roten Hand geplant. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten besteht aus elf nichtstaatlichen Organisationen.

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