Frag doch die evangelische Kirchen-KI

Roboter und Mensch arbeiten zusammen
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Vor allem der Datenschutz ist ein sensibles Thema bei der Nutzung von KI. (Symbolbild)
Hilfe für Arbeit und Ehrenamt
Frag doch die evangelische Kirchen-KI
ELOKI heißt die Künstliche Intelligenz an der die Bayerische und die Rheinische Landeskirche gemeinsam arbeiten. Sie soll in Zukunft Mitarbeitende und Ehrenamtler bei ihrer Arbeit unterstützen.

Sandra R. hat ein besonderes Gespür für Technik und Telekommunikation. Beruflich hat sie das Potenzial der Künstlichen Intelligenz, kurz KI, erkannt und nutzt es seit gut zwei Jahren, um Ideen, Budgetplanungen und Auswertungen Stück für Stück zu automatisieren. Diese technologische Raffinesse möchte Sandra R. auch in ihrem Ehrenamt einsetzen.

Als Mitglied eines Kirchenvorstands hat sie zwar Zugriff auf die Telekommunikationsangebote ihrer Landeskirche, wie Cloud- und Maildienste, doch ein KI-Modell steht ihr nicht zur Verfügung. Wenn sie das Thema bei anderen Ehrenamtlichen anspricht, stößt sie oft auf große Vorbehalte. Fragen wie "Inwiefern nützt mir Künstliche Intelligenz?" und "Was geschieht mit meinen Daten?" sind allgegenwärtig und beschäftigen nicht nur die Ehrenamtlichen in ihrem kirchlichen Umfeld.

Sandra R. ist eine von knapp 890.000 Ehrenamtlichen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese Fragen sind real und beschäftigen auch die Verantwortlichen des ersten kirchlichen KI-Angebots, das den Namen "Evangelisch. Lernend. Offen. KI.", kurz ELOKI, trägt. An diesem Projekt arbeiten die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB), die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) und die Stabstelle Digitalisierung der EKD. Die Federführung liegt bei der ELKB, während die Rheinländer laut Sprecher als "Juniorpartner" fungieren. Derzeit befindet sich ELOKI in der Projekt- beziehungsweise Erprobungsphase, und es ist noch unklar, wann es allen Ehren- und Hauptamtlichen zur Verfügung stehen wird. "Im Hintergrund laufen noch Klärungsprozesse", erklärt der Sprecher der EkiR.

KI-Nutzung soll Freude bereiten

Die Nutzung der Kirchen-KI soll allen Beteiligten Freude bereiten. Deshalb gibt es laut der Bayerischen Landeskirche einen Pool von Testerinnen und Testern, die fortwährend technische Anpassungen vornehmen. Zudem tauchen ständig neue rechtliche Fragen auf. In der Probephase liegt der Schwerpunkt auf der "Erarbeitung von Use Cases" gemeinsam mit den Pilottestern. Das bedeutet, dass die Entwickler untersuchen, wie und wofür ELOKI genutzt wird.

Wenn diese Hürden erst einmal überwunden sind, dürften sich Ehrenamtliche wie Sandra R. freuen. Sie kann dann sicher sein, dass die Kirchen-KI den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entspricht. Die technische Umsetzung liegt in den Händen des Kirchlichen Rechenzentrums Südwest in Eggenstein-Leopoldshafen. "ELOKI basiert auf gängigen Open-Source-KI-Modellen. Aktuell werden Gemma 3 27b (Google) und GPT OSS 120b (OpenAI) durch den Dienstleister StackIT bereitgestellt", teilt die Bayerische Landeskirche mit. Und: "KI ist schnelllebig, daher können während des Betriebs andere Modelle hinzugefügt oder bestehende Modelle ersetzt werden."

Grundlagen der KI verstehen

Für Dr. Karl Teille, Referent der Evangelischen Agentur in Hannover mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz und Ethik, sind die beiden Landeskirchen auf dem richtigen Weg. Er ist überzeugt, dass jeder die Grundlagen der KI verstehen sollte. "Das ist eine neue Technik, die wir brauchen werden." Allerdings müsse für alle in Kirche und Diakonie, ob haupt- oder ehrenamtlich, klar sein, was in Sachen KI möglich ist und was nicht. Wer KI nutzt, müsse auf jeden Fall DSGVO-Kenntnisse besitzen. Einen Prompt abzuschicken, sei im Prinzip wie ein Aushang am Schwarzen Brett: Jeder könne alles lesen. Persönliche Daten und Namen gehörten deshalb nicht dort hinein.

Teille schätzt, dass der Einsatz von KI auch im kirchlich-diakonischen Ehrenamt innerhalb der kommenden fünf Jahre zunehmen wird. Dies werde vor allem "überall dort vorkommen, wo Menschen am PC sitzen". Für Sandra R. ist das eine willkommene Entwicklung, da sie ihre beruflichen Kenntnisse in ihre Arbeit im Kirchenvorstand einbringen kann.

Info:

Wie und in welchem Umfang den Ehrenamtlichen KI-Modelle oder -Plattformen zur Verfügung stehen, liegt in der Verantwortung der jeweiligen Landeskirche. Die Modelle variieren schon jetzt. Während beispielsweise die Evangelische Kirche im Rheinland auf Open-Source-Lösungen setzt, hat die Bremische Evangelische Kirche (BEK) ihre IT im vergangenen Jahr auf Microsoft 365 umgestellt. Darin ist der KI-Assistent Copilot enthalten.