Er ist der ewige Publikumsliebling der Deutschen. Als Journalist, Moderator und ehemaliger TV-Produzent seit mehr als 50 Jahren im Geschäft, erfolgreich, sozial engagiert, zahlreich ausgezeichnet: Günther Jauch. Heute, am 13. Juli, wird er 70. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn jemand sogar auf die Idee käme, den Wahl-Potsdamer als neuen Bundespräsidenten vorzuschlagen - schon vor knapp 20 Jahren wünschte sich jeder zweite Deutsche laut einer Umfrage des Emnid-Instituts Günther Jauch immerhin als Bundeskanzler.
Im Mai 2012 hatte Jauch der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Ich glaube ernsthaft, dass ich in 15 Jahren mit Fernsehen absolut nichts mehr zu tun haben werde." Das wäre 2027. Doch ein Ende seiner Karriere ist nicht in Sicht.
Seit 1999 moderiert er die Quizsendung "Wer wird Millionär" bei RTL. Seine Fähigkeit, allen Kandidatinnen und Kandidaten mit ehrlich wirkendem Interesse zu begegnen, schnell eine Gesprächsebene auf Augenhöhe zu finden und mit eingestreuten persönlichen Anekdoten Nähe herzustellen, hebt die Sendung aus dem reichen Angebot an Quizshows heraus. Gegenwärtig schauen, wenn es hoch kommt, drei Millionen Menschen zu. Doch mit Marktanteilen zwischen 13 und 15 Prozent liegt Jauch zumeist über dem Senderdurchschnitt.
Günther Jauch in der Staatskanzlei Potsdam den Landesverdienstorden.
Geboren 1956 in Münster, aufgewachsen in Berlin, begann er seine Laufbahn als freier Mitarbeiter im Sportfunk des Radiosenders RIAS. Der Sohn des Journalisten Ernst-Alfred Jauch, der das Berliner Büro der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) leitete, brach sein Jura-Studium ab, absolvierte 1976/1977 die Ausbildung bei der Deutschen Journalistenschule in München und startete ab Ende der 1970er Jahre als Hörfunk-Moderator beim Bayerischen Rundfunk durch.
Dort trafen Jauch und Thomas Gottschalk erstmals aufeinander. Durch die Moderation der B3-"Radioshow" wurden sie zu einem populären Duo. "Er gab den Witzknödel und ich den wahnsinnigen Informationsvermittler", erinnerte sich Jauch später. Es war eine Rollenaufteilung, die die Karriere der beiden Freunde über Jahrzehnte prägte, bis zum Ende der RTL-Show "Denn sie wissen nicht, was passiert" im Dezember 2025. Nach Gottschalks Rückzug aufgrund einer Krebserkrankung gaben auch Jauch und Barbara Schöneberger die Moderation ab.
Im Fernsehen auf nahezu allen Kanälen präsent
Im Fernsehen war Jauch in mehr als 40 Jahren auf nahezu allen Kanälen präsent. Er moderierte die Jugendsendung "Live aus dem Alabama" im Bayerischen Fernsehen, wurde im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF bundesweit bekannt und ab den 1990er Jahren zur "Allzweckwaffe" bei RTL. 1990 begründete er mit dem wöchentlichen Magazin "Stern TV" den Versuch, die strikte Trennung von Information und Unterhaltung aufzuheben - eine Boulevard-Grenzgängerei, die nicht immer gut ging: Mit Jauch als Chefredakteur fiel "Stern TV" auf gefälschte Filme des freien Autors Michael Born herein.
Seiner Karriere konnte das wenig anhaben. 2000 gründete Jauch die Kölner Produktionsgesellschaft i&u TV und verkaufte seine Anteile 2019 an die US-Finanzinvestoren von KKR. Und 2011 wurde er doch noch Gastgeber der Sonntags-Talkshow in der ARD, obwohl er sich Jahre zuvor über die öffentlich-rechtlichen Strukturen und deren "Gremien-Gremlins" derart geärgert hatte, dass eine Einigung nicht zustande gekommen war. Seine Zeit bei der am meisten beachteten Fernseh-Talkshow endete 2015. Bei RTL moderierten Jauch und Pinar Atalay 2025 das "Quadrell" vor der Bundestagswahl mit vier Kanzlerkandidaten.
Legendärer Fußballkommentar
"Jauch ist auch deshalb so geeignet für alle denkbaren Spitzenjobs im Fernsehen, weil das Publikum so viel in ihn hineinprojizieren kann", analysierte die Kritikerin Barbara Sichtermann. Nebenbei betätigt er sich als Winzer auf einem Weingut im Saarland. Kaum zu überblicken sind seine zahlreichen Auszeichnungen. Neben allen bedeutenden Medienpreisen des Landes sind darunter der "Krawatten-Mann des Jahres" (1991) und der "Karl-Valentin-Orden" (2025).
Auch als Sportkommentator hat er Fernsehgeschichte geschrieben: Gemeinsam mit Marcel Reif war er für das Champions-League-Halbfinale Real Madrid gegen Borussia Dortmund 1998 in Madrid zuständig. Weil ein Tor umgefallen war, mussten beide 76 Minuten Leerlauf bis zum Spielbeginn überbrücken, was ihnen derart unterhaltsam gelang, dass Fußball-Floskeln wie "Ein Tor würde dem Spiel guttun" bis heute einen besonderen Beiklang haben.
Schutz des Privatlebens ist ihm wichtig
In Potsdam engagiert er sich als spendabler Mäzen, steuerte eine Million Euro zur Sanierung der Friedenskirche bei, in der er und seine Frau Thea 2006 heirateten. Das Paar hat zwei leibliche und zwei adoptierte Töchter. Beim Schutz seines Privatlebens versteht Jauch allerdings keinen Spaß. Gegen die Zeitschrift "Bunte" zog er wegen der Berichterstattung über seine Hochzeit bis vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Er verlor.
In Offenen Briefen, die er unterzeichnet hat, befürwortete er zum Beispiel die Aufnahme von Afghanen, denen dies von der Bundesregierung zuvor zugesichert worden war, den Erhalt der Hörfunksendung "Zeitzeichen" oder die Weiterführung des Pflichtfachs Religion an Berliner Schulen. Man muss ja auch nicht gleich Bundespräsident werden, um sich gesellschaftspolitisch einzubringen.




