Der Theologe Ralf Frisch kritisiert die evangelische Kirche in seinen Kolumnen und Büchern deswegen oft so scharf, weil sie ihm am Herzen liegt. "Man kann der Kirche auch dadurch schaden, dass man sie zu wenig kritisiert", sagte Frisch dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Es sei nicht sein Verständnis von Luthertum, es sich in der Kirche einfach gemütlich zu machen und sich nur noch mit Strukturdebatten "ohne die geringste Leidenschaft für die spirituelle Regeneration der Kirche" zu beschäftigen, erläuterte er.
Seine scharfe Kritik sieht er als Teil seiner Jobbeschreibung als Professor für Systematische Theologie und Philosophie an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, sagte Frisch: "Der Glaube an die Humanität und den guten Menschen scheint zum eigentlichen Bekenntnis der evangelischen Kirche geworden zu sein." Er sei aber der tiefen Überzeugung, "dass der Glaube an den guten Menschen nichts mit dem christlichen Glauben zu tun hat." Denn das Scheitern der Moral ziehe sich "wie ein roter Faden durch die Bibel", sagte der Theologe.
Nach jeder Kolumne rutscht das Herz in die Hose
In den aktuellen Verlautbarungen des Protestantismus habe er oft das Gefühl, er lese Texte vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB, der SPD oder den Grünen. "Mir geht es nicht darum, dass ich mir etwas politisch Konservativeres wünsche", sagte Frisch. Aber das Narrativ sollte primär ein religiöses und kein politisches sein, egal welcher Couleur. "Wenn wir als Kirche nur noch moralische Kommunikation betreiben, weil wir glauben, die Sprache der Ethik werde immer verstanden, dann verlieren wir unseren ureigensten Kern."
Der Theologe betonte, trotz seiner scharfen verbalen Klinge sei er "eigentlich ein dünnhäutiger Mensch, dem nach der Veröffentlichung jeder Kolumne das Herz in die Hose rutscht". Er habe das Gefühl, es müsse gesagt werden, sagte Frisch: "Meine Kolumnen sind ja nicht nur polemisch, sondern auch witzig, selbstironisch und geistreich." Er leide an der Kirche und an der Theologie, weil er in ihr das "Oberlicht" suche, die Vertikale, das Transzendentale. Eine Wahrheit sei ja auch: "Wenn man zu leise tritt, wird man nicht gehört", sagte Frisch.
Frisch veröffentlicht regelmäßig Kolumnen im evangelischen Online-Portal "sonntagsblatt.de". Nun hat der Claudius-Verlag eine Kolumnen-Sammlung veröffentlicht: "Mehr Opium fürs Volk."



