Jugendliche sitzen am Lagerfeuer, singen gemeinsam, sprechen über Gott, die Welt und ihre Zukunft. Was wie eine klassische Jugendfreizeit wirkt, ist ein besonderes Angebot für die Konfirmandenarbeit: Das Konfi-Camp. Unter anderem in Nordbayern, in der Pfalz und in Bremen fanden die mehrtägige Camps in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Sie sollen die klassische Konfi-Arbeit bereichern und jungen Menschen neue Zugänge zum Glauben eröffnen.
Viele der jungen Konfirmand:innen, die in diesem Jahr dabei waren, erlebten die Camps als prägende Gemeinschaftserfahrung. Gemeinden berichten sogar von einer stärkeren Bindung der Jugendlichen an ihre Kirche. Doch was macht den Erfolg der Konfi-Camps aus? Und könnten sie die Konfirmandenarbeit langfristig verändern?
Ein Blick in die "KonfiCon" in Bayern
In Nordbayern startete in diesen Tagen erstmals die "KonfiCon" – eine Convention, die es in dieser Form bislang nicht gab. An der Evangelischen Jugendbildungsstätte Neukirchen kommen an drei Terminen insgesamt rund 500 Konfirmand:innen zusammen. Fünf Tage lang, von Mittwoch bis Sonntag, verwandelt sich das Gelände rund um die Jugendbildungsstätte in ein Camp aus 43 Zelten. In Workshops, Sport- oder Freizeitangeboten und Andachten dreht sich alles um Gemeinschaft, Glauben und Spiritualität.
Zum ersten Mal dabei war auch Phil Kessler, 13 Jahre: "Ich hätte nicht erwartet, dass es so cool ist. Beim Zelten weiß man ja nie, was auf einen zukommt, und man weiß auch nicht, wie groß die Location ist oder wie die Leute dort sind. Wenn ich nach Hause komme, sage ich meinen Freunden bestimmt: Ich habe ganz viel gelacht mit meinen Freunden, alle Leute sind cool, und es war ein super Erlebnis." Auch der eigene Glaube spielte für ihn eine wichtige Rolle: "Der Glaube bedeutet für mich, dass Gott immer bei mir ist und existiert. Er hilft mir, wenn ich es schwer habe – deswegen finde ich den Glauben ziemlich wichtig."
"Mit der 'KonfiCon' schaffen wir ein Angebot, das bisher gefehlt hat", sagt Stefan Ludwig, pädagogischer Leiter der Jugendbildungsstätte. Besonders angesprochen werden Gemeinden, die bisher keinen Zugang zu großen Konfi-Camps hatten. Das Projekt ist eine Kooperation des Konfi-Labs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) und der Jugendbildungsstätte.
Wirksames Konzept
Das Konzept ist einfach aber wirkungsvoll: Die Konfi-Gruppen bleiben während des gesamten Camps als Gruppe zusammen und werden zugleich Teil einer großen Gemeinschaft. Jeder Tag im Camp steht unter einem eigenen Thema, von Selbstwahrnehmung über Gemeinschaft bis hin zu Fragen des Glaubens.
"Meinen Glauben stärke ich dadurch, dass ich mich mit anderen Leuten austausche", sagt auch Amelie Krebes, die beim ersten Camp als Teilnehmerin dabei war.
Projektleiter Benedikt Vogt sieht darin einen besonderen Mehrwert: "Durch die vielfältigen Impulse und die unterschiedlichen geistlichen Prägungen der Teamer:innen entdecken die jungen Menschen Aspekte des Glaubens, die ihnen zu Hause vielleicht noch nicht begegnet sind." Andrea Heußner, Kirchenrätin im Landeskirchenamt der ELKB, betont die Bedeutung solcher Angebote: "Die Konfi-Arbeit ist oft der letzte intensive Kontakt, den viele junge Menschen mit ihrer Kirchengemeinde haben. Deshalb lohnt es sich, diese Zeit besonders bewusst zu gestalten."
Gemeinschaft über Gemeindegrenzen hinweg
Ähnliche Erfahrungen werden laut Bericht des Evangelischen Pressedienstes auch in der Pfalz gemacht. Beim ersten "Pfälzer Konfi-Camp" in Annweiler am Trifels kamen 55 Jugendliche zusammen, um vier Tage lang zu feiern, zu singen und über das Leben ins Gespräch zu kommen. Unter dem Motto "Great wide open" beschäftigten sie sich mit der Frage, was ihr Leben prägt, trägt und ihnen Orientierung gibt.
Etwas müde sitzen die jungen Leute in Annweiler dann am Ende der Zeit da. In den vergangenen Tagen haben sie nur wenig Schlaf bekommen. Der 18-jährige Betreuer Noah schlägt die Saiten seiner Ukulele an: "Country roads, take me home ...", singen die Jungen und Mädchen. Einige "Elterntaxis" warten schon. "Es war toll, vor allem der Musik-Workshop", bilanziert der 13-jährige Lukas aus Dahn. "Danke für die Gemeinschaft", sagt eine Teilnehmerin beim Abschlussgottesdienst.
Blick über den Gemeinderand
Landesjugendpfarrer Florian Geith sieht in dem Format eine wertvolle Ergänzung der bisherigen Konfirmandenarbeit: "Es könnte den traditionellen Unterricht ergänzen – gerade weil die Jugendlichen hier Gleichaltrige aus anderen Gemeinden kennenlernen."
Der große Schritt ins Leben, auch ins Ungewisse, steht für die jungen Leute mit ihrer Konfirmation im kommenden Jahr an. Sie werden mündige Kirchenmitglieder und langsam erwachsen. Auch deshalb haben sie sich beim "Konfi-Camp" mit der Frage beschäftigt, was das Leben für sie bringt - und was sie trägt. "Danke" singen sie das alte Kirchentagslied beim Abschlussgottesdienst vor einem improvisierten Altar aus Holzpaletten. Ein Friedenszeichen, eine Friedenstaube und ein Herz hängen an Fäden von Bäumen herab, wiegen sich im Wind.
Pfarrer und Pfarrerinnen ziehen positives Fazit
Auch die begleitenden Pfarrer:innen ziehen ein positives Fazit. Pfarrer Bernd Rapp aus Rhodt spricht von einem "großartigen Experiment", das die Arbeit in den Gemeinden bereichere. Pfarrerin Anke Meckler aus Rülzheim wünscht sich sogar eine längere Dauer: "Eine Woche ist zu kurz – wir bräuchten zwei."
Ob das Camp in der Pfalz fortgesetzt werden kann, ist allerdings offen. Der bisherige Veranstaltungsort, das Evangelische Trifels-Gymnasium, wird aus Kostengründen geschlossen. Das Interesse der Gemeinden bleibt dennoch groß. "Wir wünschen uns, dass jeder Konfirmandenjahrgang einmal in den Genuss eines solchen Camps kommt", sagt Geith.
Nicht alleine sein und aktiv werden können
Auch in Bremen, wo das Konfi-Camp an der Ostsee in diesem Jahr stattfand, standen das Wir-Gefühl und gemeinsame Erlebnisse im Mittelpunkt. Workshops, Quatschen am Lagerfeuer und in sich hineinhören bei Andachten: Es gab viel Raum für Begegnung, Austausch und spirituelle Erfahrungen.
Ein wesentliches Merkmal aller Camps ist: Alle machen mit. Die Jugendlichen übernehmen in dieser Zeit auch Verantwortung für das Programm. Aber der Spaß kommt nicht zu kurz: Neben festen Programmpunkten wie Morgenimpulsen, Workshops und Abendandachten gibt es bewusst Freiräume, in denen sie ihre Zeit selbst gestalten können. Den Abschluss bildet ein gemeinsamer Gottesdienst, oft mit Musik und Abendmahl.
Ein Modell für die Zukunft?
Die bisherigen Erfahrungen mit den Konfi-Camps sind vielfach positiv. So sieht es auch Niklas Walter, ehrenamtlicher Teamer des KonfiCon: "Mein großes Ziel ist zu zeigen, dass Glauben und Religion nicht langweilig sind, sondern richtig cool sein können. Als Vorbild ist mir wichtig, dass man Spaß haben und Quatsch machen darf und nicht immer alles so ernst sein muss."
In Bayern soll das Projekt 2027 mit drei weiteren Durchgängen fortgesetzt werden. Anschließend ist eine Evaluation geplant, die über eine dauerhafte Etablierung entscheiden soll, heißt es in einer Pressemitteilung dazu. In anderen Regionen entstehen ähnliche Initiativen. Hilfe bietet das Netzwerk Konfi-Camps, das Gemeinden und Dekanate bei der Entwicklung eigener Angebote unterstützt.
Die Zahl der Konfirmand:innen ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen: Laut Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurden 2008 noch rund 240.000 Jugendliche konfirmiert, im Jahr 2023 waren es etwa 129.683 – ein Rückgang von über 45 Prozent. Mit Formaten wie den Konfi-Camps wollen Gemeinden junge Menschen dort erreichen, wo sie stehen, und ihnen Raum für eigene Glaubens- und Gemeinschaftserfahrungen geben.
Bei KonfiCon sind noch Anmeldungen für zwei weitere Camps möglich. https://www.evangelische-termine.de/d-7791276




