Am Montag war es nach Polizeiangaben in einer Stader Jugendhilfeeinrichtung zu Schüssen in der Dankersstraße 29 in Stade gekommen. Die Polizei sprach zunächst von einer "dynamischen Lage" und war mit einem Großaufgebot vor Ort. Dabei wurden fünf Menschen tödlich und weitere schwer verletzt. Ein sechstes Todesopfer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben der Polizei in einer Presseerklärung am Dienstag gegen 16 Uhr um zwei Frauen sowie einen Mann aus dem Raum Hannover, die sich als Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Jugendhilfeeinrichtung aufgehalten hatten. Unter den Getöteten seien zudem zwei Frauen und ein Mann gewesen, die als Mitarbeitende der Stader Jugendhilfeeinrichtung vor Ort waren.
Haftbefehl wegen sechsfachem Mordes erlassen
Gegen den 45-jährigen mutmaßlichen Schützen wurde am späten Dienstagnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stade vom zuständigen Amtsgericht Haftbefehl wegen Mordes in sechs Fällen erlassen. Der Beschuldigte wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt (JVA) gebracht.
Aus Sicht der Ermittlungsbehörden besteht dringender Tatverdacht, dass der Mann die sechs Menschen während eines Hilfeplangesprächs plötzlich mit einer mitgebrachten Schusswaffe attackierte, um sie zu töten. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Tat aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen – insbesondere Heimtücke und niedere Beweggründe – als sechsfachen Mord.
Die beiden Frauen im Alter von 34 und 65 Jahren, die am Montag wegen des Verdachts der Tatbeteiligung beziehungsweise als Fahrerin des Fluchtfahrzeugs ebenfalls in Gewahrsam genommen worden waren, wurden unterdessen entlassen. Die Staatsanwaltschaft stellte gegen sie keinen Antrag auf Untersuchungshaft.
Hintergründe der Tat
Zum Tathergang am Montag gab die Polizei folgendes bekannt: Gegen 12 Uhr seien mehrere Notrufe bei der Polizei eingegangen. Die Beamten seien unmittelbar danach mit mehreren Streifenwagenbesatzungen vor Ort gewesen. Nach Sicherung des Objektes stellten die Einsatzkräfte zunächst vier Tote fest. Eine weitere Person sei trotz Reanimationsmaßnahmen noch am Einsatzort verstorben, eine sechste Person erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen.
Der mutmaßliche Täter war nach einer unmittelbaren Verfolgung durch die Polizei in einem Pkw festgenommen worden. Eine mitgeführte Schusswaffe wurde sichergestellt. Nach derzeitigem Stand liegt das Motiv im familiären Umfeld. Der im Raum Hannover wohnende Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit hatte in der Einrichtung einen Termin zum Sorgerecht seiner drei Monate alten Tochter. Medienberichten zufolge hatte das Jugendamt das Kind zuvor aus der Familie genommen. Das Baby wurde nach der Tat in die Obhut des Jugendamtes übergeben.
Gedenken und Reaktionen
Die evangelische Kirche in Stade lud als Reaktion auf die Gewalttat zu einer Andacht am Dienstagabend in die St. Wilhadi-Kirche ein. Eingeladen seien alle gewesen, die ihrer Erschütterung, ihrer Trauer und ihrer Anteilnahme Ausdruck geben möchten, teilte der evangelisch-lutherische Sprengel der hannoverschen Landeskirche mit. Vor Ort waren auch Landesbischof Ralf Meister und Landrat Kai Seefried (CDU).
Regionalbischöfin betet für Opfer und Angehörige
Auf Anfrage von evangelisch.de äußert sich Regionalbischöfin des Sprengels Stade Sabine Preuschoff bestürzt: "Ich bin tief erschüttert über die Gewalttat in Stade. Menschen wurden getötet. So viel Leid, das über Menschen gebracht wurde. Mit meinen Gebeten und Gedanken bin ich bei den Opfern dieser Gewalttat und bei den Menschen, denen dadurch ein lieber Mensch entrissen wurde, die einen Kollegen verloren haben. Mein Dank geht an die Seelsorgenden, die jetzt bei den Menschen in Not sind. Und an alle, die jetzt vor Ort zusammenstehen und unterstützen und ihren Dienst tun. Gott behüte alle in dieser schweren Situation."
Bischöfin Fehrs dankt Einsatzkräften
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat ihre Betroffenheit geäußert. Die Tat erfülle sie "mit Entsetzen und Abscheu", sagte die Hamburger Bischöfin laut Mitteilung am Dienstag. Sie bete für die Opfer und ihre Angehörigen. "Ganz gleich, was die Hintergründe sein mögen: Niemals dürfen wir uns an solche Gewalttaten gewöhnen", erklärte Fehrs. Zugleich dankte sie "allen Polizei- und Rettungskräften sowie den Seelsorgenden vor Ort, die eingegriffen, geholfen und getröstet haben".




