Die Evangelische Kirche im Rheinland bleibt trotz erheblicher Mehreinnahmen aus der Kirchensteuer auf Sparkurs. Im vergangenen Jahr erhielt die zweitgrößte deutsche Landeskirche Nettokirchensteuereinnahmen von 802 Millionen Euro, wie Finanzchef Henning Boecker mitteilte. Das waren 57 Millionen Euro oder 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies sei eine sehr gute Nachricht, keine andere Landeskirche in Deutschland erreiche auch nur annähernd eine solche Steigerung.
Boecker führt das starke Einnahme-Plus allerdings überwiegend auf Einmaleffekte zurück. Fast das gesamte Mehraufkommen stamme aus den drei Kirchenkreisen Düsseldorf, Leverkusen und Koblenz. Als Reaktion auf angekündigte US-Zölle hätten sehr wohlhabende Menschen Vermögen umgeschichtet und in großem Stil Aktien verkauft und aus dem amerikanischen in den deutschen Markt geschoben, sodass entsprechende Kapitalertragssteuern anfielen. Insgesamt wuchsen die Einnahmen aus diesem Bereich 2025 um fast 60 Prozent.
"Das werden wir so nicht wieder erleben", betonte Boecker vor der rheinischen Landessynode. Ein weiterer Sondereffekt seien Einnahmen von 10,2 Millionen Euro durch sogenannte Clearing-Zahlungen. Bei diesem Verfahren werden Steuergelder gegenseitig ausgeglichen, die nach dem Wohnsitz-Prinzip anderen Landeskirchen zustehen. Die Einnahmen der rheinischen Kirche aus der Lohn- und Einkommensteuer als wichtigster Finanzquelle wuchsen 2025 wie prognostiziert lediglich um 1,8 Prozent. Für die nächsten fünf Jahre erwartet Boecker ein gleichbleibendes Kirchensteueraufkommen, danach werde es langfristig sinken.
Dank der Mehreinnahmen muss im Doppelhaushalt für 2025 und 2026 weniger oder gar kein Geld aus Rücklagen entnommen werden - ursprünglich war mit einer Entnahme von acht Millionen Euro für 2025 und 18 Millionen Euro für 2026 kalkuliert worden.
Bei der Ruhestandsversorgung für die pensionierten Pfarrer und Kirchenbeamten einschließlich der Beihilfe für Gesundheitskosten wird das Ziel einer Kapitaldeckung von 70 Prozent bis 2030 nach Boeckers Einschätzung erreicht. Die Umlage für die Ruhestandskosten wurde in diesem Jahr von 18 auf 23 Prozent erhöht - fast jeder vierte Kirchensteuer-Euro fließt damit in die Versorgungskasse. Das sei eine enorme Belastung für die Gemeinden und Kirchenkreise, hieß es.
Die Landessynode der rheinischen Kirche befasst sich bei ihrer bis Dienstag dauernden Tagung mit Haushaltskürzungen von 31,8 Millionen Euro. Am Montag will das Kirchenparlament über die vorgeschlagenen Maßnahmen befinden. Am Samstag präsentierte der Dinslakener Superintendent David Bongartz Ideen eines "Arbeitskreises Kirche der Zukunft" für die Kirche im Jahr 2040.
Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder, warb in einem Grußwort vor der Synode für mehr Zusammenarbeit der drei evangelischen Landeskirchen in Rheinland, Westfalen und Lippe. "Wir können in Zukunft nicht mehr alle alles machen", sagte sie. Die Theologin regte ein Treffen der drei Kirchenleitungen an, um gemeinsame Themen zu identifizieren und zu klären, "was wir stellvertretend machen, was wir gemeinsam machen, was jeder für sich machen möchte".
Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) lobte die kirchlichen Beiträge in der Gesellschaft. Die Kirchen seien ein "verlässlicher Ansprechpartner für uns als Politik, kritischer Begleiter, Träger von Gemeinwesen" und auch ein "moralischer Kompass in schwierigem Fahrwasser".


