Begleitet von Studentenprotesten gegen Sparvorhaben hat am Freitag in Bonn die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland begonnen. Mehr als 300 junge Menschen übergaben vor dem Eröffnungsgottesdienst eine Petition mit rund 6.000 Unterschriften zum Erhalt der Evangelischen Studierendengemeinden (ESGn) an Präses Thorsten Latzel, den leitenden Theologen der Landeskirche.
Die Synode will am Montag über Ausgabenkürzungen von 31,8 Millionen Euro auf der landeskirchlichen Ebene bis 2030 entscheiden. Vorgeschlagen sind über 60 Maßnahmen. Die gesamte Struktur und alle Arbeitsfelder würden auf den Prüfstand gestellt, sagt Finanzchef Henning Boecker. "Eigentlich können Sie jede Maßnahme nehmen und Sie merken, es hat Auswirkungen auf die Menschen."
Er verteidigte geplante Einschnitte auch im Sozialbereich. So soll den Plänen zufolge der bisher mit jährlich einer Million Euro gefüllte Arbeitslosenfonds gestrichen werden, er könne nicht mehr finanziert werden. Ein Härtefonds soll künftig nicht mehr aus Kirchensteuermitteln, sondern nur noch aus Kollekten gespeist werden.
Studierende wollen an Umbau beteiligt werden
Der Zuschuss für das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe soll um 20 Prozent gesenkt werden, dies betreffe aber nicht direkt diakonische Arbeit, sondern den Spitzenverband. Die größte Kostenentlastung entsteht mit 8,9 Millionen Euro durch die bereits verhandelte Reduzierung der Umlage an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Hohe Einsparsummen ergeben sich ferner durch den Rückgang des Pfarrdienstes, die Zahl der Pfarrstellen soll sich bis 2040 auf 700 halbieren.
Für die Studierendengemeinden an neun Standorten ist vorgesehen, zu regionalen "Gemeinden junger Erwachsener" zu werden. Zusammen mit einem Ausstieg aus der Beratung ausländischer Studierender und einer Aufgabe der sechs Studierendenwohnheime könnten 2,7 Millionen Euro eingespart werden. Die Studierenden stellten sich nicht gegen die nötige Transformation, wollten aber daran beteiligt werden, sagt die Initiatorin der Petition, Michaela Richter, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
"Jeder einzusparende Euro tut weh"
Präses Latzel versprach, dem Anliegen auf der Synode Gehör zu schenken. Er dankte ausdrücklich "für den Einsatz und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen". Die für Bildung zuständige Oberkirchenrätin Henrike Tetz sagt eine Beteiligung der Studierenden am Umbau der Arbeit zu. "Es wird auch gar nicht anders gehen", sagt sie. Die geplanten Millionenkürzungen in der rheinischen Kirche werden nach Latzels Worten gravierende Folgen für die kirchliche Arbeit haben.
"Jeder einzusparende Euro tut weh", sagt er. "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, um Kirche zukunftsfähig zu erhalten", betont der Theologe. "Wir dürfen nicht aus den Rücklagen leben." Daher werde möglichst ausgewogen versucht, sich an vielen Stellen unabhängiger von der Kirchensteuer zu machen. Die rheinische Kirche verliert durch die demografische Entwicklung und durch Kirchenaustritte jedes Jahr etwa 70.000 Mitglieder, aktuell gehören ihr gut zwei Millionen Menschen an.
Weiter für die Menschen da sein
Pfarrerin Annette Vetter erklärt im Eröffnungsgottesdienst, es sei ein "schmerzvoller und zugleich schöpferischer Prozess". Als Gemeinschaft der Synodalen gehe es darum, nach Wegen zu suchen, wie Kirche auch in Zukunft "für die Menschen in dieser Welt und für alle Geschöpfe da sein kann", betont sie in der Predigt von drei nebenamtlichen Mitgliedern der Kirchenleitung.
Sammy Wintersohl, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region, verweist darauf, dass solche Veränderungsprozesse auch zu Verunsicherungen und Erschütterungen führten. Der Sozialwissenschaftler und Rassismusforscher Lorenz Narku Laing appelliert an die Mitglieder des Kirchenparlaments, in den kommenden Tagen offen für die Argumente anderer sowie die Anliegen der Schwächsten zu sein.


