Kirche im Rheinland spart und stärkt Soziales

Torsten Latzel
epd-bild/Paul-Philipp Braun
Der rheinische Präses Thorsten Latzel: "Dass wir an die Frage von der sozialen Verantwortung Vermögender rangehen müssen, das ist unbedingt notwendig."
Gut ein Fünftel des Etats fällt weg
Kirche im Rheinland spart und stärkt Soziales
Die rheinische Kirche beschließt einschneidende Sparmaßnahmen. Zugleich kritisiert Präses Latzel die ungleiche Verteilung von Reichtum in Deutschland.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat am Montag in Bonn drastische Haushaltskürzungen von mehr als 30 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 beschlossen. Starke Einschnitte in der zweitgrößten deutschen Landeskirche mit über zwei Millionen Mitgliedern soll es demnach wie geplant unter anderem mit rund 2,75 Millionen Euro bei den Evangelischen Studierendengemeinden (ESGn) und ihren Wohnheimen geben.

Abgemildert wurden die mehr als 60 Sparvorschläge vom rheinischen Kirchenparlament, der Landessynode, vor allem im Sozialbereich. Die 235 Seiten umfassende "Finanzstrategie" verabschiedete die Synode anschließend einstimmig.

Das Sparvolumen entspricht gut einem Fünftel des Etats auf der landeskirchlichen Ebene, die 527 Kirchengemeinden zwischen Niederrhein und Saar sind davon nicht direkt betroffen. Vor dem Hintergrund sinkender Finanzkraft sollen die Ausgabenkürzungen den Haushalt sanieren und die Landeskirche zukunftsfest machen.

Zu den Änderungen der Vorlage gehört, dass der mit einer Million Euro dotierte Arbeitslosenfonds nicht gestrichen, sondern um ein Viertel gekürzt wird. Auch der mit gut 125.000 Euro gefüllte landeskirchliche Härtefonds wird nicht abgeschafft, sondern um 55.000 Euro reduziert. Erhalten bleiben zudem die bisherigen Haushaltsmittel für Flüchtlingsprojekte, die laut Vorlage um ein Fünftel verringert werden sollten. Die vorgesehene Kürzung im Etat der Stabsstelle Gender und Vielfalt beträgt 13,5 Prozent statt der zunächst geplanten 20 Prozent.

Latzel: Teilen ist für die Kirche elementar

Der rheinische Präses Thorsten Latzel kritisierte bei der Synodentagung am Montag die ungleiche Verteilung von Reichtum in Deutschland. "Dass wir an die Frage von der sozialen Verantwortung Vermögender rangehen müssen, das ist unbedingt notwendig", betonte der leitende Geistliche. Bereits das Grundgesetz beinhalte die Aussage "Eigentum verpflichtet". "Entscheidend ist nicht nur die Frage von Besitz, sondern wie ich mit meinem Besitz umgehe", erläuterte Latzel. Teilen sei für die Kirche elementar, nicht nur beim Abendmahl.

Finanzchef Henning Boecker erläuterte, dass etwa die Hälfte der zwei Millionen Mitglieder der Evangelischen Kirche im Rheinland keine Kirchensteuer zahle. Ein großer Teil der Kirchensteuer komme aus einer relativ kleinen Gruppe. Im vergangenen Jahr hatte die rheinische Kirche Nettokirchensteuereinnahmen von 802 Millionen Euro. Etwa vier Prozent der Mitglieder sind laut Boecker für bis zu 25 Prozent dieses Aufkommens verantwortlich.