Wird der Bruch der Anglikanischen Gemeinschaft endgültig?

Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally
Gareth Fuller/PA Wire/dpa/Gareth Fuller
Als Erzbischöfin von Canterbury ist Sarah Mullally das geistliche Oberhaupt der Church of England.
Wahlen der GAFCON
Wird der Bruch der Anglikanischen Gemeinschaft endgültig?
Seit 2023 löst sich eine Gruppe anglikanischer Provinzen von der Anglikanischen Gemeinschaft. Die Global Anglican Communion sollte am Freitag (6. März) in Abuja ein eigenes geistliches Oberhaupt, quasi einen Konkurrenten von Sarah Mullally als Erzbischöfin von Canterbury, wählen: Das könnte die Spaltung manifestieren.

Frauen als Priesterinnen oder Bischöfinnen, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare oder eine Frau als Erzbischöfin von Canterbury. Die Liste der Themen, über die in der Anglikanischen Gemeinschaft seit Jahrzehnten teils erbittert gestritten wird, ist mittlerweile lang geworden. Schon als Frauen der Weg ins Priester- und später ins Bischofsamt eröffnet wurde, führte das zu Abspaltungen vieler Mitgliedskirchen oder -provinzen. Viele Gläubige und Geistliche konvertierten daraufhin aber auch zur römisch-katholischen Kirche. 

Als Heimat für konservative Anglikaner gründete sich 2008 in Jerusalem auf der sogenannten Global Anglican Future Conference die Global Fellowship of Confessing Anglicans (GAFCON). In der GAFCON versammelten sich zu der Zeit vor allem Provinzen der Anglikanischen Gemeinschaften aus Afrika, Asien und Latein- und Nordamerika. Auch einzelne Gruppen aus Europa schlossen sich der GAFCON an.

Schon als die Church of England, sozusagen die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft, 2023 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ermöglichen wollte und begann, an Liturgien dafür zu arbeiten, wurde die Distanz zwischen der Anglikanischen Gemeinschaft und der GAFCON sehr deutlich.

Damals warf die GAFCON Justin Welby, zu dem Zeitpunkt als Erzbischof von Canterbury der höchste Geistliche der Church of England und der Anglikanischen Gemeinschaft, vor, er habe "bedauerlicherweise" seine Bischöfe und Bischöfinnen "verleitet, die Empfehlungen zu geben, die zu den Entschlüssen der Kirche von England geführt haben". Damit habe er nicht nur die Basis des Glaubens, der von den Aposteln weitergegeben wurde, verlassen, sondern auch sein Recht darauf verloren, die Anglikanische Gemeinschaft zu führen.

Damals erklärte das Büro des Erzbischofs von Canterbury: "In einer Welt voller Konflikte, Leid und Unsicherheit müssen wir uns daran erinnern, dass uns mehr verbindet als uns trennt. Entgegen unseren Unterschieden müssen wir Möglichkeiten finden, gemeinsame Wege zu gehen und gemeinsam zu arbeiten als Jünger Jesu Christi, um denen zu dienen, die Hilfe benötigen."

Streit um die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare

Auf ähnlichen Widerstand stieß der Plan der Church of England, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Dieses Vorhaben wurde allerdings vor knapp drei Wochen auf der Generalsynode der Church of England wieder aufgegeben, da auch innerhalb der Church of England zu diesem Thema keineswegs eine einheitliche Meinung herrscht. Mehrere Bischöfe hatten 2023 im Rahmen der Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in einem Schreiben dargelegt, warum ihrer Meinung nach die Ehe im kirchlichen Sinne nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden kann.

Die Spannungen in den Fragen zur Rolle von Frauen und der Sexualmoral hatten auch dazu geführt, dass die letzte Lambeth Conference, das regelmäßige Treffen aller Primasse der Anglikanischen Gemeinschaft, mehrfach verschoben werden musste. Da normalerweise alle zehn Jahre eine Lambeth Conference stattfinden soll, hätte die 22. Konferenz eigentlich 2018 stattfinden sollen. Aufgrund der großen Spannungen konnte Justin Welby erst 2022 die Primasse der Gemeinschaft nach London einladen.

Eine Frau im höchsten Amt?

Als Mitte Oktober 2025 bekanntgegeben wurde, dass mit Sarah Mullally zum ersten Mal eine Frau das höchste geistliche Amt der Gemeinschaft als Erzbischöfin von Canterbury übernehmen wird, brach die GAFCON endgültig mit der Anglikanischen Gemeinschaft. Man erkenne die Erzbischöfin von Canterbury, die Lambeth Conference und andere Instrumente der Anglikanischen Gemeinschaft nicht an. Laurent Mbanda, der Primas von Ruanda und Präsident der GAFCON, sagte dazu: "Wir können nicht weiter in Einheit mit denen sein, die die revisionistische Agenda propagieren, welche das inhärente Wort Gottes als höchste Autorität verlassen hat." Außerdem kündigte er die Umbenennung der GAFCON in Global Anglican Communion an.

Mbanda verneint ein Verlassen der Anglikanischen Gemeinschaft, da die Global Anglican Communion die eigentliche Anglikanische Gemeinschaft sei. Das soll durch die Umbenennung verdeutlicht werden und wurde auf einem ersten Treffen, das zur Zeit in Abuja in Nigeria stattfindet, nochmal bestätigt. Zudem wollte die Global Anglican Communion am Freitag (6. März) in Abuja ein eigenes geistliches Oberhaupt, quasi einen Konkurrenten von Sarah Mullally als Erzbischöfin von Canterbury, wählen. Ähnlich wie in der Anglikanischen Gemeinschaft soll das neue Oberhaupt als primus inter pares das Bischofskollegium und die Gemeinschaft führen.

Allerdings wurde die Wahl nach elfstündigen Beratungen verschoben. Am Ende der Wahl wird auf jeden Fall ein Mann als geistliches Oberhaupt der Global Anglican Communion stehen. Einige Mitgliedskirchen gestatten zwar mittlerweile die Diakon- und Priesterweihe für Frauen, aber ihre Zulassung zum Bischofsamt wird nach wie vor quasi geschlossen abgelehnt.